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Stadt und den Kreis Gießen.

Erscheint wöchentlich zwei Mal: Mittwoch« und Samstag«. - Preis de« Jahrgang« für Einheimisch« 1 st. 42 ft., für lluswärligc incl. de« Vorschrift«- mäßigen Postauffchlag« 1 fl. 42 fr. Aulwärt« abonnirt man stch bei allen Postämtern. 3n Gießen bei der Srpedtlion <i5ansteiberg Lit. B. Nr. ls. jTsTT Mittwoch den 11. October jL^*ße>.

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Die Polizeitaren für den Kreis Gießen bleiben unverändert.

'Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Bei dem Schreiner I. G. H e i l m a n n von Garbenleich hat sich v. Linv e's Zeitschrift für Civilrecht unv Prozeß, N. F. 7r unv 8r Band zusammengebunven vorgefunben. Da er sich über ven Erwerb nicht ausweisen kann unv nur behauptet, Konrad Weiganv von dort, Ver sich im Februar v. I. entleibt, habe sic ihm für 1 fl. 12 fr. Darlehen verpfänvet, so liegt Verdacht vor, vaß das Buch entwenvct worden ist. Die Decke ist mit braun unv gelb marmorirtem Papier überzogen, ver Schnitt roth, Vas Schilv schwarz und mit Golvvruck versehen.

Sodann hat Heitmann, sicher noch gegen Enve des lctztverflofsenen Winters, eine Kappe besessen, welche er vor einigen Jahren hier in Gießen bekommen zu haben scheint und die beschrieben wird als grau, gehäkelt, mit einem zum Herunlerziehen geeig­neten runden Umschlag, sammetem Deckel und einer dicken herunterhängendcn Quaste. Da ein am 11. Juni l. I. bei Garbenleich beraubter Bursche die Kappe des Räubers ebenso beschreibt, so wird Derjenige, welcher über die Beschaffenheit jener Kappe, ihr früheres Entkommen, over wo sie sich jetzt besindet, etwas angeben kann, aufgeforbert, dieses recht bald bei dem Unterzeichneten zu thun; ebenso ver Eigenthümer jenes Buchs over wer sonst Auskunft geben kann.

Gießen, ven 7. October 1865. Klingelhöffer, Justizrath,

als Hofger.-Unterf.-Commissär.

Bekanntmachung.

Des am ersten Pfingsttag l. Js., Bormiltags um 8*/, Uhr, am Ende des Waldes an der Chaussee von hier nach Steinbach an vem 16jährigen August Schlegel von Hermannftein verübten Raubmords ist der Schreincrmeister Johann Georg Heil- mann von Garbenteich verdächtig, unv Carum feit vem 28. Juni l. Je. bei^dem hiesigen Criminalgerichl in Untersuchung und Haft. Er ist 46 Jahre alt, mißt ohne Absätze 6 Fuß 9*/2 Zoll, ist schlanker Statur, hat hellbraune, die Ohren lockig bedeckende Haare, einen rbthlichblondcn starken Schnurrbart, eine etwa« hohe aber schmale Stirne, blaugraue kleine, unheimlich aussehende Augen, spitze Rase, einen kleinen Mund unv hagere eingefallene Wangen. Es ist nun festgcstellt, daß er zur Zeit der That nicht zu Hause war, sondern 2 bis 2*/2 Stunden später in seine Wohnung, die er vor Tag verlassen haben dürfte, zurückkam. Gleich nach 2 Uhr Nachmittags ging er von Garbenteich weg, pasfirte Steinbach, und kam erst um Mitternacht vom ersten auf den zweiten Pfingsttag nach Haus zurück. Auf diesem Rückwege scheint es gewesen zu sein, wo er in dem Gasthaus in Arnsburg bei Lieh, % Stunden von Garbenleich Nachts 12 Uhr eintrat, unv um ein Nacht-Quartier bat,weil er sehr müde sei", aber keine Auf­nahme erhielt.

Bei seinem Gange am ersten Pfingsttag Nachmittag war er bekleivet mit einem hellgrauen, medern movtschen Filzhute ml. schwarzem, einen Zoll breiten Banve, einem schwarzseivencn Halsluche mir Zipfeln, Vie rechls unv links abfianden, einer schwarz- seivenen Weste, einer grauen Jagdjuppe mit grünem Kragen unv grüner Einfassung vorn unv unten, dunkelen Buckskin-Hosen und Stiefeln; sodann trug er auch eine Jagdtasche, welche sich seit dem 15. Juni in dem hiesigen Psanvhause befindet. Sie ist neu, viercckcnd, und hat einen Sack von Kordeln, dessen Franzen unter dem ledernen Deckel, auf welchem ein Hirsch abge­bildet ist, hervorsehen; auch kann man durch Herausziehen eines Leversackes vie Tasche zu einem kleinen Ranzen verlängern.

Da der Angeschuldigte fälschlich behauptet, er sei nicht nur zur Zeit der That, sondern auch Nachmittags von Garbenteich gar nicht weggewescn, auch sein beabsichtigtes Uebernachten in Arnsburg leugnet, so muß angenommen werven, daß sich alles dieses auf die ihm angeschulvigte That bezieht, unv namentlich, daß sein Gang über Steinbach am ersten Pfingsttag Nachmittag unv Nachts über Arnsburg zurück zum Zweck hatte, die nachstehend beschriebenen geraubten, bis jetzt noch nicht ermittelten Stiefel zu verkaufen. Sie waren erst im Monat März l. Js. neu gefertigt, von starkem Kalbleder mit Schäften von mittlerer Höhe, unv nach Vern Fuß für den 16jährigen Ermordeten gemacht. Die Schäften waren breit gefüttert, vorn mit rothem, und hinten mit gelbem Leder; Vie Struppen waren von rothgclb und hellblau gestreifter Gurte. Die Absätze waren halb hoch, oval gerundet, mit stumpfen Enden nach den Sohlen hin, und mit je 2 Reihen Stiften, die dem Leder gleichstehen, versehen; doch ging die innere Reihe nur halb herum. Statt Naht waren die Sohlen mit Holzstiften befestigt und nicht benagelt.