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In der Nacht vom 19. auf den 20. d. M. schnitt sich ein Bürger in Frankfurt, wie man sich erzählt, im s. g. Säufer­wahnsinn (delirium tremens), in den Hals und soll wenig Aus­sicht zur Erhaltung seines Lebens sein.

In Bockenheim bet Frankfurt soll gestern ein trauriger Fall vorgekommen sein, der Jähzornigen zur Warnung dienen mag. Zwei Metzgerburschen geriethen in Sireit und der Eine stieß im Affekt seinem Gegner das gerade bei der Hand habenre Messer in den Leib. Ob er zum Mörder wurde, steht noch dahin, da zur Stunde noch nicht alle Gefahr vorüber ist. Der jähzornige Thä- ter leistete dem Getroffenen alle Hülfe, bis er hörte, daß die Be­hörde Nachricht habe; da ergriff er die Flucht.

An den Küsten Englands wird fort und fort befestigt, in­dem man dort den Krieg für unausbleiblich hält. Wellington, behauptet man, habe in Voraussicht dessen schon einen Feldzugs­plan ausgearbeitet.

Während dem Gottesdienst wurden jüngst in Haßfurt in dem Pfarrhaus 1000 st. gestohlen.

Kaufmann Warnecke zu Frankfurt ist von Sr. Maj. dem Könige von Preußen mit dem rolhen Adlerorden 4r Klasse beglückt worden. Der Decorirte besorgt nämlich schon geraume Zeit Liefe­rungen für die preußische Armee.

Mainz zählt gegenwärtig, ohne Militär, 36,741 Einw.

Die österreichffche Regie soll für mehrere hunderttausend Gul­den Pfälzer Taback, pro Centn er zu 1014 fl. acquirirt haben.

Die neulichen kriegslustigen Aeußerungen des Obersten Fleury, Adjutant und Vertrauter des Kaisers, werden als rein erdichtet bezeichnet.

Die Türken sammeln sich in Albanien und der Herzego­wina und die Montenegriner machen Miene zum energischsten Handeln.

Die Aachen-Düsseldorfer Eisenbahn ist am 17. d. M. eröffnet worden.

Wie kürzlich in Danzig, so ist auch in Magdeburg dieser Tage ein Kind an den Folgen der Vergiftung durch Lecken an grüner Tuschfarbe gestorben. Ein anderes Kind wurde nur mit Mühe gerettet.

In Hamburg wurde eine Frau wegen unbefugtem Bar­bierens eingesteckt.

In der Neujahrsnacht hat im Kanton Neuenburg ein Mäd­chen heimlich geboren und ihr Kind sofort dem Hofhund in die Hütte geworfen, der es ganz verzehrte!! Im Gefängniß hat die Verbrecherin die schaudervolle That gestanden.

Der Aufstand in Montenegro wächst gleich der Fluth. .Die Türken sollen rückwärts gedrängt werden.

Das dänische Volksthing hat die Verlegung der Zollgränze von der Eider an die Elbe am 13. d. M. verworfen. Nachrich' ten vom 15. melden die Auflösung des Reichstags.

In Amerika steigen die Tabakspreise fortwährend. Beson­ders wird viel deutscher Tabak, weil er billiger, zu ordinären Cigarren verwendet.

Londoner Blätter schildern die australischen Golveolouien als alle Erwartungen übertreffend, indem Australien Californien jetzt gänzlich in Schatten stelle. Am Turon soll der Goldertrag ein so großer sein, wie man sich's nie geträumt hätte.Es gibt hier Gold­gräber" , so heißt es u. a. in den erwähnten Blättern,die bis 15 Unzen Gold den Tag erbeuten. Zu Tambaroora hatte man noch nie dagewesene Resultate. Hier haben die ersten 600 Goldgräber in vierzehn Tagen 3000 Unzen Gold hervorgeholt. Die Erde ist hier so goldhaltig, daß eine einzige Schüssel Erde manchmal eine halbe Unze Gold enthält. In diesen Gegenden wird Gold auch in großen Stücken gefunden. Insbesondere reich ist das Goldfeld bei

Bingara, wo vorläufig noch sehr wenig Arbeiter sich zusammen gefunden, die sich damit begnügen, das Gold aus der Oberfläche der Erde heraus zu kratzen. Die Hangingrock-Goldgegend wirv insbesondere gerühmt, wozu noch in Anschlag zu bringen ist, daß sie in der romantischsten Gegend liegt, wo die Natur Alles auf­geboten, um den Aufenthalt angenehm zu machen. Mehre Gesell­schaften hatten sich schon vereinigt, welche die Quarzgebirge aus- beuten wollen Obgleich die Goldgegeuden von Neu-Südwales nur schwach im Vergleich zu denen von Victoria ausgebeutet worden, sind dort schon 2,200,000 Pfd. Sterl. Gold ausgeführt worden. In der Colouie Victoria mögen jetzt schon 100,000 Menschen mit Golvgraben beschäftigt seyn, und so wirv man eS erklärlich finden, paß vom 3. bis zum 26. Dccember zu Mountalerander unv Ballarat allein 366,193 Unzen Gold ausgebeutet wurden. Man schlägt den Durchschnittsertrag jeder Woche an diesen Orten auf 80,000 llnjcn au. Statt abzunehmen ist der Goldertrag dieser Gegenden in beständiger Zunahme begriffen. Selbst jene Goldgräber, die kein Glück haben, macken sich eine Unze Gold die Woche. Die Blätter führen Fälle auf, wo Goldgräber Klumpen von mehren Pfund Schwere fanden, allein abgesehen von diesen Glücksfällen ist die Goldhaltigke.it jener Gegend als unerschöpflich auzuseheu. In den Hafenstädten kann man keinen Arbeiter fesseln, denn trotz der Tau­sende, die jede Woche eintreffen, strömen alle fort, lieber ander!' hach Mill. Pfd. Sterl. war nach Adelaide gesandt worden, wo eS in der Bank deponirt wurde, um in der Münze zu Stangen ge­gossen zu werdeu. Inwiefern der Goldfund in der Colonie Adelaide sich reichhaltig erweist, läßt sich nicht vorausbestimmen. Man weiß nur, daß Gold gefunden worden, und daß manche Goldgräber mit dem Erfolge sehr zufrieden sind."

Ein Engländer in Adelaide gab unlängst folgende Antwort: Ich habe 10 Wochen lang auf der bloßen Erde geschlafen, ohne Bett und wochenlang unausgekleidet. Ich bin durch Sümpfe und Moräste bis über den Leib in Wasser und Schlamm gegangen, habe brennend heiße Sandstrecken und Wüsten von 30 Meilen durchkreuzt, bin unter einer glühend ausdörrenden Sonne reisend fast verschmachtet vor Durst und Tage lang blieb ich ungewaschen, aus Mangel an Wasser. Einer aus unserer Gesellschaft ward uns auf dem Wege ermordet. Wir mußten ihn hier begraben, Tau­sende von Meilen von der Heimath. Ohne harte Arbeit, wie kaum Arbeitsleute zu ertragen fähig sind, ist das Gold nicht zu gewinnen. Niemand paßt für die Diggings, der nicht unter einem Baume in freier Luft schlafen, Wasser jeder Farbe trinken, Wo­chen lang ungewaschen und unraftrt gehen und an zahlloses Uu- geziefer sich gewöhnen kann."

Freilich kommt dann auch Fortuna mit Thatsachen wie folgende:

Ein junger Schotte, welcher vor drei Jahren Paisley (un­weit Glasgow) verließ, um auf obige Art fein Glück in Austra­lien zu versuchen, ist in diesem Jahre nach Hause gekotnmeu. Beim Eintritt in die arme Hütte feiner Mutter fand er diese beim Ein­schlagspulen beschäftigt. Nachdem sie sich beim fröhlichen Wieder­sehen bewillkommnet hatten, sagte der Sohn zu feiner Mutter, 1» möge nun das Spulrad bei Seite werfen. Nein, nein, Jamiu, sprach die Alte, ich werfe mein Spulrad nicht weg, bis ich Bes­seres habe! Goddant! sprach Jatuin; sieh her, Mutter! hier hast du Besseres! Damit zog er Banknoten von 10,000 Pf. Sterl. (120,000 Gulden) heraus, den Ertrag seines Glücks und seines Fleißes in den Goldgruben Australiens.

Diese Thatsache ist in der Provinzialzeitung ,.North British Mails, auS nächster Umgegend ihres Leserkreises, wo man al,o sogenannte Zeitungspuffs nicht annehmen kann, erzählt und ver­sichert worbe n.___________________________________________

Druck und Verlag der G. D. Brühl'scken Duck- und Steindruckerei.

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