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I Beilage.

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Per P a h n w a r t e r.

Novelle.

(Fortsetzung.)

3. Mai 184 .

Es ist Frühling in unb außer mir, Frühling im Herzen wie f der Natur Liebesfrühling. Seil Monaten habe ich euch

ernt Tagebuch-Blätter vernachlässigt, weil es seit Monaten für mich l tat Zeitrechnung oder wenigstens eine von bet aller anbeten Men­sen ganz verschiedene gibt. Unb was hätte ich auch schreiben sollen? M Gluck zählt nicht nach Wochen unb Tagen, sondern nach Mi­men unb Seennden; eS läßt sich nicht schildern unb zergliedern, I verliert wie der bunte Falter, so wie du es, wenn auch noch so it und vorsichtig berührst, den sherrlichen goldenen Flügelstaub.

I tt ich bin glücklich. Ich sehe sie fast täglich, ich musicire nut i, ich sitze ihr zuweilen bei Spazierfahrten im leichten offenen Sagen gegenüber, ich fliege an ihrer Seile auf schnellem Rosse «ch die aufblühende Natur. Wie segne ich den hochmüthigen Sinn l her Muller. Wäre ich einer ihrer Slandeszenvssen, wäre ich il(i der ihr bestimmte Bräutigam, so würde, dieser tägliche fast «raute Umgang nach den strengen Gesetzen der Ciikette beschränkt , it geregelt werden, aber un artiste, un homme de rien fina pas de consequences. Sie betrachtet uns Künstlet fast ti die römischen Matronen ihre gebildeten Selaven, die sie mit SufiE unb Deeiamalion unterhielten, vor denen sie aber sich jener llscksichten enthoben glaubten, die sie den übrigen Männern gegen« ta schuldig sind. Thor, der ich wäre, mich durch eine Mißachtung sitcijt zu fühlen, bet ich es allein zu danken habe, daß ich Corn- ' V, Natalien fast täglich sehen und sprechen kann. Ich segne diesen istmüihige» Sinn. Hat mich doch Nataliens Mutter gestern auf: Wert, sie auf ihrem reizenben Schlosse bei L..., wo sie regel; Hig ben Sommer unb Herbst, ^bringen, zu besuchen. O! ich dibe kommen, Frau Gräfin, ich werde kommen, unb trenn ©le D die bekannte Frage: Est ce qu'un domestique est un liomine? uh auf uns Künstler anwenden sollten. Ich weiß es, daß Natalie Mets denkt und fühlt und das genügt mir vollkommen.

12. Juli 184 .

Das ist das Leben im Paradiese. Ich bin feit vierzehn Tagen ® dem Schlosse. Von den vierundzwanzii Stunden, die der Tag ckl, bin ich wenigstens zwölf in ihrer Gesellfckaft. Die Unge; Miigenheil des Landlebens gestattet mir täglich neue Vorzüge an t zu bewundern. Sie ist der gute Engel der ganzen Gegend j die Hebung der Armen und Kranken; der roheste Taglöh. er rückt * ihr mit einer Ehrfurcht die Mütze, die nicht blos der Tochter 1,1 Gmshetrschaft gilt. Wenn sie in eine Hütte tritt, wo Roth itb Krankheit herrschen, so ist es, als ob das Licht, das ihre Ge- ch umfließt, Alles beleuchte unb verkläre, unb wenn sie Trost zu- Acht, so klingt es, wie tote Worte des Heilands geklungen haben %n, wenn er die Stimme erhob, um wunderthätige Heilungen i« verkünden; wenn er zu dem Lahmen sagte:Wirs deine Krücke *9 und tranble'1 unb zu dem Bettlägerigen:Trage dein Bett - iiaus und fei' gesund." Und wie war sie so süß beschämt, so erzürnt, als ich ibr einmal unbemerkt gefolgt war, als ich k bescheiden verborgenen heimlichen Wohlthaten entdeckt hatte.

Den größten Theil der Nächte bringe ich mit der Geige in Hand phantasirend und eomponirend zu. Ja ich eomponire, ich mi .in.ni .rnfton an einpm Ffini)Iprifrfipn qUerfe (Sin?

wunderbare Spannkraft und Elastieitat hält meinen Körper und Geist aufrecht; es ist die Spannkraft der Jugend, deS Glückes und der Liebe. Wen» ich noch fo fpät in die Nacht hineingewacht habe, so bin ich doch schon mit dem frühesten Morgen bereit, mit Com- teffe Natalie einen Ritt durch die tharifeuchten Wälder zu machen. Wir sind allein, nur ein Stallmeister unb ein Reitknecht folgen uns in bescheidener Entfernung. Wie reizend, wie blühend, wie entzückend ist Natalie; wie* schmiegt sich das knappe Reiikleid so verführerisch und doch so keusch an vollendete Formen, wie sitzt der Männerhut mit dem wehenden Schleier so hinreißend kokett auf den üppige» Scheiteln. Mit welcher anmuthigen und sicheren Kühnheit führt sie ihr sicheres Pferd, das stolz auf seine reizende Last zu sein scheint. Wie melodisch klingt ihr lautes, Helles, kindliches Lachen, ihr entzückendes, unbefangenes, heiteres Geplauder. O, solch ein Morgenritt mit Natalien müßte auch in dem kältesten verstorbensten Herzen den reichste», blühendsten Liebesfrühling wieder erwecken.

Den 22. Juli 184 .

Zuweilen drangt sich mir denn dock die Frage auf: und bann, was weiter? Kann diese bezaubernde Eristenz ewig dauern, unb was soll aus dir werden, wenn sie zu Ende ist? Ich beschwich­tigte bann diese warnende mahnende Stimme so gut es eben gehen mag. Muß denn die Liebe einen Zweck, ein Ziel vor sick haben? Lebt sie nicht von sich selbst, für sich selbst, um ihrer selbst willen. Kann sie denn nicht bestehen, hat sie nicht dieselbe Berechtigung, auch wenn sie nicht die leiseste Hoffnung, die entfernteste Möglich­keit des Besitzes ha! ? Ist sie nicht um desto tiefer, rührender und poetischer? Muß denn jede Leidenschaft die bürgerliche Entwickelung einer Hochzeit zum Schlußsteine haben? Muß denn jedes Gefühl am Ende in einer lärmenden Kinderstube verwelken und absterben?

Mit solchen Sophismen suchte ich meine trüben Ahnungen zu verscheuchen. Es gelang mir nicht immer. Zuweilen sprach eine Stimme in meinem Innern mit finsterer Bestimmtheit: Du täuschest dich, eitler, wahnsinniger Thor; jenseits der bezauberten Eristenz von heute liegt nicht die still-wehmüthige Erinnerung, liegt nicht der saust entsagende Schmerz; jenseits dieser Eristenz liegt Finsterniß und Chaos, Berzweiflung, Wahnsinn unb Tod. Denn ein Anderer wird glücklicher fein als dti, er wird die als Braut umarmen, die du als Göttin anbetest, und dann wehe dir, wehe deinem Herzen, das unter ben scharfen unerbittlichen Krallen der Eifersucht bluten, sich verbluten wird. Wenn ich sie aber bann wieber sehe, wenn ich ben berauschenden Zauber ihrer Gegenwart in vollen durstigen Zügen trinke, dann verstummt diese düstere warnende Stimme, dann jauchzt in mir die Hoffnung, dann sage ich mir: Mag auch immer­hin jenseits dieser bezauberten Eristenz Finsterniß und ChaoS, Ver­zweiflung, Wahnsinn und Tod liegen, genieße sie, so lange sie währt, um so freudiger, je theurer du sie später bezahlen mußt.

Den 24. Juli 184 .

Meine düsteren Gedanken übermannen mich wieder, denn ich sehe die Zauberin, die allein die Macht bat, sie zu banne», seltener und fast niemals allein. Nataliens Bruder Viktor, der als Lieute­nant in einem Kavallerie-Regimente dient, ist zu Besüch gekommen unb hat eine große lärmende Gesellschaft von Kameraden mitgebracht. Da gibt es nun große, prächtig arrangirte Partien; aber um die frischen Morgenritle, um die herrlicken Stunden am Clavier, um die abendlichen Gondelfahrten auf dem Parkteiche ist es geschehen. Um den Freunden des Lieutenants Viktor ist mir besonders sein Rittmeister Fürst K .... unangenehm. Er überhäuft Natalien mit 91 iifinnftamfeiIen unb feine, wie mir fckeinen will, fall zribrinalicke