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Beilage.

Auch in dem Zeitenstnrm die Liebe.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung )

Der Sonne glühend rothe Scheibe ruhte jetzt auf den fernen nebelblauen Bergen und golden säumten sich bie Wolken, als wollten sie in HSHrer Pracht den Augenblick des Abschieds ihrer Königin festlich begehen. Sie taucht zur stillen Ruhe in ernster Feier nieder; noch leuchtet, wie ein trauter Liebesblick der letzte Feuerpunkt und nun ist sie herab, verschwunden und vergan­gen, wie jedes irdische Geschick und die hügelschöne Landschaft gleitet unvermerkt in leeres Dunkel.

Thekla hatte der sinkenden Sonne tief ergriffen nachgeblickt. Wie sie hinabgetaucht und wie die Dämmerung den grau umflor­ten Filtig jetzt über Berg und Thäler schwang, so war auch ih» res Lebens schönster Stern gesunken und ihre Tage hatten sich verkehrt in schwarze Nacht. Sie trug Schuld an ihrem Mist­el geschicke und trug sie wiederum nicht. Diese Ueberzeugung liest I sie nicht gänzlich untergehen und so erfräftigte vielmehr das Schei- debild vor ihren Augen die in dem Herzen immer noch ruhende Hoffnung.

Sie sinkt hinab, sie kommt auch morgen wieder," flüsterte Thekla ahnungsvoll, als ob die Hoffnung ihre Genien abgejendet, die, mit süßen Bildern gaukelnd und ihr die Schläfe stärkend, sie umschwebten.So wie die Nacht den Schlummermantel trö­stend ausbreitet, so legt ein sanfter Flor sich über alle Schmer- jensbilder und meiner Seele Weh verschwimmt in das beruhigende Vorgefühl des Nahens einer bessern Zeit. Begreife ich gleich nicht Wie? so lebt doch der Glaube und auf seinen Grund werft ich vertrauensvoll den Anker!"

Sophie stand mit gefallenen Händen in der Nähe und blickte mit feuchten Augen auf ihre betende Herrin. Sv entschwand eine Keine Weile, nach welcher Thekla nochmats den Blick zu den Bergen, wo die Sonne den letzten Gruß gesendet, richtete und bann zu der Zofe sich wendete.

Wir gehen zum Schlosse zurück."

Die Dienerin neigte sich bejahend und folgte ihrem langsam Manschreitenden Fräulein. Plötzlich blieb jedoch Thekla stehen und wendete das Ange, wie in verklärter süßer Wehmuth nach der dem Sonnenuntergang entgegengesetzten Richtung.

Der Mond verdunkelte fein bescheiden Nahen durch leisen weichen Glanz, den er in lustigen Streifen an des Horizontes Tiefe hauchte und in dem feierlichen Dämmerlichte grenzte sich die inne Hügelkette mit ihrem blätterlosen Baumschmuck in dunkeln Formen deutlich ab.

Doch neben Bäumekronen ragt ein anderes Bild. Ein trau; »s Dach, ein schwarzer Thurm und Pappeln recken ihre Spitzen. Der Marnstein schaut mit traulich liebem Auge zum Dannberge herüber, der jetzt mit Silber seine Firste schmückt, als ob den Tteugruß er im Feierkleide erwiedern wollte.

Siehst du dort?" rief leise das Fräulein und faßte ihre Dienerin an den Händen und schloß sie, wie man etwas Liebes umfängt, in ihre Arme.

Ich sehe," antwortete Sophie unter Schluchzen, indem sie |Dhekla's Hände krampfhaft drückte.

Du weinst?"

Ihr Herz ist immer dort!"

Und dort nur kann es bleiben!"

Töne?"

Vergieb!

Und ewig

nur der Deine!"

welche sie erst werden

(Forts, folgt.)

sich nimmt?

Was giebt es Neues?

Aus Berlin schreibt man unterm 21. Januar, daß der Plan zur Herstellung eines vereinten allgemeinen deutjchen Maaß- und Gewichtssystems, sowie daß eine Vereinbarung der deutschen hohen Regierungen in Betreff der Papiergeldsverhältnisse, noch nicht auf- gegeben sey; sondern daß vielmehr diese wichtigen Angelegenheiten, die für ganz Deutschland von großem Interesse und darum sehr wünschenswerth sehen, nach völliger Erledigung der Zoll» und Han­delsfrage, sogleich in Angriff genommen werden sollen.

Und solcher süßer Worte Fülle entstiegen wechselsweise den freudedurchbebten Herzen, wer kann sie alle nennen? Und wenn wir sie auch sagen, wo bleibt der Schmelz und Klang, durch weiche sie ersi .veivrit, was sie sind, wo bleibt das Ohr, das mit des Hochentzückens Wonnegefühl die traulich-süßen Laute in

lenglanze.

Du hier? O, Seligkeit, wie konnte ich? Vergieb! Ach Alles! du bist ja wieder mein!

icf) büitc!"

Und wie sie ahnend gesagt, so war es. Flüchtiger Hufschlag schallte aus den Föhren und näher und immer näher kommmd, bließ das schnaubende Roß und wieherte wie zum freundlichen

An dem finstern Saume des WaldeS flog jetzt wie ein Schat­ten der eilende Reiter vorüber. Jetzt hielt er still, er steigt fyera , es knarrt der Ast, um den der Zügel sich schlingt, und wie ver­stohlen schleicht der Reuter näher dorthin, wo der Weißdorn seine leichte Wehre breitet. ,

Thekla's Herz pulstrte in wildem Schlage. Vorwärts gelehnt, das Auge auf den Angekommenen gerichtet, faßte sie krampsbast die Hände der sie von rückwärts umschlingenden Zofe. *

Er ist's! Er ist's!" rief sie mit kaum unterdrücktem Jubel aus und wie Sophie sie auch zurückzuhalten versuchte, so wand sie sich dennoch aus den sie mit Liebe und Sorgfalt umschlingenden Armen. _

Mit bem flüchtigen Schritte, den Freude verleiht, schwebt ,ie zum Weißdorn, und kaum ist sie genaht, da schwingt der Ret- tersmann in leichtem Fluge sich herüber und beide ruhen sich in den Armen, Brust an Brust und Wang an Wange und Thränen süßer Freude und des Entzückens vermählen sich im feuchten Per-

Sophie drängte jetzt zum Weitergehen, doch wie sie den Schritt nachdem Schlosse richteten, da hemmt Thekla abennals den fortschreitenden Fuß und mit vorgebvgenem Haupte lauftht sie nach dem Marnsteine, das Auge verklärt in freudigem Hoffnungs- hHörst du das Sausen im Walde, horst du die dumpfen

Bilder Ihrer Phantasie! Sie täuschen Mh"

Nein, nein, Sophie, daS ist der wohlbekannte Hufschlag, der aus dem leichten Waldgrunde heraufklingt."

Ein Landmann ist es, der nach Hause eilt."

Hörst du das Schnaufen, hörst du jetzt das Wiehern.

Das treue Thier freut sich der Rückkehr zu uns, die wir es im­mer gut gemeint. O, widersprich mir nicht. Es lebt etwas tn meiner Brust und ick weiß, worauf ich hoffe und auf was