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— In München befehden sich zwei Parteien; die eine sagt, es sei recht, daß die bayerische Victoria auf dem Siegesthor der Stadt den Rücken kehre, die andere bestreitet dieses, und so setzt es eben manche harte 'Reden und am Ende auch — Püffe.
— In Würzburg trat vor Kurzem ein Protestant zum Katho- licismus, in Berlin ein Jude (Stadtrath H. Jacobson) zum Dcutsch- katholicismus über.
— Eine übel beleumundete Frau, in der Judengasse in Frankfurt wohnend, wurde am Abend des 28. Octobers tobt im Bette gefunden, Natten hatte» das Gesicht bereits zernagt!
— Im Berliner Thierarzneischulgarten fanv man in der dort nur 2 Fuß tiefen Panke jüngst ein etwa 20 Jahre altes Frauenzimmer tobt. Die Klcibung war sehr fein unb es sind Anzeichen eines Verbrechens vorhanden.
— In Dresben warf sich ein Schneibergeselle aus Nordheim unter einen Frachtwagen und ließ sich die Räder über den Kopf gehen. Die Ursache zu diesem Setbsimord ist noch nicht bekannt.
— Der von Frankfurt aus verfolgte Raubmörder Schmibt ist in Heppenheim an der Bergstraße ergriffen worben. Weil er aber Hess. Untcrthan ist, wird auch dort Untersuchung und Bestrafung erfolgen.
— Frankreich unb einige italienische Staaten sollen ebenfalls Willens sein, ihren Angehörigen aus dem Handwerkerstände die Rückkehr aus der Schweiz zu befehlen.
— Louis Napoleon hat einem Münchener Portier, welcher früher lange bei ihm diente, sein Portrait und auch klingende Beweise seiner Anhänglichkeit zukommen lassen.
— In München wurde in einer dehfletzten Nächte einem Herrn, während er das Hausthor auischloß, von einem nachschleichenbcn Burschen Uhr sammt Kette entrisse». Der freche Dieb entkam glücklich.
— Auch aus der Schweiz wird über die Frechheit des Gesindels geklagt. Raubmorde, Diebstähle rc. am Hellen lichten Tage sind nichts Seltenes.
— Zu dem am 15. oder 16. d. M. stattfindenden Leichenbegängnisse des Herzogs von Wellington wird sich auch eine sehr große Zahl preußischer Officiere nach London verfügen.
— Von dem Leichenbegängnisse des Herzogs von Wellington heißt es : Die Spcculation hat sich des hMhmten Todten vollends bemächtigt. Die „Times" wimmelt von Fenster - Vermiethungs - Anzeigen. Ein ganzes Fenster kostet 20—25 GuUeen, ein einzelner Platz 2 — 5 Guineen. Trotzdem wird kein Plätzchen frei bleiben.
— Ein Schiff, das mit Schlachtvieh nach London unterwegs war, wurde im Canal von einem Sturm so unmanierlich angelassen, daß der Capital» 237 Ochsen und 258 Hämmel über Bord werfen mußte.
— Auf einzelne Schiffe der deutschen Flotte sind Kausgebote aus Englanb eingelaufen. Die osterr. Anerbietungen sollen ratificirt worben sein.
— Dem deutschen Dichter Pfeffel soll in Colmar ein Denkmal errichtet werden.
— Gerüchte wollen sogar einen Besuch der russ. Kaiserin in Frankreich in Aussicht stellen. Dieselbe werbe in Pau ben Winter verleben unb dann von ihrem hohen Gemahl abgeholt werden.
— Abb - el-Kader ist in Paris auf eine seiner Würde entsprechende Weise empfangen worden. Auch das Volk grüßte ihn ehrfurchtsvoll. Ueberall drängt man sich heran, ihn zu sehen. Er ist, unserer Schätzung nach, etwa 44 Jahre alt, hat sehr schöne schwarze, sanfte Augen unb ein gmmüchiges unb blasses Gesicht. Alan hat ihm aus bem Grunbe alle Merkwürdigkeiten rc. gezeigt, ihn beschenkt, bannt er seine ehemaligen Feinde achten und bewundern lerne. Er wird erst nach Proclamirung des Kaiserreiches Frankreich verlasse».
— In einer alten spanischen Bergveste (bei Vitoria), die jetzt abgetragen wird, hat man neuerdings wieder einen großen Schatz, 500,000 Piaster an Werth, amgefunden. Es sind dies zertrümmerte Kirchengefäße. Alte Umwohner wollen sich »och erinnern, daß während der franz. Invasion schwerbeladene Soldaten sich auf den Berg geflüchtet und in den Ruinen verschwunden seien. Ihre Verfolger hätten hierauf Holz und Reisig in die unterirdischen Schlupfwinkel geworfen, dasselbe angezündet, alle Ausgänge dicht verrammelt unb so die Feinde erstickt. Dafür sprechen auch die Skelette von sechs Menschen und sechs Gewehre, die bei den Schätzen lagen.
— In Nordamerika herrscht nach den neuesten Nachrichten die Kartoffelkrankh.it. Im Staate Maryland unv angrenzende» Districten liefert die Kartoffelerndte eine» geringen Ertrag. Es gießt Dort Gutsbesitzer, die kaum die Aussaat, viele aber gar »ichts erndten.
— Die Zahl der jetzt in Californie» ejngewanderten Chinesen beträgt über 27,000. Ende dieses Jahres wird sich aber die Zahl verdoppelt habe», ben» es sind immer 30 Schiffe unterwegs. Bis jetzt habe» sich jeboch nur 22 Frauen vom Kantonflusse iii’6 Gold- land gewagt.
M i s c e l l e n.
— (Stachelige Küsse). Die Jndiaiierinnen im hollänbischen Guiana suchen sich, wie S. Frievmaun erzählt, auf eine in ber Thal höchst seltsame Weise gegen zärtliche Angriffe zu vertbeibigen. Im Munde nämlich tragen sie zwei Stecknabeln mit großen Knöpfe», welche sie mit großer Behendigkeit durch eine an der Unterlippe angebrachte künstliche Oeffnung heraus- und wieder zurück- schieben können. Auf diese Weise wird jede Indianerin, wenigstens so weit sich dem äußern Ansehen nach schließe» läßt, zum noli me tangere, unb bas Küsse» ist bem Uttberufene» gefährlich.
— (Es ist gefährlich, eine Locke zu verichenken), ben» bie Somuambülen lesen aus ber Locke bas ganze Leben ber- ober desjenigen, von dessen Haupte sie genommen ist. Ein Beweis davon kant kürzlich in Paris vor. Ein junger Mann in der Provinz hatte sich mit einem schönen Mädchen dort verlobt und die Heirath sollte bald erfolgen. Der Bräutigam mußte indeß vorher in mancherlei Geschäften »ach der Hauptstadt reisen und als Amulet erbat er sich eine Locke von der Geliebten. I» Paris hörte er nun überall davon reden, daß die Somuambülen, denen man eine Locke vorlege, anzugeben vermochten, wie die Person sich befinde, von der Jte herrühre. Um also Nachricht von der Geliebte» zu erhalte», ging der Bräutigam zu einer Somnambüle unb legte ihr die Locke vor. — „Die Person, von welcher bieß Haar herrührt", sagte die Hellseherin, „hat viel geliebt unb viel gelitten." — Der Bräutigam machte große Augen. — „Sie ist seit zwei Jahren Wittwe." Da lachte der Bräutigam. „Sie hat den Mann, de» sie liebte, ver
löre»; ob durch ven Tod ober durch Trennung weiß ich nicht", setzte die Somnambüle hinzu. Der Bräutigam erklärte lachend, daß bie Dame, von welcher er die Locke erhalten/ ein junges Mädchen sei, bie Hellseherin aber blieb unerschütterlich bei ihrer Erklärung unb fügte überdieß hinzu, ber Geliebte ter Dame ,ei »jn Soldat. Da wurde ber. Bräutigam bedenklich; er kehrte, ohne seine Ankunft zu melde», i» bie Stabt zurück, in welcher seine Braut wohnte und erfuhr endlich nach vielem Fragen, daß dieselbe allerdings früher ein vertrautes Verhältuiß mit einem Officier gehabt habe, ber seit zwei Jahre» i» Algier sei. Aus Verbruß darüber, baß sie >hm Ließ verschwiegen, sanbte ber Bräutigam bie Locke bem Mädchen zurück, meldete ihr, wie er durch dieselbe die Wahrheit erfahren und erklärte zugleich, daß ihr Verhaliniß geloset sei._______________
Druck unv Verlag Der G. D. Vruhl'schen Buch- uuD istemDruderei.


