Taschen füllen helfen. Es hat auch zu allen Zeiten und bei allen Völkern an Geheimmitteln nicht gefehlt, nur aber gab es fast keine, wo der Geheimmittel-Schwintel in so umfangreicher Wrise sein freches, schamloses Spiel trieb, als heut zu Tage. Indessen würde man voreilig handeln, wollte man alle Geheimmiltel ver- urtheilen. Man hat zu unterscheiden zwischen solchen, die betrügerischer Gewinnsucht ihr Dasein verdanken und solchen wiiklich guten Geheimmitteln, die der Besitzer, wenn er auch nicht Arzt ist, aus dem Wege des Zufalls oder des Nachdenkens gefunben hat.
Was die ersteren betrifft, die sich durch die Art der An- Preisungen und der beigelegten d. h angebichteten Eigenschaften so scharf kennzeichnen, so hat jeder wohl eingerichtete Staat ihren Vertrieb mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht zu unterdrücken. Sie sind wie ein zweischneidig Schwert in der Hand des Unwissenden und Unerfahrenen und Mittel, wie z. B. die sog. Augsburger und Morissone - Pillen, Lehnharv's Gesund- heitstrank, Lebenselixire rc. haben die Menschen schon zu Tau- senden um Leben und Gesundheit gebracht. Andere, wenn sie auch nicht schaden, sind ohne Nutzen, des vielen Geldes nicht werth und dadurch gefährlich, daß durch ihre Anwendung Zeit verloren geht, und Heilung durch Verzögerung erschwert, ja oft unmöglich wird.
Die zweite Claffe von Geheimmitt In kann der Wissenschaft förderlich und nützlich werden, aber nur dann, wenn sie von wissenschaftlich gebildeten Männern auf den Prüfstein der Vernunft und Erfahrung gebracht und ihnen die rechte Stelle angewiesen worden ist, die ihnen in dem Reiche der Heilmittel gebührt. Daher auch heilkräftige Geheimmittel von keiner Medicinalbehörde verworfen werden oder der Vertrieb derselben verhindert wird, nur muß die unbedingt nothwenbige Prüfung derselben vorhergehen.
Die andere Frage, was von Geheimmitteln zu halten ist, hat im Allgemeinen zum Theil ihre Beantwortung in dem Vorange- gangcnen gefunden; es ist nur noch übrig, speciell aus diejenigen Gcheimmittel einzugchen, welche zur Zeit Epoche machen, d. h. wohl zu beachten nicht ihrer heilkräftigen Wirkungen wegen, sondern weil die Erfinder derselben cs ganz besonders verstehen, durch pomphafte Anpreisungen das Publikum zu bestechen und ihre Taschen auf Kosten der Leichtgläubigen zu füllen.
Wir geben nun die Zusammensetzung von einigen Vieser Epoche machenden Geheimmittcln an und überlassen es einem Jeden, selbst den Schluß zu ziehen, was von solchen Geheim- Mitteln zu halten ist.
In erster Reihe steht H o ff's G e s u n d h e i t s b i e r. Dem Erfinder desselben gebührt bezüglich seiner Schlauheit unbestritten
der Vorrang. — Das wl'nderthätige Gemisch ist gewöhnliches Bier, versetzt mit Kartoffelstärkesyrup und gefärbt mit gebrann. tem Zucker.
Es enthält nahezu 3% Alkohol, 2% Extraktivstoff, 5% Zucker und Schleimtheile und 90% Wasser uno Kohlensäure, kommt so- nach den gewöhnlichen Münchener Schenkbiercn gleich, nur mit dem Unterschiede, baß diese mehr Hopfen und Malz enthalten, welche Herr Hoff vorzieht durch Kartoffelstärk.syrup zu ersetzen' Tie Bezeichnung „Malzextrakt" ist daher im negativen Sinne zu verstehen. Fragt man nun, mit welchem Recht ein derartiges Produkt sich besondere Heilkräfte beilegt, so ist durchaus k-in Grund hierzu vorhanden, und es muß geradezu als eine schwindelhafte Ueverforderung gebrandmaikt werten, wenn dieses Gebräu der Welt für den 6—8sachcn reellen Werth als Helmittel aufgeschwatzt werden will. Wer ein Quärtchen geringen BrenS für 3 fr. genießt, wird zweifelsohne genau dieselben wohlthäkigeii oder nicht wohlthätigen Wirkungen empfinden, als wenn er für 30 fr. ein Fläschchen dieses „Gesundheitsbieres" verzehrt.
Den zweiten Platz nimmt Daubitz mit seinem Kräuter- liqucur ein. Der Hauptsache nach besteht dieser aus der all- bekannten Speeies, welche zur Bereitung des sogen. Schwedischen Lebenselixirs verwendet wird, natürlich mit Weglassung von Safran, Venn Vieser ist für Herrn Daubitz zu werthvoll. Diese Speeies, mit sehr schwachem Spiritus ausgezogen, Zucker und etwas Essigäther zugesetzt, giebt den Daubitz'schen Schnaps, wie dieser bis noch vor Kurzem gewesen ist. In neuester Zeit hat es jedoch Herrn Daubitz, aus Rücksicht auf seine persönliche Freiheit und seinen Geldbeutel beliebt, seine Vorschrift zu ändern. Der Schnaps enthielt neben andern nicht ganz unschuldigen Be- standtheilen auch Aloe, und Vieser Zusatz hat ihm einigen Ver- druß zugezogen; er ließ Vaher die Aloe weg und nahm hierfür Koloquinten, in der Meinung, diese in dem Schnaps nachzuweisen, würbe den Spürnasen nicht gelingen. Indessen irrte Herr Daubitz; auch das Koloquintenbitter wurde entdeckt und die Chemiker waren sogar so inbiscret, diesen geheimen Fund auS- zuposaunen und ihm neue Fatalitäten zu bereiten. — Aus den angegebenen Bestandheilen ist ersichtlich, daß Lieser Kräuterliqueur durchaus nicht so unschuldiger Art ist, als der Fabrikant desselben behauptet, und wer sich desselben bedienen will, dem ist in wohlmeinender Absicht alle Vorsicht anzurathen, um den überaus theuren Schnaps mit nicht noch Werthvollerem, der Gesundheit, zu bezahlen.
(Schluß folgt.)
Neueste Eifenbahn-Frachtbriefe für die Main-Weser-Bahn, Cöln Mindener Eifenbahn-Frachtbriefe, Zollamts-Declarationen in zweierlei Größen, ebenso alle übrigen zollamtlichen Formulare sind zu haben bei - Wilhelm Klee, Mäusburg.
Fruchtpreise von nachbenannten Städterl und Fruchtmarkten.
Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Stcindruckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.
O r t
und
Datum.
W a i z e n.
Korn.
Ä e r st e.
Hafer.
Kartoffeln.
Verkauft
Mltr.
Mittelpreis vom Malter.
Verkauft
Mltr?
Mittelprcts vom Malter.
Verkauft
Mittelpreis vom Malter.
Verkauft änitr?
Mittelpreis vom Malter.
Verkauft
Mittelpreis vom Malter.
Pfund
8.
kr.
Pfund
8-
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Mltr.
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Gießen,
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Grünberg,
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Mainz,
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