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Gießcmr Aiijägtr.

Erscheint wöchentlich drei­mal. Dienstags, Donner- stagS und Samstags. Expedition: Canzleiberx

Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Nr. M2. Donnerstag den 3. Decemder 1808.

Amtliche Bekanntmachungen.

den

Besondere Bekanntmachung.

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Zwar:

3- December,

Nachdem der Vorsitzende die Versammlung eröffnet hatte, schritt dieselbe zur Berathuug der auf der Tagesordnung stehenden Fragen:

I. Bei welchem Grade der Neife des Getreides sollte mit der Grnte desselben begonnen werden? Die Verhandlungen über diese Frage leitete Herr Dr. Gros von Colnhausen ein. Derselbe wies zu­nächst hin auf den bedeutenden Körnerverlust, welchen das allzulange Stehen- lassen des Getreides auf dem Halm nach sich ziehe, sodann auf die Einbuße, welche die Qualität des Strohes dadurch erleide. Je früher der Halm. ge­schnitten werde, desto mehr nähere sich der Futterwerth des Strohes demjenigen des Heugrases; auch wachse ganz reife Frucht im Liegen bei Regeuwetter viel leichter aus, als halbreife. In Frankreich schneide man viel früher als hier zu Lande. Der rechte Zeitpunkt sei der, wenn der Kern beim Zerdrücken noch weich, aber nicht mehr milchig sei-

An der Discussion bethciligten sich sodann Herr Beigeordnete Möhl von Gießen, welcher darauf aufmerksam machte, daß die frühgeschnitteue Frucht ge­rade darum von den Müllern am meisten geschätzt werde, weil die besten Körner zuerst ausfielen, ferner die Herren Lehrer Schlapp von Rödgen, Dr. Kraft, Oeconom SB ort man«, Dr. Hempel von Gießen, welche sämmtlich die von Herrn Dr. Gros ausgesprochene Ansicht theilen. Die Herren Wortmann, Dr. Hempel und Andere machten übrigens noch darauf aufmerksam, daß Saat­frucht und Brauergerste vollständig ausgereift sein müsse, erstere weil sie sonst zu ungleich aufgehe uud letztere weil die Malzkeime sich im andere» Falle un­gleichmäßig entwickelten. Von mehreren Seiten (Lehrer Schlapp, Secretär Gros von Arnsburg, Dr. Gros, Dr. Hempel) wurde noch empfohlen, die Sommer­gerste möglichst früh zu säen und das Land zu diesem Zweck im Herbste so vorzubereiten, daß im Frühjahre nur noch eine Bearbeitung mit dem Existir- pator oder Scarrisicator (der Schuhegge) nöthig werde. Die frühgesäete Gerste entwickle sich besser und reife gleichmäßiger.

II. Die Discussion über die weitere Frage:

Welche Mittel dürften sich empfehlen, um dem in hiesiger Gegend allgemein üblichen Blättern der Nkun- kelrüben, wodurch ein so bedeutender Ausfall an den Wurzeln selbst herbeigeführt wird, entgegen zu ar-

2) Samstag

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Empfang zu nehmen und hierzu durch Vor­zeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.

Zugleich wird bemerkt, daß bie"uuf den Donnerstag fallenden Zahltage für die In­teressenten der Stadt Gießen, die übrige» Zahltage dagegen für die Auswärtigen be­stimmt sind.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 25. November 1868., Der Rechner der Spar- und Leihkasse:

Kehr.

Versteigerungen.

Brodlieferung auf das 1. Viertel­jahr 1869 für die Garnison Gießen. 8974)2 Freitag den 4. Dccember, Vormittags 10 Uhr,

soll die Lieferung von Brod für die Garni­son Gießen aus das 1. Vierteljahr 1869 durch Soumissionen vergeben werden.

Die Soumissionen sind bis zu dieser Zeit in das am Eingang des Büreaus der Gar- nisoyverwaltung in der Zeughauscascrne

Die Interessenten werden daher aufgefor­dert, die Zahlung an diesen Tagen m

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Protokoll

über die am 11. November 1868 zu Lang-Göns abgehaltene Generalversammlung des landw. Bezirkvereins Gießen.

Unter dem Vorsitze des ersten Directors des Bezirksvereins Provinzial-Directors Dr. Goldmann, und in Anwesenheit von etwa 30 Mitgliedern des Vereins und vieler dem Verein nicht angehöriger Landwirthe.

8964) Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leih­kasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und

1) Donnerstag den

Diese Frage wurde nach stattgehabter Berathung, bei welcher sich die Herren Dr. Gros, Freiherr von Rabenau und Dr. Kraft betbeiligteu, einstimmig bejaht. Ebenso wurde der Antrag des Freiherrn von Rabenau angenommen:

der Staatsregierung durch den Provinzialverein zur Erwägung an­heim geben zu lassen, ob nicht beim Steiuklopfen für die Staatsstraßen die Einführung der Maschinenarbeit sich empfehle."

Dem von einer Seite hiergegen erhobenen Einwand, daß dies zum Nach­theil für die ärmere Klasse führen werde, hatte der Herr Antragsteller mit dem Hinweis auf die bei der Einführung der landwirthschaftlichen Maschinen ge­machten Erfahrungen begegnet.

IV. Die weitere Frage:

Wie kann der landwirthfchaftliche Verein für Förde­rung der Fortbildungsschulen thätig fein?

rief eine lebhafte Verhandlung hervor. Der Vorsitzende bemerkte zunächst, daß die vor Kurzem zu Gießen abgehaltene Generalconfereuz der Lehrer des Kreises Gießen sich dahin ausgesprochen habe, daß die landwirthschaftlichen Fortbildungs­schulen nur dlirch Einführung gesetzlichen Zwangs zum Besuch zu einer gedeih­lichen Entwicklung gelangen könnten.«

In dem Provinzial'Verein werde'in der Kürze Pie obige Frage behandelt sind insbesondere darüber bcrathen werden, ob der Verein durch Bewilligung von Prämien aus Vereiüsmitteln an die Lehrer thätig sein und zur. Gründung von Fortbildungsschulen auf diesem Wege mitwirkeu solle, wie dies in Starken­burg geschehe. @r j der Vorsitzende, sei für die Fortsetzung solcher Prämien und beantrage, dem Provinzialverein eine Tbätigkeit in dieser Weise zu empfehlen.

Mehrere der anwesenden Lehrer (die Herren Schlapp von Rödgen, Zeiß von Lang-Göns, Müller von Holzheim) äußerten sich hierauf, zum Thcil auf Gründ der von ihnen gemachten Erfahrungen dahin, daß nur der auf gesetzlichem Wege einzuführende Schulzwang eine Garantie für Gründung und Fortbestand laudwirthschaftlicher Fortbildungsschulen biete, alle anderen Mittel würden sich nach ihrer, der Redner, fester Ueberzeugung als erfolglos erweisen, weil das Interesse uud der Sinn für weitere Ausbildung als solche die Volksschule gewähre, unter der Landbevölkerung noch bei weitem nicht genug rege geworden seien. In gegcntheiligcm Sinne sprachen sich die Herren Dr. Kraft, Freiherr von Rabenau und Dr. Gros aus. Die Sache müsse sich uatur- gemäß, ohne Anwendung von Zwang, aus sich selbst heraus entwickeln; der Grundsatz der Freiheit der Entwicklung müsse hier zur Geltung gelangen, wie er bei'dcm Handwerk zur Geltung gekommen sei. Herr Secretär Gros be­merkte sodann : In Baden hätten schon im Jahre 1854 54 Fortbildungsschulen bestanden; es sei dort von keinem Zwang die Rede; ähnlich verhalte es sich in Württemberg. Warum sollten also bei uns Fortbildungsschulen, wie solche in Starkenburg und Rheinhessen bereits bestünden, gesetzlicher Zwangsmittel be­dürfen ?

Der Lehrer, welcher wahres Interesse für die Sache habe, werde bald ein Auditorium haben. Aus der Provinz Oberheffen hätten mehrere Lehrer an dem landwirthschaftlichen Lehrcursus zu Darmstadt Theil genommen; uud diese war­teten nur auf Unterstützung durch ihre Gcmeiuden oder den Verein, um Fort­bildungsschulen zu eröffne» Ma» solle diese Unterstützung nunmehr durch Be­willigung von Prämien gewähren.

Nachdem sodann noch Freiherr von Rabenau beantragt hatte, über die Ein­richtung der Fortbildungsschulen in Württemberg und Baden Erkundigung ein­zuziehen, wurde zur Abstimmung geschritten und hierbei der Antrag des Vorsitzeu- den, sowie der letzterwähnte Antrag des Freiherrn von Rabenau mit Stimmen­mehrheit angenommen.

V. Schließlich wurde Lollar als Ort der nächsten Generalversammlung des Bezirksvereins bestimmt.

15. December,

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beiten? ,

eröffnete Herr Dr. Gros, welcher constatirte, daß unsere kleinen Landwirthe, bei welchen allein oder vorzugsweise das Blättern üblich sei, bei weitem nicht so schwere Rüben erzielten, wie die größere» Oeco»ome», obwohl die sonstige» Verhält»isse gleich feie» »»d welcher aus Liebig's Agriculturchemie intercs- saute Mirtheilnngen über die vo» dem Eugläudcr Anderson angestellte» ver­gleichende» Versuche machte. Redner zog daraus den Schluß, daß nur das vor- derliche Blättern die Ursache der ungünstigeren Ergebnisse beim Rübenbau der kleinere» Landwirthe sei und erwähnte weiter, wie die Rüben zu ihrer Ernäh­rung gerade der Blätter bedürften uud das Wachsthum der ersteren erst beginne, wenn die Blattbildung beendigt sei. Das durch das Blättern gewonnene Futter sei ein ganz erbärmliches, wie das Aussehen der betreffenden Thiere beweise. ~ ähnlichem Sinne äußerten sich die Herren Schlapp, Dr. Kraft und Freiherr

Rabenau von Friedelhansen. Letzrerer bemerkte insbesondere, daß grade Zuckerstoff durch die Blätter der Rübe zugeführt werde, eine Vermiudenmg Blätter daher eine Beeinträchtigung der Zuckerbilduug involvirc.

Allseitig wurde empfohlen, diesen Ansichten durch geeignete Belehrung in betheiligtcn Kreise» Eingang zu verschaffen.

III. Der Vorsitzende eröffnete hierauf die Discussion über die Frage: Dürfte es bei dem Mangel an Arbeitskräften für die Landwirthfchaft nicht angezeigt fein, dahin zu wirken, daß das Klopfen der Chausseefteine, welches fo vtcle Hände in Anspruch nimmt, nur in den Wintermona­ten vorgenommen werde?

Zur Beglaubigung:

ör. G o l d m a n n.