H : 8r.
©r..8abtoi[fe, Ttffor v. ebtt. erp: Hr. WU. r Mendelsoh«, th v. Dietz. - iffurt. — sRtj Bei Hrn. fifm. iedrich Wirth; • Harthausen; : Hr. Fuchs i. üller, Sfm. t, iraiserslautem.
ffiefclar,
SchesseU.
n
ühl I
B. Nr. l
Beilage.
Auch in dem ^eitenfinrm die Fiebe.
Norclle aus denr Frühjahre 1848.
(Fortsetzung.)
2)!tt ausgebreiteten Armen blickte Marnstein brünstig hinauf zum Himmel und allmählig schwiegen die Stürme seiner Brust und sein wirres Auge ward klarer, bis endlich ein milder Zug tlon_ ytufye über die aufgeregten Mienen sich lagerte. Jetzt trocknete er gch den Schweiß von der Stirne, ordnete dann seinen zerstörten Anzug und begab sich mit festem Tritte zu dem harrenden Anitmanne.
Der alte Kronhelm verbeugte sich in Demuth vor dem neuen Herrn Minister und verwickelte sich in einen von Ercellenzen, Gnädigst und Allergnädiast wimmelnden Redeschwulst, also, daß er endlich, wie ein Schiff im Wintereise, festsaß und nicht mehr rückwärts, noch vorwärts konnte.
Ec vermeinte schon die Hobe Ungnade sich zugezogen zu haben, als zu seinem Erstaunen der Herr Minister ihm freundlich die °innC lT*$te und ihn, wie einen Mann seines Gleichen auf das Sopha neben sich zog.
„ »^alleu wir das, mein lieber Herr Amtmann. Ich weiß, Sie sind ein biederer, pflichtgetreuer Diener der Gerechtigkeit und solche Leute wird von nun an auch der Fürst seine wahren Freunde nennen."
Kronhelni athmete tief aus, lächelte dann und fragte in bescheidenem Tone:
„Darf sch mich unterstehen zu forschen, was Cure Ercellenz zu befehlen geruhen?"
„Ich habe nur zu bitten und zwar meinen alten Freund Kronhelm. Nicht den Amtmann, mit diesem habe ich für jetzt nichts zu schaffen."
Des Amtmanns beklemmte Brust wurde wieder gänzlich frei und er wagte es sogar, die ihm dargereichte Hand recht herzlich zu drücken.
Marnstein zog nun mit möglichst vorsichtig gestellter Rede, worin er sein Verhällniß zu Thekla klug und weise schonte, Erkundigungen ein um das Entweichen des verhaftet gewesenen Henrich und über die unter den Landleuten umlaufende Sage von der Bci- hülfe des Burgfräuleins. — Was er von seinen eignen Leuten wußte, glaubte er noch zurückhalten zu müssen.
Der alte Kronhelni ward verlegen. Nach dem, was das gnädige Fräulein ihm eines Abends in der Amtsstube vertraulich eröffnet hatte, war über das eigentliche Wesen des Burgfräuleins für ihn kein Zweifel mehr. — Allein er halte ja damals sein Wort gegeben, discret zu sein, wie konnte er jetzt dieses brechen, abgesehen auch davon, daß wirkliche herzliche Liebe zu dem guten Fräulein Thekla es ihm zur möglichsten Pflicht machten, derselben jedes Ungemach zu beseitigen? — lind nun ihm gegenüber der Hochgebietende Herr Minister, dem er doch nach Amt und Pflicht die Wahrheit schuldete?
Dem alten biedern Manne beklemmte dieser Widerstreit der Pflichten die Brust und dicke Tropfen standen ihm auf der Stirne.
Marnstein erbebte. Ein für ihn fürchterliches Gehcimniß glaubte er Anfangs hier verborgen, bald aber siegte doch sein klarer Verstand und ließ ihn ahnen, daß der ergraute Themisdiener mehr ben Punkt des Rechtes, als den der Gefühle im Auge habe. Mit herzlich warmem Tone sprach er daher zu dem ängstlich sich hin und her Wendenden:
„Mein guter Amtmann sei nur Richter, nicht Spion!" Kronhelm athmete leichter.
„Wer den Wilderer aus seinem Gefängnisse entwischen ließ," fuhr Marnstein fort, „ist mir gleich, weiß ich nur, was ihm den Weg zur Flucht geöffnet hat."
„Herr Gott im Himmel," rief jetzt der Alte, dem es plötzlich wie der helle Morgen vor den Augen tagte, „jetzt wird mir Alles klar, mein gutes Theklachen, ja, ja, das vortreffliche Kind, cs liebt—"
„Wen? Wen?" rief Marnstein und seine Blicke begannen zu flammen.
„Und das sollten Sie nicht wissen?" versetzte Kronhelm unter schelmischem Lächeln, indem er mit dem Finger drohte. „Ja, jetzt begreife ich Ihr Forschen!"
„Um Gotreswillen Antwort auf meine Fragen!"
„Wen soll das gnädige Fräulein denn anders lieben, als Sie? — Sie sehen mich zweifelnd an, verlangen wohl gar Btweise? — Soll ich beweisen, daß die Bäume grün sind und die Blumen blühen? So etwas kann ein alter Mann, wie ich, auch noch begreifen, wenn es sich in tausend Wendungen zur Schau trägt. — Und nun wähnen Sie gar das holde Engelskind, — verzeihen Sie, daß sich die Justiz auch in die Poesie versteigt — habe ein Auge auf--Mein Gott, ich mag es gar nicht sagen. —
Wie kann doch auch ein Minister irren!"
„So reven Sie doch nur und erlösen Sie mich von der Qual!" bat dringend Marnstein.
„Das gute Kind," fuhr der Alte freudig gesticulirend fort, „liebt seinen Vater über alle Maßen und um denselben in jetziger bewegter Zeit neuer Rachsucht zu entziehen, hat es den schweren Schritt gewagt —"
„Herr Amtmann ist dies wahr?" rief Marnstein in fieberhafter Spannung.
„So wahr ich denke, mein graues Haupt dereinst mit Ehren zur Ruhe zu betten!"
Der Alte hielt die Rechte schwörend zu dem Himmel. Doch hatte er noch nicht geendigt, als ihu Marnstein stürmisch in seine Arme preßte.
„Dank, lausend Dank für diese Nachricht, die mir das Leben wiedcrgibt. — Ei» andermal das weitere; jetzt duldet es mich nicht länger hier im Schloß. Freund Kronhelni, Sic sollen mehr noch von mir höre», für jetzt leben Sie wohl, leben Sie wohl!"
Fort eilte er von dem ganz überraschten Amtmanne auf sein Arbeitszimmer, dort riß er das Fenster auf und rief, ein neues Pferd ihm vorzuführen, dann warf er seinen Oberrock um und eilte mit dem ihm folgenden Bedienten die Treppe hinab. Doch wie er das vorgeführte Roß besteigen will, da donnert eine Reisekarosse mit vier schäumenden Pferden durch das Schloßthor und wie er neugierig auf solche schaut, da senkt sich das Fenster derselben herab und cs grüßt ihn mit feurigem, liebeglühendem Blick — Eusebia.
(Fortsetzung folgt).
Was giebt es Neues?
— Hier in Gießen hat man in einem Garten am 28. Dczbr. 30 Stück völlig reife Erdbeeren gebrochen. Auch blühende Veilchen, Primeln, Rosen :c. fanden sich daselbst.


