,v. 24.

Beilage.

Auch in -em Aeitensturm -ie Liebe.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung )

Deinen Auftrag", begann Dannberg, an meine Schwester Eusebia in der Residenz hast du richtig besorgt und wolltest mir vorbin bei deiner Rückkehr Bericht erstatten. Ich habe dich unter­brochen. Fabre jetzt fort, wo du stehen geblieben bist."

Bertram warf einen Blick auf das Fräulein, dann entgegnete er mit bedenklichem Stirnerunzeln :

Wenn der gnädige Herr befehlen?"

Ja, ja, ich befehle es."

Run meinetwegen!"

Er räusperte, hustete, drückte die Fuchsmütze in den Händen hin und her und erzählte :

Wie also der Lärm vor des gnädiger. Fräuleins Eusebia Wohnung losgiog, begab ich mich auf die Straße, um einmal nachzusehen, wessen Gelichters denn die Speetakelmacher eigentlich feien und der erste, der mir in die Augen fiel, war ein wunderlich aussehender alter Kerl, den mir ein Bedienter als einen verwe­genen Wildschützen mit Namen bezeichnete."

Vorwärts! mahnte der alte Baron.

Ich erwähne des Burschen nur", entschuldigte der Einäugige, weil er mir so bekannt vorkam. Gesehen habe ich ihn schon einmal, aber er muß anders gekleidet gewesen sein."

Laß doch die Abschweifung und erzähle weiter."

Wie nun Alle recht nach Herzenslust lärmten, so erscheinen aus einmal auf dem Balkone des Hauses Lichter und den erhabenen Standpunkt betritt Herr Henri ch."

Dannberg sperrte den Mund auf und schlug verwundert in die Hände, auch Thekla trat überrascht näher.

Sie staunen," fuhr Bertram fort,ich hätte mich bald auf den Kopf gestellt. Denn sagen Sie mir ums Himmelswillen, wie kommt der Mensch in so honette Gesellschaft?"

Zur Sache, zur Sache," befahl der Baron.

Der Herr Henrich beginnt nun eine Rede. Alles lauscht und auf einmal macht er es" er. warf nochmals einen Blick auf Thekla und fragte:Soll ich es sagen?"

Der Baron stampfte unwillig mit dem Fuße:Soll ich noch­mals dir befehlen?"

Meinetwegen denn! Er machte es wie der Herr Pfarrer in der Kirche und proclamirte ein Brautpaar."

Ein Brautpaar! Wer? Wen?" so riefen austs höchste gespannt, Vater und Tochter.

Bertram zögerte, als aber des Barons Antlitz wiederholtlich sich verfinsterte, platzte er heraus:

Herrn Baron von Marnstein mit dem gnädigen Fräulein Eusebia . von Dannberg."

Der alte Baron blickte dem Erzählenden noch eine Weile in's Gesicht, dann brach er endlich in helles Gelächter aus. Plötzlich bemerkte er jedoch, daß der Jäger erbleichend nach Thekla deutete und wie sein Auge dem Fingerzeige folgte, so gewahrte er seine Toch­ter, die lilienblaß wankte und sich an der Lehne eines Stuhles festhielt.

Um Gotteswillen, Kind, du wirst doch solch albernes Zeug nicht glauben?"

Ich fürchte ich glaube er hat wahr geredet!"

Mit diesen nach und nach ersterbenden Worten sank das Mäd­chen in die Arme ihres bestürzten VaterS.

Keines Wortes fähig stand dieser, bis ihm endlich die hellen Thränen aus den grauen Wimpern perlten.

So trug er die Ohnmächtige nach ihrem Zimmer.

10. Schachzüge.

Baron Marnstein sprengte auf schweißbedecktem Rosse so schnell die BergeShöhe hinan und zum Hofthore seines alten Schlosses hin­ein , daß der nachfolgende Bediente nicht gleichen Schritt mit ihm zu halten vermochte und mit seinem, obgleich guten Pferde, erst eine Weile später dort ankam.

Mit unruhigem, zerstörtem Blicke schwang sich der Baron von dem Pferde, warf demselben die Zügel auf den Hals und eilte die breite steinerne Schloßtreppe hinauf, wo ihm der Verwalter auf dem Corridore entgegen trat.

Ist der Amtmann von Dannberg bereits angekommen?"

Der alte Herr sitzt schon eine Weile in der gothischen Stube," entgegnete der Befragte.

Meinen einstweiligen Gruß und ich würde gleich bei ihm sein."

Der Verwalter ging und der Baron eilte in sein Arbeitszim­mer, wo er den Reiseoberrock schnell hinweg schleuderte und sich er­schöpft auf ein Sopha niederließ.

Fassung! Fassung!" rief er dann warnend sich selbst zu. Benütze die wenigen Stunden, welche dir von der Geschäfte Drang gelassen worden, um deine eignen Angelegenheiten zu ordnen, auf daß du wieder Kräftigung und Muth erhäüst, die fortwährenden Stürme zu bestehen!--Gott, Gott," rief er endlich und sprang

abermals heftig aufgeregt von seinem Sitz in die Höhe,dit siehst mein Herz, du weißt, wie aufrichtig ich es mit dem mir anver­trauten Lande meine und doch Überall Mißtrauen und aller Orte feindliches Entgegentreten auch den besten und förderlichsten Absich­ten ! Und in dem Gewühle, das so mich umtobt, mein Herz zerrissen, zerfleischt und gefoltert von peinlicher Ungewißheit und meine Seele erschüttert und durchbebt von Reue und Verzweiflung! Kann ich die Kette zerreißen, die mich an Eusebien fesselt? Kann ich das Bild vernichten, das in dem Busen wie ein Hciligtbum die Siegesstrahlen flamhrt? Gott, Gott, gieb mir Fassung und Ruhe und erleuchte mich, daß ich den rechten Weg erwähle, der aus die­sem Labyrinthe zum stillen Frieden meiner Seele wieder führt!"

(Fortsetzung folgt).

Was giebt es Neues?

Nach einem neuen Erlasse müssen sämmtliche großh. hessische Staatsdiener bis zum Neujahre alle vorgeschriebenen Uniformstücke sich angeschaffl haben und im Dienste stets tragen.

Vor einigen Tagen fuhr ein vom Unterrhein kommendes, mit Rührer Kohlen schwer befrachtetes Schiff zwischen Keffelstadt und Hanau auf eine Sandbank und wurde so beschädigt, daß die Ladung in ein anderes Schiff verbracht werden mußte.

In Mainz ist gestern unerwartet ein Privat-Mädchen-Jn- stitut von der Behörde geschlossen worden.

Ein in Mainz dieser Tage verstorbener Rentier au8 Kostheim hat dem BürgerhoSpitale ersterer Stadt das schöne Sümmchen von 80100,000 fl. vermacht.

In Mannheim wurde ein österr. Consulat errichtet und dem Hrn. Ed. Eysenhardt daselbst übertragen.