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Politische Rundschau
(Wett. SB.)
back in Pflege.
Redaction, Druck und Verlag der Bruch l'schen Druckerei (Fr. Chr- Pietsch) in Gießen.
und faßte einen auf dem Vorderwagen stehenden Kasten, um zu hemmen. Unglücklicher Weise war er nicht befestigt, fiel vom Wagen herunter auf den Mann und mit diesem einen Rain hinunter. Der Hinterwagcn, in welchem sich die Frau mit zwei Kindern befand, löste sich los und stürzte nach. Der Mann blieb auf der Stelle tobt, die Frau und Kinder sind erheblich verletzt und befinden fich in Garn-
Kaffel, 2. Febr. Dar von einer so gewaltigen Feuersbrunst heimgesuchte Trendelburg ist ein ehemals kurhessisches Städtchen, das auf einem Berge am linken Ufer der bei Karlshafen in die Weser mündenden Diemel, zwei Stunden südlich von Karls- Hafen und zwei Stunden nördlich von Hofgeismar liegt. Es gehört zum Amtsbezirk Karlshafen im Kreise Hofgeismar und zählt circa 140 Häuser und 950 Einwohner. Wie es bei den alten Sachsen Sitte war, befinden sich noch in den Wohnhäusern Trendelburgs, sowie der meisten anderen Orte in den Hess. Kreisen Hofgeismar und Wolfhagen, sowie in einem großen Theile Hannovers und Westphalens innerhalb der Wohnhäuser die Stallungen für das Vieh, die Scheunen, Holzschoppen rc., was beim Ausbruch eines großen Feuers die gefährlichsten Folgen hat. — Das Feuer, welches am 31. Januar Abends gegen 8 Uhr, wie es heißt, in einem Schafstallc eines Wohnhauses in der Nähe des Rentereigebäu- des ausbrach, griff in Folge des heftigen, allmählig in Sturm übergehenden Süd-West-Windes so rasch um sich, daß die benachbarten Häuser alsbald in Flammen standen, welche, vom Sturm gepeitscht und weithin fortgetrieben, rasch mehrere nordöstlich gelegene Straßen ergriffen. Die furchtbare Gluth und der qualmende Rauch zwang die Hausbewohner und zur Hülfe Herbeieilendcn, nur die zur Hand befindlichen und ihnen am werthvollsten erschei- nenden Gegenstände zu retten und dieselben meist in die Kirche oder auf den Kirchplaß zu fchaf- fen, wohin der Wind glücklicherweise die Flam- men nicht trieb. Es konnte daher auch nur wenig Vieh, unter diesen hauptsächlich Pferde, welche sich leichter aus den Ställen bringen lassen, gerettet werden; dagegen verbrannten viele Ochsen, Kühe, Kälber, Schweine und etwas Geflügel. Es fehlte nicht an Hülfsleistungen, indem die Löschmannschaften sämmtlicher Städte und Dörfer aus der Umgegend allmählig herbeieilten. So waren aus Karlshafen, Helmarshausen, Liebenau und Hofgeismar sämmtliche Spritzen mit Kufen und Geräthen, aus letzterer Stadt auch ein starkes Kommando des daselbst garnisoni- renden Husaren-Regiments Nr. 13 und aus Kassel die Turnerfeuerwchr allmählig bei der Brandstätte eingetroffen. Von der letzteren ward die erste Ab- theilung mit Spritze und Rettungsapparat am 1. Febr. Morgens 4% Uhr mittelst Extrazuges und die zweite Ahtheilung Nachmittags 31/» Uhr in einem Eisenbahnwagen nach Trendelburg befördert. Auch die letztere leistete noch Hülfe. Denn als die aus der Umgegend zur Hülfe herbeigeeilten Spritzen- und Rettungsmannschaften nach der angestrengtesten Hül- feleistung und besonders durch das Niederreißen meh- rerer dem Feuer am nächsten ausgesetzten Häuser das Feuer bewältigt zu haben glaubten, brachen Abends nach Sonnenuntergang die Flammen aus zusammen- gestürzten Trümmern von Häusern von Neuem hervor und schlugen hoch zum Himmel empor, so daß die erste Abtheilung der Kasseler Feuerwehr, welche inzwischen nach dem nahen Hümme abgezogen war, um alsdann von dem dasigen Bahnhofe nach Kassel zurückzukehren, wieder nach der Brandstätte zurückge- rufen werden mußte, wo sie Abends 8 Uhr wieder eintraf.
Nach vorläufigen Nachrichten hat das Feuer mehr als 40 Wohnhäuser, mithin fast ein Drittel sämmt- licher meist mit Feldfrüchten, Stroh, Heu, Holz rc. angefüllten und Vieh beherbergenden Wohnhäuser eingeäschert. Die inmitten der Stadt befindliche Kirche, sowie Rathhaus, Pfarrhaus, Schulhaus und Rentcrei, welche drei Gebäude in der Nähe der Kirche liegen, sind vom Feuer verschont geblieben. Glücklicherweise ist auch kein Mensch umgekommen, was vorzüglich dem Umstande zuzuschreiben ist, daß die Menschen vom Feuerlärm nicht im Schlafe über- rascht wurden und wenigstens so viel Zeit hatten, das nackte Leben zu retten. — Leider hat aber das Brandunglück den ärmeren Theil der Bevölkerung am härtesten betroffen, da dessen Habe meist gar nicht versichert war. Es thut also Hülfe hier vor Allem Noth. Die Expedition dieses Blattes ist gern erbötig milde Gaben an zunehm en und an ihre Bestimmung zu befördern.
Vermischtes.
Aus Oberhessen bringt das „Fr. I." einen Artikel, welcher sich gegen den Fortbestand und die Reorganisation der höheren Gewerbeschule in Darmstadt in folgender Weise ausspricht: Im Interesse des Landes kann es unmöglich liegen, für einen solchen zweifelhaften Wiederbelebungsversuch bedeu- tende Summen aufzuwenden und sicherlich gehen die Interessen des ganzen Landes denen einer einzelnen, ohnedies überaus begünstigten Stadt voran. Ein dringendes Bedürsniß unseres Landes ist dagegen die Aufbesserung der bestehenden Realschulen und ihre Umwandlung in sechsklassige. Die neuen Verhältnisse erheischen dringend eine Verallgemeinerung der Bildung, und der einjährige Freiwilligendienst macht Anstalten nöthig, auf welchen die dazu erforderlichen Kenntnisse erworben werden können. Diejenigen, welche höhere technische Studien machen wollen, haben hierzu auf der Landesuniversität oder auf auswärtigen polytechnischen Anstalten hinlängliche Gelegenheit; für unser Land bedürfen wir namentlich die Herstellung guter Mittelschulen, welche die Grund- läge zu jeder höheren Ausbildung legen. In diesem Sinne haben sich bereits einige der größeren Local- gewerbvereine unserer Provinz erklärt und hoffen wir, daß unsere Abgeordneten die Vorlage der Regierung reiflich erwägen und eine so bedeutende Summe, wie die verlangte, nicht zur künstlichen Erhaltung einer lebensunfähigen Anstalt bewilligen, dagegen unserem bis jetzt sehr kärglich bedachten Realschulwesen gründl.ich aushelfen werden. (Unterstützt)
Butzbach. Am vergangenen Mittwoch ereignete sich auf dem Wege zwischen Holzheim und Gambach ein betrübender Fall. Das Wägelchen eines wandernden Künstlers gerieth an einer abschüssigen Stelle in's Laufen, so daß das Pferd es nicht aufzuhalten vermochte. Der Mann sprang aus jenem heraus
Darmstadt, 30. Jan. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 7 enthält:
I. Gesetz, die Wahlen der Abgeordneten zum Zollparlament betreffend.
II. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Finanzen, die Wahlen der Abge- ordneten zum Zollparlament betreffend.
III. Bekanntmachung, die Aufbringung der Mittel zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen für 1868 betreffend.
IV. Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst zu ver- leihen geruht: 1) am 30. November 1867 dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Höchst an ver Nidder, Johann Adam Meininger das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für vieljährige treue Dienste"; 2) am 6. December 1867 dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Stockstadtj: Heinrich Schneider, das allgemeine Ehrenzeichen mit derselben Inschrift; 3) am 12. December 1867 dem Schullehrer an der ersten Knabenschule zu Griesheim, Heinrich Decher, in Anerkennung seiner fünfzigjährigen mit Eifer und Treue geleisteten Dienste das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für fünfzigjährige treue Dienste"; 4) am 25. December 1867 dem Bürgermeister der Kreisstadt Offenbach, Heinrich Dick, das Ritterkreuz erster Klaffe des Philipps-Ordens; 5) am 1. Januar dem Kammermusiker Philipp Harbordt, in Rücksicht auf seine fünfzigjährigen treu geleisteten Dienste, die golvene Verdienstmedaille des LudewigS-Ordens; 6) an demselben Tage dem Hofgartenaufseher ver Hofgärtnerei Auerbach, Christoph Hehl, das allgemeine Ehrenzeichen mit rcr Inschrift: „Für Verdienste"; 7) am 3. Januar dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Abenheim, Thomas Boxheimer das allgemeine Ehrenzeichen mit derselben Inschrift; 8) am 16. Januar dem Förster und Forstwarten in der Oberförsterei Homberg, Georg Sutter, mit Rücksicht auf seine fünfzigjährigen treuen Dienste, das silberne Kreuz des Philipps-Ordens. (Schluß folgt.)
Darmfiadt, 2. Februar. Der Finanz-Aus- schuß zweiter Kammer ist auf den 4. einberufen. Die Regierungsvorlage betreffs der Eisenbahnbauten ist zur Stunde noch nicht eingelangt.
Berlin. Die Fürsten von Hannover und Nassau sind für den Verlust ihrer Länder im vorigen Jahre mit 25 Millionen Thalern von Preußen entschädigt worden. Diese Gelder sind aus der Kriegsanleihe genommen worden, lieber die Anerkennung dieser Verträge — der König von Hannover hat nicht auf seinen Thron verzichtet — wurde im preußischen Landtag verhandelt. Gras Bismarck ging selbst in'S Feuer und drohte mit seinem Rücktritt, wenn die Verträge nicht anerkannt würder. Er sagte u. A.: In Nicolsburg verhandelte man nach dem Kriege darüber, den drei besiegten Fürsten Theile ihrer Staaten zu lassen; den Oestcrreichern hatte man 100 Millionen für ihren Antheil an Schles- wig - Holstein geboten und alle Welt hätte diesen Preis nicht zu hoch gefunden im Vergleiche zu den Kosten ver Erwerbung Schlesiens im 7jährigen Kriege, aber Oesterreich verlangte Land und Leute: die Grafschaft Glatz und einen Theil von Oberschlesien. Das hat man heute vergessen. Ich würde heute denselben Vertrag noch einmal schließen und 10 Millionen mehr bewilligen, wenn Europa mit den Erwerbungen Preußens zu versöhnen die Wirkung dieser Bewilligung ist. Will ras Haus diesen Vertrag verwerfen, so thue es dies offen; dann wird es die Minister constitutioneller finden als es glaubt; dann werden die Verträge aus der Welt geschafft sein und anvere Minister und Grundsätze werden herrschen, aber nach 6 Monaten will ich Nachfragen, ob ich nicht Recht hatte. Ich wiederhole, unser Entschluß, abzudanken, wenn Vie Verträge fallen, ist nicht Komödie. — Diese Erklärung entschied. Viele Abgeordnete erklärten, sie stimmten mit schwerem Herzen für die Verträge, die schließlich mit 254 gegen 113 Stimmen ange- nommen wurden. Schultze-Delitzsch, Waldeck, Löwe- Calbe, Lasker stimmten gegen die Verträge. Finanz- Minister Heyd tröstete die Herren, Preußen werde das Geld balv genug durch Hannover und dessen Domänen wieder gewinnen. Die betr. Fürsten bekommen nicht das Capital, sondern nur die Zinsen ausgezahlt.
Dresden, 2. Februar. Die „Constttutionelle Zeitung" schreibt: „Sicherem Vernehmen nach wird in ven nächsten Tagen ein königliches Decret an die Stände gelangen, welches die Aushebung der Todesstrafe ausspricht.
Gotha, 31. Jan. Der gemeinschaftliche Land- tag der Herzogthümer Coburg und Gotha, welcher
in den nächsten Tagen zusammentritt, um finanzielle Formalitäten zu erledigen, die thatsächlich bereits erledigt sind und in den Sonderlandtagen nochmals erledigt werden, bildet ein frappantes Seitenstück zu den Delegationen des österreichischen Kaiserstaates. Hier und dort derselbe Dualismus, derselbe Antagonismus, derselbe schwerfällige Regierung« - Mecha- nismus. Dort jenseits und diesseits der Leitha, hier diesseits und jenseits des Thüringerwaldes. Es fehlt weiter nichts, um Vie Komödie vollständig zu machen, als daß die transsylvanischen Herren Coburger, wie die Ungarn in ihrer Art, mit speeifisch fränkischer Tracht und mit speeifisch fränkischem Dinierte eoquet- tiren. Armes Oesterreich, wenn deine Delegationen eben so wenig unter einen Hut zu bringen sind, wie die Dcputirten der Herzogthümer Coburg und Gotha! Dann wird auch das beste Ministerium, dessen man sich hier und dort erfreut, immer nur eine Sisyphus- Arbeit verrichten. (Fr. II
Hamburg, 4. Febr. Wie der „Hamb. Corr." berichtet, ist in den zwischen Preußen und Hamburg gepflogenen Verhandlungen über die Begrenzung des Freihafens ein völliges Einverständniß über die neue Zollgrenze erzielt worden.
Karlsruhe, 4. Febr. Der Ministerpräsident und der Staatsminister der Finanzen und des Handels, Herr Carl Mathy, ist nach mehrwöchentlicher Krankheit in der vergangenen Nacht mit Tod abgegangen.
Baden, 31. Jan. Während die Gesetzgebung den Lehrern kein anderes Recht körperlicher Züchti- gung einräumt, als Schläge auf die Hände der Schüler mittelst einer Ruthe, kommt es nicht selten vor, daß andere weit stärkere Züchtigungen ange- wenvet werden. Damit stumpft man das wichtigste Erziehungsmittel ab, nämlich das Ehrgefühl der Kinver, und setzt sich der Gefahr aus, mit dem Strafgesetz in Collision zu geräthen, wie andererseits die Schulkinder leicht eine bedeutende Verletzung erleiden können, wenn die Lehrer, die heilsame Schranke des Gesetzes überschreitend, sich in der Aufregung zu Tätlichkeiten hinreißen lassen. In allen diesen Beziehungen lehrreich ist die heutige Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer. Hauptlehrer R. von O. hatte schon oft Dienststrafen wegen Mißhandlung von Schülern erhalten, ließ sich aber dadurch nicht abhalten, seine Schüler zu schlagen, was im betreffenden Falle zur Folge hatte, daß ein schwächliches Mädchen von zwölf Jahren einen Bruch des rechten Schlüsselbeins erlitt, wofür der Schuldige zu einer Strafe von sechs Wochen Amtsgesängniß verurtheilt wurde. (Karlsr. Zig.)


