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— Der Landtag des Großherzogthums Hessen ist bis auf Weiteres vertagt.
— Auf allerhöchste Verfügung soll die vom Ministerium gegen die Mitglieder der kurhess. Ständeversammlung wegen Steuerverweigerung erhobene Anklage vorläufig beruhen.
— Der allbekannte pfälzische Dichter Karl Geib starb am 20. v. M. in Lambsheim in einem Alter von 76 Jahren,
— In Mannheim wurde letzter Tage von den Werften des Hrn. Nelson ein großes neu erbautes Rheinschiff vom Stapel gelassen. Herr Wilson in Amsterdam hat es für seine 'Rechnung bauen lassen.
— In Hierlingen, Oberamts Rottenburg, wurde ein Jude von seinem Schuldner ermordet und der Leichnam in einen Teich geworfen und in einer der letzten Nächte wurde in Eßlingen ein Kaffeewirth von einem bei ihm eingestiegenen Individuum erschlagen.
— Die Ruhr soll nächstens auch mit Dampfschiffen befahren werden.
— Die Düsseldorfer Maler Hasenclever, O. Achenbach, ti. Kalkreuth und Lindlar sind zu Mitgliedern der Akademie der schönen Künste in Amsterdam ernannt worden, ■— eine Anerkennung, die um so mehr zu bedeuten hat, da die Holländer sich bekanntlich auf Beurtheilung von Gemälden vortrefflich verstehen.
— In Trier hat sich ein Verein für überseeischen Weinhandel gebildet. 500 Ohm feine Weine hat er schon nach New-Uork gesandt und dort guten Absatz gehabt. Weinproducenten aus dem Zollverein können als Mitglieder in den Verein ausgenommen werden.
— 145,000 Einwohner ergiebt die letzte Volkszählung in Berlin.
— Der unlängst mit 7000 Thaler öffentlicher Gelder durchgebrannte Bürgermeister Klengel in Reichenbach, soll wahnsinnig und die gegen ihn eingeleitete Untersuchung deßhalb geschlossen worden sein.
— Dieser Tage ist in Königsberg ein dortiger wohlhabender Bürger und Kaufmann, der seit langer Zeil vielen angesehenen Personen beleidigende Briefe anonym zusendete, auf der That ertappt worden. Wegen Beleidigung von Beamten werden eine Menge Prozesse nun die Folge fein.
— Am 27. Dezember ist bei Reutlingen die Pulvermühle in die Luft geflogen. An Häusern in der Stadt sollen furchtbare Verheerungen angerichtet, aber kein Menschenleben zu beklagen fein.
— Im Jahr 1851—52 wurden in München 38,529,120 Maß Bier konsumirt; es war dies eines der durstigsten Jahre.
— Die Einwohnerschaft von Bamberg beläuft sich nach der jüngsten Zählung auf 18,511 Civilpersonen, hat also um 3 Personen gegen das Jahr 1849 abgenommen.
— Von einer Wiener Damen-Gesellschast soll die österreichische Gesandtschaft in London ein sehr schönes, diamanteubesetzteS Armband zugeschickt erhalten haben, welches zum Geschenk für Mrß. Benfield, die Schenkwirthin in Bankside, bestimmt war, die dem General Haynau vor der Wuth des Pöbels eine Zuflucht,bat. Zu feinem Bedauern hörte aber der österreichische Minister, daß Mrß. Benfield verschwunden sei. (Man glaubt, daß sie, nach dem Bankerott ihres Mannes, nach Australien auSwanderte.)
— Dem Vernehmen nach sollen nächster Tage Oesterreich, Preußen und Rußland daS franz. Kaiserthum anerkennen wollen.
— Der franz. Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Herr Drouin de Lhuys, hat in diesen Tagen einen sehr bedeutenden Fund gemacht. Er fand nämlich in einem alten Secretär seines Vaters, der ein außerordentlich reicher Mann gewesen, eine Summe von etwa 400,000 Frcs., und von der er bei Antritt der Erbschaft nicht die geringste Keuntniß hatte.
Druck und Verlag der G. D. Brü
— Der Inhalt des Briefes, welchen Hr. v. Kisselef zur Behändigung an den Kaiser Napoleon vom Czaaren nach Paris mitgenommen hat unv dessen Gedanken und Styl den Charakter des Kaisers documentireu, soll im Wesentlichen folgender sein: Der Czaar dankt Ludwig Napoleon für den Dienst, den er ganz Europa durch die That des 2. Dez. geleistet hat. Er belobt die PMjx die dieser als Prinz-Präsident befolgte, und erklärt, die Aenderum in der Regierungsform unter der Bedingung annehmen zu wollen daß diese weder den Frieden noch die Verträge beeinträchtige; endlich räth er Napoleon, die um des Titels willen häkelige Succes- stousfrage unberegt zu lassen.
— Einer Menge, theils zum Tode theils zu Ketten- rc. Straß verurtheilteu Soldaten hat der Kaiser Napoleon ganzen oder doch theilweiseu Pardon, resp. Strafumwandlung zu Theil werden lassen.
— In Eompiegne sind die Ball- und Jagdfestlichkeiten glänzend gewesen und ohne Störung vorübergegaugen.
— Die Bildergallerie der Herzogin von Orleans wird m 18. Januar zu Paris versteigert.
— Alle nach dem 22. Januar 1853 nicht verkauften OrleaO scheu Güter sollen dem Staate zufallen.
— Der Kaiser der Franzosen soll die Absicht haben, Corsiß im Lauft des Jahres 1853 zu besuchen.
— Zur Aufnahme des Bildes des Kaisers Napoleon in Lebensgröße läßt der berühmte Daguerreotypist Macaire einen großartigen Apparat anfertigen, welcher zum erstenmal hierzu verwendet werden soll.
— Während der Anwesenheit Abdel Kaders in Marseille, Hai sich im Hotel „Der Kaiser", wo der Emir wohnte, folgender Vorgang ereignet. Eines der Weiber Abdel Kader's, welches die Nen- gierde nicht bemeistern konnte und durch die Fensterscheiben die vor dem Gasthofe versammelte Menge betrachtete, wurde bei diesem verbotenen Vergnügen von dem Emir überrascht und sofort zurj Straft nach Algerien geschickt.
— In Nom hat es wegen Verspottung des neuen französische«! Kaisers durch Carricaturen, Maueranschläge, Weihnachlsbuden ii Nürnberger Spielwaareu, Arrestationen gegeben.
— Nächstens soll in Rom ein Conststvrium Statt haben, ba der Cardinal-Erzbischoff von Cöln beiwohnen wird.
— 40,000 Realen hat die Königin von Spanien am Geburtstage ihres Töchterchens zu milden Zwecken gespendet.
— Die Montenegriner haben bei Podgorizza gesiegt und wurde ein Waffenstillstand geschlossen, bis die Entscheidung des SultaiiS erfolgt.
— Die Amerikaner errichten Beethoven eine Bronzestatue in der Musikhalle zu Boston.
M i s c e l l e n.
— Die chinesische Familie, die sich früher in Frankfurt sehen i ließ, und auf ihrer Durchreise Gießen passirte, verweilt gegenwärtig in Dresden, wo sie sich in ähnlicher Weise begaffen läßt. Als charakteristisch meldet man von daher, daß sie den ganzen Tag Schuhe macht und also eine chinesische Schuhmacherfamilie zu fein scheint. Merkwürdig ist, daß sie in Dresden Sonnabends ein er- ! höhtes Eintrittsgeld nehmen, weil sie sich an diesem Tage die Haare fristren und die Zöpfe machen. Es scheint, schreibt ein Witzbold, daß sie Dresden für würdig halten, in vas Mysterium des chine- ! fischen ZvpseS eingeweiht zu werden.
— In London sind wieder einmal die Deutschen angeschwärzt worden. Dort macht nämlich eine musikalische Neger-Gesellschast großes Aufsehen. Die bei Weitem größere Mehrzahl dieser Neger sind — Deutsche.
bi'scken Buck- und Steindruckerei.


