M 16.

Beilage.

Auch in -em Aeitensturm die Frede.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung)

So hast du also nichts erfahren von dem Spuke des Burg- träuleins?" fuhr Dannberg fort, indem er dem Gespräche eine scherzhafte Wendung zu geben versuchte.

Sophie hat uns davon erzählt" Marnsteins Auge flammte und die Tante winkte.sonst weiß ich nichts davon."

Bei all seinem '.liigiütfe", fiel jetzt Manchem mit bitterem Tone ein,war der ®&«itgene doch zu beneiden. Er konnte rechnen auf Liebe und Treues

In dem Busen Theklas erwachte jetzt plötzlich jungfräulicher Stolz und Unwillen, daß der Geliebte ihr so leichthin mißtrauen konnte. Plötzlich gefaßt entgegnete sie :

Wie mancher Rechner täuscht sich, weil er die Zahlen nicht richtig erkennt."

Die Zahlen sind klar genug", versetzte Marnstein mit fort­währender Bitterkeit,und Zahlen täuschen nicht."

Der alte Dannberg blickte die Redenden verwundert an, dann entgegnete er mit ernstem Tone :

Was du auch sagen magst, meine Tochter, so hat der Vor­fall der entschwundenen Stacht dich eben so mißlaunig gestimmt, als hier vcn Herrn Baron, mit dem ich heute wieder schlechterdings nicht Übereinkommen kann. Ich hatte eigentlich beabsichtigt, Viesen Morgen ein Stündchen mit Euch angenehm zu verplaudern, dann bei dem heitern Märztage einen kleinen Spaziergang zu machen hinab in daö Thal, wo Alles geschäftig sich regt. Allein so wie die Sachen jetzt stehen, wird es besser sein, wenn wir vorerst uns trennen und abwarteu, bis auch bei Euch heiteres Wetter einge- rreten ist."

Er stieg aus und faßte Marnstein an der Hand.

Sie haben recht, die Trennung ist das Beste", sprach jetzt dieser scharf betont mit einem bedeutsamen Blicke auf Thekla.

Dieser fuhr die Rede, wie ein Dolchstich, durch das Herz. Sie wollte antworten; aber die Tante zog unbemerkt sie am Kleide und so schwieg sie. Wie aber die Männer gingen, konnte sie sich nickt überwinden, ihnen schmerzlich nachzublicken und wie die Thüre inS Schloß fiel, so sank auch sie der Tante erschöpft in den Arm.

Ich bin zu schwach, solch verwegen Spiel auszuführen", rief sie unter Thränen.Ein einzig Wort, aus treuer Seele zu ihm gesprochen, wird leicht das ganze Mißverständniß lösen!"

Eusebia bebte zusammen, faßte sich jedoch schnell :

Gieb ihm Gewißheit, daß du jenen Schritt gewagt hast, und du bist verloren für immer. Ja, wenn du die Thal zurücknehmen könntest! Doch auf die That läßt sich nur weiter bauen. So baue denn, aber mit Klugheit und Vorsicht. Noch weiß er nicht er kann nur ahnen und Ahnungen sind Träume, die sich verwischen lassen."

Noch manches Wort wurde zwischen Beiden gewechselt, bis endlich Eusebia das tief betrübte Mädchen auf ihr Zimmer geleitete, dann aber unter glcißnerischen Trostesworten schied, und mit raschem Schritte auf ihr eignes Zimmer eilte.

Hier riß sie das Fenster auf und ihr Auge voll dunkler Gluth fuhr suchend über Berg und Thal, bis endlich an dem Bache, wo die Mühle von Dorf Dannberg fernher klapperte, cs einen Ruhe­punkt fand.

DerZufall war mir günstig", rief sie voll muthigen Trium­

phes,und ich habe den kühnen Wurf gewagt. Noch rollen die Würfel, doch sie werden Glück mir bringen!" Eine sanftere Regung durchbebte sie und das wilde Feuer ihres Auges milderte sich.Es wird daS Herz ihr brechen! Aber" und Blitze zuckten wieder unter den Wimpernsoll denn das Meine zum Opfer auserkoren sein. Kampf um Kamps! Wehre dich Nichte; denn wie bei dir gilt es mein Alles und ich kann nicht mehr leben, soll ich nicht Siegerin sein!"

Sie setzte sich an den Flügel und die wilden Accorde, unter­mischt von sanften, klagenden Weisen, gaben ein treues Blld der stürmisch aufgeregten Seele.

' (Fortsetzung folgt).

Was giebt es Neues?

Am 26. October ist Se. Maj. der König von Hannover auf der Rückreise aus Würtemberg dahier eingetroffen und ohne Aufenthalt mit einem Ertrazuge der Main-Wescrbahn weiter gefahren.

Aus Oppenheim, Dienheim, Nierstein u. s. w. werden Bekanntmachungen erlassen, daß die Weinlese begonnen habe. Al­ler Orten hofft man auf einen 1848er.

Dem Vernehmen nach dürfte die Erhebung der Gemahlin des Kurfürsten von Hessen in den Fürstenstand demnächst erfolgen. Bereits bezeichnet man die Würde mit dem Titel einer Fürstin von Rinteln.

Am verflossenen Samstag kamen von Hanau die den verschie­denen Gemeinden abgeforderten Bürgerwehrwaffcn, auf 5 Wagen verpackt, auf vem Wege nach Kassel hier durch.

In der Stacht vom 21. auf den 22. October wurden einem Uhrmacher in Offenbach nahe an 70 ihm zur Reparatur überge­benen Uhren gestohlen.

Obergerichtsrath Hänersdorf, gegenwärtig in Marburg lebend, ist in Hanau zum Oberbürgermeister erwählt worden.

Uebcr den Gehalt der heurigen Frankenwcine hören wir, daß der Most von einem dem k. Aerare gehörigen Grundstücke 115 Grad, der von einem Weinberg des Würzburger Spitales sogar 119 Grad wiegt.

Freiherr Hans Christoph Ernst v. Gagern, als Schriftsteller und Staatsmann rühmlichst bekannt, starb am 22. d. M- auf seinem Landsitze zu Hornau. Er erreichte ein Alter von 87 Jahren.

Der Bruder des berüchtigten Wucherers Wolf besuchte kürzlich diesen im Gefängnisse zu Frankenthal und soll er ihm den Rath gegeben haben : sich verhungern zu lassen oder Kieselsteine zu ver­schlucken, er wolle dann für die Kinder sorgen. Durch diese Pro­zedur wäre die große Wucheruntersuchung auf einmal zu Ende und die in Frage stehenden 35,000 fl. gerettet.

Der Münchener Landrath hat die Wiedereinführung der Prügel­strafe, bei Raufercesfen, beschlossen.

Die gemeldete Rundreise des Prinz-Präsidenten im Norden Frankreichs reducirt sich auf einige kleine Ausflüge.

Gleichzeitig mit der Proklamation des Kaiserreiches soll, so geht ein Gerücht, von Froschdorf aus ein fusionistischcs Manifest erlassen werden. Auch sagt man, die nach dem 2. December erilirtcn Generale sollten zurückberufen, die Armee reducirt und eine kaiser­liche Garde errichtet werden.