Ausgabe 
2.9.1865
 
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Die periodischen Bürgerversammlungen sind nothwendig zunächst, damit die Gemeindeangchörigen mit den städti­schen Angelegenheiten vertraut werden und jeder Bürger einmal in der Lage ist, in den Gemeinderath einzutreten und dort nicht nur zu nicken, sonrern auch zu handeln. Sie sind aber auch nothwendig, damit jedes Mitglied der Gemeinte einen Ort hat, wo es sich über öffentliche Angelegenheiten so aussprcchen kann, daß seine Stimme nicht im Leeren verhallt. Durch die Bürgcrversamm- lungen allein ist es möglich, die Wirksamkeit des Gemcinderaths im Ganzen und einzelner Mitglieder im Besonderen zu überwachen, Anträge zur Verbesserung der städtischen Zustände an den Gemeinderath gelangen zu lassen, für die Gemcinderathswahlen re. die­jenigen Personen kennen zu lernen, welche vorzugsweise befähigt sind, im Gemeinderath zu sitzen und zu stimmen.

Jedermann billigt denn auch den Plan, derartige periodische d. h. von tret zu drei Monaten wiederkehrende Versammlungen hervorzurufcn. Die Bethciligung aber an den Versammlungen, durch welche sie begründet werden sollten, war eine so schwache, daß der Einsender nur noch durch die Wichtigkeit der Sacke, nickt durch die Theilnahme und die Aufmunterung seiner Mitbürger, dazu getrieben wird, dieselbe nicht sinken zu lassen, sondern von Neuem zur Betheiligung aufzufordern. An Stoff zur Berathung fehlt es nicht, wie nachfolgendes Verzeichniß der zu stellenden Anträge beweist. Erfolgt nach dieser Veröffentlichung eine entsprechende Anregung, so soll die erste Bürgerversammlung, an welcher jedoch auch Jever, der hier Communalsteuer bezahlt, Theil nehmen kann, noch im September stattfinden. Th. B.

Verzeichniß der auf die Tagesordnung zu setzenden Gegenstände:

1) Antrag auf Beseitigung des städtischen Octroi und entsprechende Vermehrung der directen Communalsteuern.

2) Antrag auf Herstellung einer Wasserleitung von Annerod nach Gießen.

3) Antrag auf polizeiliche Beseitigung der offenen Abtritte und des Ausflusses derselben, sowie anderer stinkenden Substanzen auf die Straßen, ferner auf Herstellung eines Cloakensystems, welches die stinkenden und folgeweise gesundhcitSgcfährlichen Stoffe aus der Stadt entfernt, jedoch ihre Benutzung für die Landwirthschaft sichert.

4) Antrag auf Ueberwachung der Bierbrauer hinsichtlich der zur Bierbereitung verwendeten Stoffe.

5) Antrag auf Erhöhung der Besoldung des Mitprediger Krug, damit er der Stadt als Lehrer erhalten bleibe.

6) Antrag auf Gründung einer städtischen Bibliothek.

7) Antrag auf Beschaffung eines Fonds zur Pensionirung alter städtischer Lehrer.

8) Antrag auf Ankauf des Geländes in der Stephansmark jenseits der Wieseck zu Bauplätzen.

9) Antrag auf Beseitigung der Polizeitaxen.

10) Antrag auf Einführung der Gewerbefreiheit, Auflösung der Ueberrefie der Zünfte.

11) Antrag auf Einführung der Freizügigkeit unter Annahme des Princips ter Gegenseitigkeit.

12) Antrag auf Abschaffung des Pflastergelds.

13) Antrag auf Düngung der städtischen Wiesen.

14) Antrag auf Beseitigung des Dreielassensystems bei Gemeinderathswahlen, auf Wiederherstellung der alten Gemeindeordnung und freier Wahl des Bürgermeisters und der Beigeordneten.

15) Antrag auf Reorganisation der Ortsgerichte, Wahl der Mitglieder durch die Gemeinde.

16) Antrag auf Wahl der Kirchenvorsteher durch die Kirchengemeinde.

17) Antrag auf Eröffnung einer Straße vom Reichensand nach der Schoor.

18) Antrag auf Erhöhung des Gehalts und Vermehrung der Zahl der Polizeidiener.

19) Bitte an den Cameralfiscus, eine Lindenallee durch die fisealischen Wiesen am Weg nach dem Philosophenwald pflanzen zu lassen.

20) Mittheilungen aus den Sitzungen des Gemeinderaths, aus dem Gemeindevoranschlag und dem Rechenschaftsbericht des Bürger- Meisters.

21) Mittheilungen über Gcmeindeverhältnisse im Allgemeinen.

22) Gründung einer Zeitung in Gießen, oder Erweiterung des Wochenblatts zu einer solchen.

23) Antrag: tas OrgeldrehcN und öffentliche Singen in den Straßen ter Statt nur noch Lahmen oder Blinden zu gestatten.

Frilchbäckrr m Gießen.

Sonntag den 3. September. Christian LampuS auf dem SetterSweg. .Karl Wallens, iS II. an ter Wettergasse. Wilhelm Suber an der Brandgaffc.

Kirchliche 'Anzeige«.

Evangelische Gemeinde ) u Gießen

G o t t c s d i e n st.

A in 3. September.

Morgens: Pfarrer Sandmann.

Nachmittags: Pfarrer Dr. Seel.

Getaufte.

Den 26. August. (Sine uneheliche Tochter oon auswärts, Henriette, geboren den 14. August.

Den 27. August. Den, Bürger und Schuh- ! machermeister, Sudwig Georg Wilhelm Karl Appel, ! eine Tochter, Marie Margarethe Johanna Luise, | geboren den 27. Juli.

Beerdigte.

2) e II 26. Augu st. Elisabeth Vir, geborne Ganß, Wittwe des verstoibenen Bürgers und Schnei­dermeisters. Sudwig Vir, alt 75 I. 4 'M. 28 T-, gestorben den 24. August.

Denselben. Friedrich Christoph Schäfer, deS OrlSburgerS zu Watzenborn und BergniannS dahier,

Jacob Schäfer II., ehelicher Sohn, all 8 M. 25 T-, gestorben den 24. August.

Den 2 9. August. Henriette, eine uneheliche Tochter von auswärts, all 14 T., gestorben den 28. August.

Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche _______besorgt Pfarrer Landmann.______

Katholische Gemeinde.

Getauft.

Den 20. August. Karl Friedrich, ehelicher Sohn des Bremsers bei der Cöln-Gießener Eisen­bahn dahier, und Bürgers zu Heisort (Neg.-Bez Minden), Friedrich Remmert, geboren den 25. Juli

Neueste Eisenbahn - Frachtbriefe für die Main-Weser-Bahn, Cöln-Mindener Eisen­bahn-Frachtbriefe, Zollamts-Declarationen in zweierlei Größen, ebenso alle übrigen zollamtlichen Formulare sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusbnrg.

Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.