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La n-Wirth schriftliches.

Zum landwirthschaftlichen Fortbil- dungs - Unterricht.

Der Redaction geht folgende Mitheilung zu: Von der Weschnitz. Den 14. Januar. Ich beeile mich, Ihnen nachstehenden kurzen Artikel aus der letzten Rümmer des Lindenfelser Jntelligenzblattes mitzutheilen:Die Bewohner Affolterbachs wurden durch eine höchst zeitgemäße Neujahrsgabe anf's Freudigste überrascht. Die Väter der Gemeinde haben nämlich beschlossen, allen OrtSeinwohncrn Gc- legenheit zu geben, sich ihre sauer erworbenen Schul­kenntnisse zu erhalten und die zu ihrem Berufe un- bedingt nothwenvigen Kenntnisse sich anzueignen. Sie haben demgemäß Herrn Lehrer Sturmfels veran­laßt, gegen ein Honorar von 100 fl. und 2 Stecken Holz an jedem Sonntage des ganzen Jahres 2 Stun- den und während der Wintermonate December, Ja­nuar und Februar an drei Wochentagen je 2 Stun­den geeigneten Unterricht zu ertheilen. Er haben sich bereits 30 Schüler, darunter 4 verheirathete Män­ner, gemeldet. Dieser Akt ist um so mehr ein ehren­des Zeugniß für die genannte Gemeinde, als sie, so viel wir wissen nicht sehr bemittelt ist. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß Vie Initiative hierzu der dortige Herr Bürgermeister Heidenreich ergriffen hat, der für den landwirthschaftlichen Fortschritt eine un­gewöhnliche Thätigkeit entfaltet."

(Zeitschrift f. landw. Vereine.)

Das atmosphärische Butterfaß,

I. Seifried in Tachenhausen berichtet über das Ergebniß der Versuche, welche er mit dem atmosph. Butterfaß auf Ersuchen der Königlich Württemb. Centralstelle f. die Landw. angestellt hatte, Folgen» des:Von frischer Milch, die zuvor auf 18 Grad Reaumur erwärmt wurde, erhielt ich schon nach 10 Minuten Butter, und zwar von 12 Schoppen Milch 9 Loth süße schmackhafte Butter. Die aus­gebutterte Milch wog noch 85 Grad und ist somit noch zu jedem Zweck verwendbar.

Ferner erhielt ich von 7 Schoppen saurem Rahm innerhalb 6 Minuten 1 Pfund 14 Loth Butter, was um ein Namhaftes mehr ist, als von einem gleichen Quantum Rahm, mit dem gewöhn­lichen Butterfaß ausgerührt, in der Regel ange­nommen wird.

Nach diesem Ergebniß wäre somit die Einführung des atmosphärischen Butterfasses sehr zu empsehlen, um so mehr auch, als eine Arbeit, die sonst Stun­den in Anspruch nimmt, in wenigen Minuten be- wältigt werden kann. Noch habe ich zu bemerken, daß die Handhabung des Stößels ziemlich viel Kraft- aufwand erfordert, und dürfte deßhalb für größere Wirthschaften ein Butterfaß mit Hebelbewegung, wo­bei der Fuß am Boden angeschraubt werden kann, noch mehr zu empfehlen sein."

(Wvchenbl. f. Land- und Forstw.)

Zur Schweinezucht.

Herr Ph. Mai, Gutsbesitzer zu Schwammhof i. R., berichtet, daß es für ihn Interesse gehabt habe, zu ermitteln, ob wirklich durch einen Zusatz von sogenanntem Futterknochenmehl zum Futter jun­ger Schweine ein Vortheil erreicht werde und daß er darum einen Wurf Ferkel, die er selber groß zog, in 2 Abheilungen fütterte, und zwar der Art, daß die Futterrationen in der Quantität und Qualität für alle gleich waren, doch erhielten fünf derselben unter das Abendfutter je einen schwachen Eßlöffel voll ausgefällten phosphorsauren Kalk. Schon nach 6 Wochen machte sich ein wesentlicher Unterschied be­merkbar, und zwar zu Gunsten der mit phosphor­saurem Kalk gefütterten Thiere. Derselbe steigerte sich der Art, daß nach Ablauf von fünf Monaten für ein Stück 3 Thaler mehr erlöst wurde, als für das Stück der anderen Abihelung, welcher kein phosphorsaurer Kalk verabreicht worden war.

(Durch die Allg. land- und forstw. Ztg.)

Temperatur in Gießen, Januar 1868 :

niederste.......... 13,1° R.

mittlere.......... 1,14

Mittel früherer Jahre..... 0,84

höchste..........+ 7,8

Niederschlag: an 16 Tagen. . . . 2,16 Par. Zoll.

Mittel früherer Jahre: an 17 Tagen . . . 1,71

sich die Gunst der Dame vom Hause totem zu erwerben, welche er am vergan­genen Abeno so muthwillig verscherzt hatte.

Den Buchhalter kümmerten jedoch die finsteren Blicke nicht, die ihm die Tante zuwarf, geschweige denn ihr einsilbiges Wesen. Er entschuldigte sich nicht einmal wegen der Störung, die er gestern verursacht hatte, sondern beklagte sich noch über cie Barschheit und verletzende Gleichgültigkeit, womit ihm die Diener­schaft begegnet sei. Da aber mit der Tante kein Gespräch anzuknüpfen war und sie von ihm zu Frau v. Seewald flüchtete, so wandte er sich an Henriette, die etwas bleich unv verstört am Fenster stand und in den trüben Herbsttag hinausblickte. Das kräftige, frische, dicke Mädchen war bewegt, und sichtlich be­müht, diese Bewegung zu verbergen, obschon ihr dieß nicht glücken wollte.

Guten Tag, Cousine! Zürnen auch Sie mir wegen des gestrigen Auftritts?" fragte der Buchhalter, und ergriff ohne Umstände ihre widerstrebende Hand.

Keineswegs, Herr Rudolph," erwiederte sie ihm kalt.Sie traten in eine Welt, die Ihnen fremd war, und Ihr linkisches Benehmen ist deßhalb verzeihlich. Wir wollten Ihnen eine Demütigung ersparen, indem wir Sie nicht sogleich in diese Cirkel einführten, für die man sich erst gebildet haben muß!"

Allerdings, Cousine," sagte der Buchhalter ironisch.Sie und die Tante hätten Recht gehabt, wenn ich der Bauerntölpel wäre, für den Sie mich hielten, und als welchen ich mich gestern gab. Allein ich glaube, ein junger Mann, welcher in den ersten Handels- und Fabrikstävten Englands fünf Jahre schon gelebt und auch einiges von der großen Welt gesehen hat, der würve eventuell wohl ebenso viel Lebensart und Weltgewandtheit an den Tag legen können, als die Lieutenants ober Stutzer einer deutschen Provinzialstadt!"

Wir erfuhren dieß erst von Vetter Robert," entgegnete Henriette;hätten wir dieß gewußt oder auch nur eine Ahnung davon gehabt, daß Sie ein Freund von Vetter Robert sind, so hätten wir . . . ."

Natürlich, so wäre mir schon um des reichen Vetters willen eine freund­lichere Miene gezeigt worden!" sagte Der Buchhalter ironisch.Aber sein Sie gerecht, mein Fräulein, und gestehen Sie, daß es nicht meine Schuld war, wenn Sie erst durch den Holländer Vetter erfuhren, daß der Wetterfeloer kein unge­hobelter Bauer sei, sondern ein gebildeter Kaufmann. Gestehen Sie ferner, daß es wenig Sympathie von Ihrer Seite für die Verwandten väterlicherseits ver- räth, eine Erkundigung unterlassen zu haben, die mit wenigen Worten Sie über den neuen Ankömmling aufgeklärt hätte, und daß es zum mindesten nicht sehr logisch gedacht war, einen tölpischen Bauernburschen vom Dorfe für befähigt zu halten, den verantwortlichen Posten eines Buchhalters in Ihres Vaters Comptoir zu bekleiden."

Henriette biß sich auf die Lippen und konnte trotz ihrer Weltgewandtheit ein leichtes Erröthen nicht verbergen.Ich gebe zu, das wir Ihre Epigramme einigermaßen verdient haben, Herr Rudolph Balder," gab sie nach einigem Be­sinnen zur Antwort.

Ich ehre Sie um der Gerechtigkeit willen, die in diesem Geständnisse liegt," fiel er ihr in's Wort.

Aber da Sie so eben unwillkürlich auch zugestanden, daß der Auftritt von gestern Abend nur eine Komödie war," fuhr sie streng und stolz fort,so haben Sie sich sowohl des Rechts begeben, uns Vorwürfe zu machen, als des Rechts, von uns Vertrauen und freundliches Entgegenkommen zu erwarten!"

Sie gehen zu weit, Cousine!" entgegnete der Buchhalter.Verscherzt habe ich dadurch noch nichts, und ich denke, Sie sollten mich nicht ganz ungehört verdammen. Sie sollten erst die Motive kennen lernen, welche mir jenen rnuthwilligen Einfall eingaben, so zu erscheinen, wie man sich mich vorstellte. Sie hätten um Vetter Roberts willen nicht einen solchen Kontrast in dem Empfang unser beider an den Tag legen sollen, da wir beide ja in gleichem Grade mit Ihnen verwandt sind. Was mußte Robert von Ihnen denken, wenn er erfuhr, baß tiefe Hulbigungen nur seinem Vermögen galten, nicht seinem verwanbt- schaftlichen Verhältniß ? Wie unangenehm mußte ihn, ben einfachen gemüthlichen Mann, bie Verwahrlosung berühren, bie man sich so geflissentlich gegen feinen Detter erlaubte, blos weil berselbe ber Sohn minber wohlhabenber Eltern ist? Schon um Ihrer selbst willen hätten Sie unb bie Tante nicht in biefen Fehler verfallen bürfen!"

Henriette erglühte unb wanbte ben Blick ab; ihre Augen, schon zuvor mit Thränen voll, hatten Mühe, diese zurückzuhalten.

Glauben Sie nicht, daß seine plötzliche Widerabreise in einem Zusammen­

hang mit dieser Enttäuschung steht, die Sie ihm bereiteten, Cousine? flüsterte er ihr zu.

Sie^schrack zusammen, unb heftete ihre großen Augen thränenseucht auf ihn. Wie?^Sie wissen schon? . . . Sprach er mit Ihnen barüber ?"

»Ja, er äußerte gestern Abenb, baß er heute wieder abreifen müsse."

Unb sonst nichts? Bezeichnete er keinen Grund für diese Nothwendigkeit?" Ach ja, mein Fräulein; Familienrücksichten dringende Geschäfte wegen Wahrung seiner Interessen, zumal angesichts dieser Handelskrise . . ."

O, Sie wissen noch mehr? Sie müssen mir alles sagen, Herr Rudolph!" Bah, Cousine! ich habe ja ihr Vertrauen verscherzt!" . . .

Vetter!" flüsterte Henriette;Sie sind grausam, unversöhnlich; vergeben Sie mir ! Ich sehe ein, wie gefährlich es ist, Sie zum Gegner zu haben."

Väschen, es ist stets gefährlich, einen Mann, zu beleidigen und zu kränken!" erwiederte der Buchhalter.Jeder rechte Mann hält es für sein heiligstes Vor­recht , aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen, unb so Neigung wie Abneigung, Freunbschast wie Geringschätzung offen an ben Tag zu legen.

Vetter, ich verspreche Ihnen, biefen Rath zu befolgen! Aber ich beschwöre Sie, sagen sie mir offen, was Robert gesprochen hat!" flüsterte sie in tiefer Bewegung mit fltegenbem Äthern unb wogeitbem Busen.Er sprach mit Ihnen über mich, über uns alle; was sagte er ? Ich bitte Sie, antworten Sie mir offen, geben Sie mir Wahrheit!"

Der Vetter ist Ihnen herzlich gut; er bewundert Sie, er ist überrascht, Sie so herrlich entwickelt zu finden," erwiederte der Buchhalter.Er hing mit einer gewissen Pietät und Innigkeit an Ihnen, als an einer Jugendneigung. Sie sind vielleicht seine erste Liebe. Unb bennoch ist er einigermaßen enttäuscht ."

Wie so ?'' fiel ihm Henriette in's Wort und ergriff unwillkürlich seine Hand.

Er fand Sie stolzer unb anspruchsvoller, als er von Ihrem Geist unb unb Verstand erwartet hatte merken Sie sich, Henriette, bas finb seine eigenen Worte. Er staunt über ben zügellosen fürstlichen Luxus in tiefem Hause, unb fragt sich, ob Ihnen bas Bewußtsein abhanben gekommen sei, baß Sie nur einen Kaufmann, einen Bürger zum Vater haben. Er ist nicht erbaut von tiefer kalten Vornehmheit, von tiefer leeren Ostentation, bie hier im Hause eingerissen sinb. Unb bieß bürfen Sie ihm nicht übel nehmen, Cousine! er ist ein Hvllän- ber, ist Kaufmann wie wir, ist ein Mann ber ben Werth bes Gelbes um so mehr schätzt, als er weiß, wie schwer es zu »erbienen ist unb welch ein Mittel es, wohlgehütet unb wohlbenützt, zur Wohlfahrt Aller werben kann! Unb aus ber rauschenben Musik heraus tönte ihm ber Nothschrei ber Armen, bie gestern in ber Fabrik broblos würben . . . ."

»Das Frühstück ist angerichtet!" rief ber Lakai zur Thüre herein.

Ihren Arm, Fräulein!" flüsterte ber Buchhalter, und Henriette legte ihn in ben f einigen, bes erstaunten zornigen Blickes nicht achtenb, welchen bie Cvm- merzienräthin bem stechen Buchhalter, und des tadelnden, ben sie ihrer Tochter zuwarf._______________(Forts, folgt.)

Literarisches.

Das dritte und vierte Heft der so überaus billigen illustrirten ZeitschriftZu Hause" (Stutt­gart, Verlag von Eduard Hallberger) bringen wieder reichen, umsichtig gewählten und tüchtig bearbeiteten Stoff, der in den weitesten Kreisen nützliche Belehrung verbreiten und in Ver­bindung mit schönen Illustrationen edle Unterhaltung gewähren wird. Zunächst lesen wir darin den Schluß der afrikanischen SkizzeKönig Zambiri" von dem vielgereisten trefstichen Erzähler G erst acker; unter dem TitelDie Schreckensnacht von Glarus" bringt der schweizerische Schriftsteller A. Feierabend den Anfang einer geschichtlichen Erzählung, welche den erschüt­ternden Brand von Glarus zu ihrem Gegenstände hat;Erinnerungen aus dem amerikanischen Kriegsieben" von Richard Michaelis schildern in spannen-der Weise fmehrcre inrereffante Episoden aus dem großen Bürgerkrieg der letzten Jahre; die Fortsetzung deö größeren Romans Ein vererbter Fluch" läßt in ergreifender Darstellung die dunklen Geschicke eines seltsamen Familienlebens an unserem Auge vorüber ziehen. Unter den vielen übrigen Artikeln dürften namentlich dieWeltausstellungsbilder" undPapst Pius IX." ein hervorragendes zeitgeschicht­liches Interesse haben, während die biographische Skizze von Or. Wilhelm Zimmermann: Heinrich Theodor von Schön, der deutsche Staatsmann" unSmitten in jene bewegte Zeit ver­setzt, wo die FreiheitShoffnnngen des deutschen Volkes sich an den lieberalen Staatsaufbau Preu­ßens anlehnten, und die Charakteristik Philipp Mclanchthon'S einen der hervorragendsten deut­schen Reformatoren uns wieder in lebendige Erinnenmg bringt. Die natnrgeschichtlichen und ethnographischen Artikel, Sittenbilder und Schilderungen, die sich an passende Zeiten des Jahres und Ereignisse anknüpfen, werden inZu Hause" überall mit vielem Genuß und hoher Freude gelesen werden. Die Bilder, wie z. B.Duncan Gray",Die versunkene Krone" ,Ein Robbenkampf" und dasjenige aus Auerbach'sJoseph im Schnee", sind ebenso meisterhaft im Entwurf wie in der Ausführung. Außerdem fehlt es in diesenbeiden Hefte» an Stoff zu allerlei Kurzweil in Wort und Bild keineswegs.