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Beilage.

Auch in -em Zeitensturm -ie Fiebc.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung )

7. SKlau genährtes Hoffen.

In den Straßen der Resident wogten tausende, sowohl in der Stadt selbst wohnende, als von dem Lande hereingezogene Menschen umher und sammelten sich endlich auf dem großen Raume vor dem fürstlichen Schlosse. Die meisten hatte die gewaltige Richtung des Zeitenstromes erfaßt und sie beabsichtigen, aus reiner Liebe für Freiheit und Recht, Abänderungen und Verbesserungen der vorhan- denen Zustände, ohne daß es jedoch vielen von ihnen hinlänglich klar war, auf was und in wie weit sich das Gewünschte erstrecken sollte. Wie es aber zu allen Zeiten der Fall gewesen ist, daß sich edleren Bestrebungen, die Selbstsucht, der Eigennutz und andere, noch weniger lvbenswerthe Gesinnungen aufgedrungen und so dem Gelingen einer gutgemeinten Sache ein lähmendes Gewicht ange­hängt haben, so geschah es gerade auch wiederum hier. Neben den zeitgemäßen Reden vernünftiger Männer ließ der Unverstand aber­witziges Geschrei erschallen und seine Stimme war lauter, als die der Einsichtsvolleren.

Die Regierung hatte gegen den lärmenden Haufen das Militär anrücken lassen, solchem jedoch alles gewaltthätige Einschreiten unter­sagt. So standen denn Bürger und Krieger einander gegenüber und betrachteten sich gegenseitig mit Mißtrauen. Rechtschaffene Männer suchten zu vermitteln, die sich der Wirren Freuenden überschütteten dagegen jedoch wohlweislich aus weiter Ferne die sonst sehr geachteten Krieger mit Hohn. Aber zum Glücke wußten sich Letztere zu mäßigen und so wurde Unheil verhütet.

Da verlangte der Landesvater, daß eine Deputation ihm die Beschwerden vortragen sollte und als jene von sachkundigen Männern schnell ernannt war, verfügte sie sich in's Schloß.

Nicht lange, so kehrte sie mit der Willfahrung des Vorgetra- genen zurück unv wenn früherhin der Schloßpiatz von drohendem Geschrei erfüllt war, so erschallte derselbe jetzt von freudigem Jubel, der sich zu ungemessenem Jauchzen steigern, als der Landesvater endlich auf dem Balkone des Schlosses erschien und für die treue Anhänglichkeit an sein Haus mit wenigen herzlichen Worten dankte.

Unter wiederholten Lebehochs defilirten nun die Truppen am Schlosse vorüber und begaben sich in ihre Casernen, während die Bürger zwar noch eine Zeit lang auf dem Schloßplatze verweilten, dann aber allmählig zu den Ihrigen kehrten, um denselben die frohe Mähre von gänzlicher Beseitigung der Unruhen zu überbringen.

So wähnte man jede Gefahr glücklich vorübergegangen; aber dennoch trieben sich am Nachmittage lärmende Haufen in den Straßen der Residenz umher, deren wilde Fröhlichkeit ost von auögestoßenen Drohungen begleitet wurde.

Zwei bärtige Männer, älter der eine, jünger der andere, son­derten sich von einem dieser Haufen plötzlich ab und nahmen ihren Weg nach dem Stadtthore.

Herrlich, vortrefflich!" jubelte der Erstere,wie wir es haben wollen, so geht es. Zum Teufel auch mit ihren ganzen Ver- sassungsgeichichten! Was kann uns der Kram dann nützen? 6S ist doch weit bester, wir nehmen die jetzige Gelegenheit wahr und Morgen für uns. Unsere Jagdfrevler und Holzdiebe haben gleich angebissen. Lasse du mich aber erst einmal an die Bauern gerathen, die sollen den gnädigen Herren die Hölle noch beiß machen. Vor allen Dingen, lieber Henrich, nur mich nicht verrathen!"

Deine Bemerkung ist überflüssig, alter Brenno", entgegnete der Jüngere.Hätte ich dich mit hineinziehen wollen, so war mir dazu Gelegenheit genug gegeben. Allein ich weiß, daß es besser geht, wenn in einer Untersuchung einer allein ist. Zwei sind eine schlimme Sache; was der Eine nicht plaudert, verschwätzt der Andere und am Ende sitzen Beide fest. Also schwieg ich."

Bist ein prächtiger Bursche!" frohlockte der Aeltere.Aber sage mir nur einmal, wie du dem verdammten Loche entkommen bist?"

,,Jugendverbindungen!" antwortete Henrich, leichthin und sich in die Brust werfend.Man weiß sich interessant zu machen, um I etwas Liebes wagt ein Mädchen schon viel sehr viel!"

Um dich?" lächelte Brenno mit Zweifel in dem Blicke.

Um mich!" bekräftigte Henrich mit gewichtigem Nicken.Ein andermal mehr davon; denn siehst du da oben an dem Fenster jenes prachtvollen Hauses, an dessen Seiten Cypressen stehen? Da i muß ich jetzt hinein. Das soll ein köstlicher Spaß werden!"

Mit diesen Worten verließ Henrich seinen, ihm verwundert nachsehenden Begleiter und eilte nach dem bezeichneten Hause, hinter dessen einem Fenster die undeutlichen Umrisse einer reich geschmückten Dame sichtbar waren. Rasch zog er die Klingel. Ein alter, mit Silberborden galonirter Diener öffnete und blickte verwundert und staunend ans den Einlaß Begehrenden. Dieser aber stieß den Fra­genden bei Seite und eilte über die breite Treppe hinauf in's obere Stockwerk.

Mit kühner Hand klopfte er an eine Thüre, die er für die rechte hielt und auf LasHerein!" trat er festen Schrittes in daS geöffnete Zimmer.

(Fortsetzung folgt).

Was giebt es Neues?

Der Großfürst Thronfolger nebst Gemahlin haben Darmstadt wieder verlassen und sich vorerst nach Venedig und Wien begeben.

Das Mainzer neue Casino, dessen Mitgliederzahl mehr als 500 beträgt, ist polizeilich geschloffen worden. Polizeibeamte be­wachen die Eingänge.

Die Pfälzer Winzer, die zu zeitig ihre diesjährige Crescenz um 190 unv 200 fl. pr. Fuder abgaben, raufen sich jetzt die Haare, indem der Wein nun schon bis zu 380 fl. bezahlt wird.

Die Edinburgher Eisenbahn - Gesellschaft mußte neulich einem Reisenden, der wegen Zuspäteintreffens eines Zuges in seinen Ge­schäften Schaven erlitt und deßhalb gerichtliche Klage führte, Ent­schädigung zahlen.

Baron James v. Rothschild erhielt von S. M. dem Kaiser von Oesterreich das Comthnrkreuz dcö Ordens der eisernen Krone.

Die Güter, welche der Kurfürst von Hessen in Böhmen acgüi- rirte, haben die Summe von vrittehalb Millionen Gulden gekostet.

Pfälzischer Hopfen und Tabak der letzten Erndte sind sehr gesucht. Tabak besserer Qualität wird bis zu 25 fl. pr. Ctr. be­zahlt; für Hopfen werden ebenfalls gute Preise bewilligt.

Eine neuangestellte Berechnung ergibt, daß in Frankfurt durch­schnittlich pr. Jahr 10,000 Ctr. Kaffee und noch einmal soviel Zucker consumirt wird.

Den Aerzten und Wundärzten im Landgebiete der freien Stadt Frankfurt wurde aufgegeben, gewisse -Arzneien (ca. 33) für drin­gende Fälle stets porräthig.zu Halten.