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nungen eine Erweiterung erfahren. Der Staatsmi- nistcr a. D. von der Decken hat seine Berufung bereits erhalten.

Berlin, 31. Oct. Das heute an der Börse verbreitete Gerücht, Graf Bismarck werde gänzlich zuriicklrctcn, oder wenigstens Vas Ministerium des Auswärtigen niederlegcn, wird von bestunterrichteter Seite für unbegründet erklärt.

Dresden, 29. October. In einer am 27. d. in Leipzig abgehallenen und von 1000 Personen be­suchten Arbeitcrversammlung wurde auf Antrag des RcichtagSabgeordncten Liebknecht folgender Beschluß gefaßt:In Erwägung, 1) daß die Gründung von Gcwerksgeuosscnschaften nach dem Muster der engli­schen Trades unions behufs Organistrung der Ar­beiterklasse zur Wahrung und Förderung ihrer In­teressen und zur Weckung ihres ClassenbewußtseinS nothwcndig ist; ferner. 2) daß durch die Beschlüsse der vereinigten Arbeitercongresse bereits die Anregung gegeben und der Anfang znr Gründung von Gewerks- genoffcnschaften gemacht worden ist, beschließt die heutige Versammlung, energisch vorzugehen zur Bil­dung solcher Genossenschaften, und beauftragt ein Comitö, die dazu nöthigen Schritte zu thun und namentlich mit den Verwaltungen der bestehenden Arbeitcrclaffen rc. in Verbindung zu treten." Zu dem hierauf ernannten Comite gehören u. A. die Herren Liebknecht und Bebel. Auf Antrag des Letzteren wurde alsdann noch eineAdresse an das spanische Volk" angenommen, in welcher demselben die Errich­tung einer social-demokratischen Republik empfohlen wird.

München, 29. Oct. Die für Anfang dieser Woche projcctirte Reise des Prinzen Adalbert nach Paris, von der man erzählte, sie werde zu dem . Zwecke unternommen, Spanien in dem neunjährigen Knaben des Prinzen ein Königlein zu geben, wurde bis jetzt noch nicht ausgeführt; wir glauben auch nicht, daß der König von Spanien dießmal in Pa­ris creirt werde. Nachdem die Telcgraphen-Con- ferenz in Baden-Baden zu Ende ist, werden die Verhandlungen zwischen Baiern und Würtemberg wegen der Fortführung verschiedener Eisenbahnlinien wieder ausgenommen, und es treten schon in den nächsten Tagen die bereits früher activcn Cowmiffärc der beiden Länder zu dem besagten Zwecke in Mün­chen zusammen.

Wien, 30. Oct. Der Verfassungsausschuß be­schloß, die für Böhmen ergriffenen Ausnahmsmaß- regeln seien als geiechtsertigt zu erklären. Die pol­nischen Ausschußmitglieder stimmten dagegen.

Wien, 30. Oct. DieDebatte" meldet: Der französische Gesandte in Florenz, Malaret, werde dorthin eine Note überbringen, worin das französi­sche Cabinet an die italienische Regierung die be­stimmte Frage richte, ob dieselbe den Bestand des territorialen Status quo im Kirchenstaate feierlich und unzweideutig zu garantiren vermöge. Von der Beantwortung dieser Vorfrage hänge der Entschluß Frankreichs bezüglich 'der römischen Frage ab.

Paris, 29. Oct. Die Exkönigin von Spanien nebst Gemahl und Gefolge, im Ganzen 45 Perso­nen, trifft am 4. oder 6. November von Pau in Paris ein. Sie steigt nicht sofort in den Hotels ab, welche sie in den Champs Elysses (66 und 68) gemiethct hat, da dieselben (sie gehören einer Frau von Montailleur an und waren seit Jahren unbe­wohnt) erst hergerichtet und möblirt werden. Einst­weilen wird sic im Grand Hotel (nach Andern in einem Hotel des Place du Palais Royal wohnen). Die Miethe für die beiden Hotels in den ChampS Elysee beträgt 70,000 Franken pro Jahr. Der '"Kannte Kar! VII. von Spanien bewohnt jetzt definitiv mit seiner Gemahlin ein HauS in der Rue Chauveau-Lagarde. Merkwürdig genug ist es eine Tante Prim's, welche es ihm untermiethete.

Paris, 30. Oct. Prinz Napoleon ist nach England abgercist. DieFrance" bezeichnet den den Artikel derNeuen freien Preffe", welcher die Ländertheilung zwischen dem Kaiser von Rußland und dem König von Preußen betrifft, für eine ex- centrische Träumerei. DerEtendard" kündigt die Ankunft der Königin Isabella in Paris auf den 6. Nov. an. Ferner sagt derEtendard" in Be­treff der neuen Karte Europa's:Es ist leicht, den practischen Werth der Mainlinie zu discutiren und die gegenwärtige Tragweite der Verträge zwischen dem norddeutschen Bund und den Südstaaten zu übertreiben; im Grunde bleibt cs doch ein unbe- stveitbares, nicht aus der Welt zu schaffendes Factum, daß, selbst die wollständige Vereinigung von Nord- und Süddeutschland angenommen, man doch nur die Hälfte der einst in compacter Masse gegen uns ver- einigten Kräfte vorfindet." DiePatrie" fragt bei Besprechung des Artikels desJournals de St. Petersbourg", was dieser Feuerbrand bedeute, wel­

cher inmitten einer Gesellschaft geschleudert wurde, in der Alles nach friedlichen Zielen hinstrebt.

Florenz, 31. Oct. Oer König kommt Montag an. Das Parlament wird auf den 23. November einbcrufen. Naveau, der neue Handelsminister, lei­stet nächsten Montag den Eid. Für nächsten Dien­stag, dem Jahrestage der Schlacht von Mentana, steht eine Demonstration bevor. Graf Usedom wird den 10. November erwartet.

Rom, 28. Oct. Räuber sind in das Landhaus des schottischen Collegs gedrungen und haben den Subdirector entführt. Sie fordern ein Lösegeld von 100,000 Frcs. Odo Russell, Agent der englischen Regierung, hat Schritte bei der Polizei wegen Auf­findung der Urheber dieser Entführung gethan. Trup­pen wurden zur Verfolgung der Räuber ausgesandt.

Havanna, 30. Ocrober. Hier hat sich eine Junta gebildet und sich gleichzeitig für eine Cuba'sche Republik erklärt. Eingeborene beabsichtigen einen Aufstand, dessen aber der Generalcapitain Lersundi wahrscheinlich bald Herr werden wird.

Vermischtes.

Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 29. Oct.) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Vogt, die Ge- nieinderathsmitglieder Berg, Felsing, Keller, Loder, Nagel, Petri, Ricker, Rosenberg, Silbereisen und Weidig.

Der Gemeinderath erhielt von den Verfügungen des Großh. Kreisamts vom 20. und 24. Oct. d. I. in Betreff der Ober- hessischen Eisenbahnen Kenntniß. Es wurde beschlossen, Protest gegen die Richtigkeit des vorgelcgten PläneS einzulegen, weil die in der Nähe des Hessische» HofeS projectirte Straße darauf nicht angedeutet und die Richtung der Bahn in der dortigen Gegend auch nicht richtig eingezeichnet sei. ES wurde daher beantragt, daß unter Mitwirkung deS Großh. KreiSamts eine Berichtigung dieser Anstände vorgenommen werde. Zur Ver­handlung Namens der Stadt wurden außer dem Großh. Bür-., germeister die Gemeinderathsmitglieder Silbereisen. Weidig, Möhl und Löber bestimmt.

ES soll auf die Verfügung Großh. KreiSamts vom 20. Oct. in Betreff der Erbauung eines Posthauses erwiedert wer­den. daß eine Verständigung zwischen der Stadt und der Post- verwaltung aus den in dieser Sache entwickelten Verweige­rungsgründen nicht zu Stande kommen dürfte, und daß es der Stadlvorstand für den Fall, daß die Postverwaltung auf ihrer Forderung bestehe, auf eine gerichtliche Entscheidung werde an­kommen lassen.

In Betreff der Vorstellung der Bewohner der Neuen An­lage wurde beschlossen, dieselbe an die Bau. und Beleuchtungs- Commission zur gutachtlichen Aeußerung zu verweisen.

Auf Vortrag des Gemeinderathsmitgliedes Rosenberg wurde beschlossen, bei den jetzigen Besitzern des hiesigen Gaswerkes anzufragen, ob sie das vertagSmäßige Recht der Stadt auf die Bereitung von Holzgas anerkennen; sollten sie diese Erklärung ablehnen, so sollten diejenigen Personen, welche von jenem Recht der Stadt Kenntniß haben, als Zeugen zum ewigen Gedachtniß vernommen werden.

Das Gesuch der Gail'schen Wollespinnerei wurde an den Banausschuß verwiesen.

Desgleichen die Bitte des Oeconomen Faber.

Die Erbauung einer Brücke über die Wieseck, wie sie pro- jectirt ist, soll unterbleiben, dagegen ein Aquaduct hergestellt werden.

Der Gemeinderath erklärt sich bereit, für 22 Fuß Qua­dratfläche, welche Mar Henkel der Stadt zur Verbreiterung des Tiefenwcggäßchens abzutreten geneigt ist, eine Vergütung von 40 fr. für den Quadratfuß zu leisten.

Die Forderung des Schlosser Kreiling für Schlofferarbeit in der restaurirten Stadtkirche im Betrag vom 27 fl. 26 ft. wurde zur Zahlung auf die Stadtkasse übernommen.

Der Gemeinderath bewilligt dem Octroicontroleur eine außerordentliche Vergütung von 70 fl. zu Lasten der Ueber- schüssc der Stadtkasse.

Der Gemeinderath gibt in Betreff der Planirung der 12. Schneise im Stadtwald dem mit Georg Rinn H. von Watzenborn abgeschlossenen Handaccord seine Zustimmung.

3n Betreff des Brunnens an der Realschule wurde das Gutachten des Großh. Reallehrers Dr. Buchner und das Schreiben des Großh. Realschuldirectors Dr. Stein verlesen und hierauf beschlossen, den erwähnten Brunnen nochmals rein auspumpen zu lassen.

Auf Vortrag des Großh. Bürgermeisters wurde der in Beziehung auf das Octroierhebungslocal am Seltersthor ge­faßte Beschluß dahin näher bestimmt, daß vor der Hand nur die zwei Stuben des Erhebers und die Küche ansgeweißt wer­den sotten.

Auf die Vorstellung des Hofgerichtsadvokaten Baist dahier soll erwiedert werden, daß der Gemeinderath dem Octroierhe- ber Roloff am Wallthor gestatten wolle, seine Kaution mittelst des fraglichen Gartens zu stellen, wenn Letzterer als freies Object zur Sicherheit eingesetzt werde.

Die übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persön­licher Art.

Darmstadt, 22. Oct. Das heute erschienene Regie­rungsblatt Nr. 56 enthält:

I. Mittheilmig deS TerteS der preußischen Militärstraf­gesetze, deren Einführung durch Gesetz vom 19. April, l. I. angeordnet ist.

II. Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allerguädigst zu verleihen geruht: am 4. August dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Gorrheim, Franz Schmitt, das allgemeine Ehrenzeichen mit der In­schrift :Für treue Dienste"; am 8. Sept, dem geistlichen Rath, Decan des DecanatS Bingen und katholischen Pfarrer in Ockenheim, Bender, in Anerkennung seiner fünfzigjäh­rigen treuen und ersprießlichen Dienstleistung das Ritterkreuz erster Classe des' LudewigSordenS; am 12. Sept, dem Bau­rath und ordentlichen Professor der philosophischen Fakultät der Landesuniversität, Dr. Hugo von Ritgen, das Ritterkreuz erster Ciasse des PhilippSordens; am 19. Sept, dem ordent­lichen Professor der evangelisch-theologischen Facultät an der Landesuniversität, Dr. Dillmann und dem ordentlichen Professor der philosophischen Facultät, Dr. Lange, das Rit­terkreuz erster Classe dieses Ordens; am 26. Sept, dem Steuer­

aufseher bei der OrtSeinuehmerei Mainz, Eckhardt, mit Rücksicht auf seine fünfzigjährigen treuen Dienste, daS. sil­berne Kreuz dieses Ordens; am 30. Sept, dem Zollaufseher bei dem Zollamte Maiz, Götz, mit Rücksicht auf seine fünf­zigjährigen treuen Dienste, das silberne Kreuz dieses OrdenS; am 10. Oct. dem Doctor der Medicin und Augenarzt, Adolph Weber in Darmstadt, das Ritterkreuz erster Classe des Phi- lippordens.

III. Namensveränderungen. Seine Königliche Ho­heit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 16. Sept, dem Joh. Jacob von Lorsch zu gestatten, statt seines bisherigen Familiennamens Jacob in Zukunft den Familien­namen Reudörfer, am 19. Sept, dem Johannes PH. Meyer von Heusenstamm zu gestatten, statt seines bisherigen Familiennamens Meyer in Zukunft den Familiennamen Bütt­ner, am 7. Oct. dem Heinrich Wollbeck zu Steinbach zu gestatten, statt feine« bisherigen Familiennamens Wollbeck in Zukunft den Familienname» Keßler und dem Valentin Udet zu Offenbach zu gestatten, statt seines bisherigen Fami­liennamen Udet in Zukunft den Familiennamen Schneider zu führen. (Schluß folgt.)

Wie di- preußischen Generalstäbler arbeiten, schildert au« Gera dieD. Allg. Ztg.:Die 30 Reiter kamen, ar­beiteten und gingen geräuschlos. Am frühen Morgen ritten sie eiznzeln hinaus in die herbstlich nebelig- Landschaft. Ich hatte Gelegenheit, auf einem Spaziergange die Thätigkeit Ein­zelner zu beobachten. Am äußersten Ende der Stadt steht da« städtische Armenhaus,^von wo aus sich verschiedene Wege durch Thalgründe rc. abzweigen. Plötzlich taucht unter den Bäumen ein Husarenoffizier, einer der Generalstäbler, auf. Er zieht eine Karte hervor, prüft diese, indem er sie mit dem vor ihm lie­genden Terrain vergleicht, macht sich ein« Rotiz und reitet wei­ter. Dort oben, weit, weit davon, nur mit einem scharfen Lorgnon erkennbar, reitet auf steiler Bergkante ein anderer Ge­neralstäbler, ein Jnfanterieoffizier, die Karte in der Hand and links und rechts prüfende Blicke werfend. Aber wo sind die U-brig-n? Nach allen vier Himmelsgegenden hinausgeritten, ohne Wegweiser und Führer durch Busch und Wald, nur ihr« Karten in der Hand. Keiner von ihnen war je in der Ge­gend. Aber Schlag 12/j Uhr Nachmittvgs trafen sich Alle bei Dürrenebersdorf, einem an der alten ehemaligen Reichs­straße, die von Franken nach Sachsen führte, gelegenen Dorfe. Hier war das verabredete Rendezvous, und Jeder hatte richtig den Platz gefunden und war zur bestimmten Zeit da. Ebenso unbemerkt und vereinzelt, wie sie gekommen waren, ritten sie auch davon, um unweit der Stadt Roda, dem nächsten Be­stimmungsort, wieder zusammenzutreffen."

Oesterreich. (Sine kleine Geschichte aus Wien ist ziem­lich indiskret, aber interessant. Kanzler v. Beust hat eine Nichte, die Tochter- seines Bruders, die ein Ausbund von Geist und Schönheit, und, was die Hauptsache, eine Preußenfeindin ist, wie Onkel und Vater. Auf einer Reise lernt die Dame einen preußischen Offizier kennen und findet ihr Königsgrätz: sie verliert an ihn ihr Herz. Alles Sträuben deS Vaters und de« Onkels hilft nichts: sie müssen in den Prager Frieden, d. h. in die Verlobung willigen. Der Sieger ist noch dazu bürger­lich und ein Dutzend sächsischer und österreichischer Cavaliere haben das Nachsehen.

Bern, 23. Oct. Der Vorgang des Königs von Preußen hat den Kaiser Napoleon nun bewogen, auch 20,000 Franken für die Wafferbeschädigten beizusteuern. Man knüpft daran kritische Bemerkungen: Napoleon kam erst, nachdem König Wilhelm ihm da« gute Beispiel gegeben: allein er hat eine doppelt so große Civilliste, hat einst die Gastfreundschaft der Schweiz in einem Maß- genossen, daß dieselbe sogar bereit war, zur Wahrung der Rechte ihresBürgers" den Krieg mit Frankreich zu riskiren. Im Angesicht solcher Verpflichtungen und solcher Mittel ist die Gabe wohl gering zu nennen. ÄuS London sind 20,000 Fr., aus Paris 15,000 Fr., aus Frank­furt 10,000 Fr., aus Bremen 6000 Fr., au« Amsterdam 4000 Fr. eingegangen. In der Schweiz ist die Hanscollecte fort­während im besten Gange. Sehr stark ist auch die Betheili­gung von Glarus. Da haben einzelne Häuser 1000, 2000 und 4000 Fr. b-igesteuert. Die Entschädigung- - und die t-chnische Commission in Sachen der U-berschw-mmungen ha­ben ihr- R-iscn ang-treten und einen Credit von 15,000 Fr. angewiesen erhalten.

Madrid. Michael Klapp schreibt be*N. Fr. Preffe" au« Pan:Es ward Mittag, ehe ich Isabella ausfahren sah. Der schöne Galawagen d-S Kaisers Napoleon sucht der Königin allen möglichen äußerlichen Trost, bestehend in schöner Wohnung, Equipage, Dienerschaft zu gewähren fuhr in ganz langsamem Schritte aus dem Schloßhofe. So kam es, daß ich Königin Isabella sah, wie sie leibt (und sie leibt sehr) und lebt; sie nahm so ziemlich den ganzen Fond d-S großen kaiserlichen Wagens ein, ohne auch nur ein Stückchen desselben zur Ausfüllung jemand Anderem zu überlassen. Ihr gegenüber saß ein dünnes dürres Männlein, das einen Knaben an seiner Seite sitzen hatte: der König und der Prinz von Asturien. Was nun das Aussehen der Königin noch Anderes verräth, als gute Gesundheit und treffliche Kost? Nicht viel. Das runde, feiste Gesicht mit dem doppelte» Kinn (manche Leute sagen, -s fei schon fast ein dreifaches zu nennen) läßt bei einer Bourbonin nicht mehr Ausdruck zu, als bei irgend einer Eelcherin" unserer h-imathlicheu WienerGründe"; aber man glaube auch ja nicht, die Boulbonenfürstin habe irgend welchen tyrannischen Zug im Antlitz! Bei Leibe nicht. Wenn man lange darin sucht, findet man sogar einen gewissen Grad von Gutmüthizkeit darauf verzeichnet. Ein Anflug von Be­deutendheit die deS »othwendigen Raumes ausgenommen fehlt der Person der Königin Vollend«. Sie sieht mir auch jetzt, in dieser Zeit der allerhöchsten Roth, nicht vergrämt aus, und die Thränen,. die sie auf dem Bahnhof zu Biarritz ge­weint, scheinen, ihrem Aussehen nach zu schließen, die letzten gewesen zu sein, die sie dem Throne nachgeweint. Als da- Bild wahrhaft erbärmlicher Schwäche, körperlicher und geisti- stig-r, tritt Einem, ohne daß man ihn erst zu studiren braucht, der König entgegen. Er sieht aus, wie Jemand, der sich tage­lang mit Vergnügen der Beschäftigung des Fliegenfangens hin- zugeben vermöchte. Und was war denn für eine That dieses Männchens, dieses Weib zur Gattin zu nehmen, das ihm doch rund heraus zur Zeit ihren vollsten Widerwillen gegen ihn kund und zu wissen that! Was ist die Politik doch für eine schändliche Kupplerin! Und der elfjährige Kronprinz ohne Land? Diese« Prinzlein von Asturien? Ist darin ganz seinem Vater, will sagen dem Könige, gleich, ein kleiner, dünner Schatten an ver spanischen Wand, nicht mehr, nichts weniger. Der sehnt sich nach keiner Krone!"

Redactiou, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.