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Auch der Tag nach dem Einzug Louis Napoleons war für Paris ein Festtag. Ungeheuere Menschcnstrvme bewegten sich hin und her, um noch einmal und recht behaglich die Triumphbogen u. s. w. zu beaugenscheinigen. Ganz besonders gefiel, daß der Prinz beim Einzug ca. 10 Schritte vor und hinter sich freien Raum hatte und so seine Person sich überall den Blicken des Volks darbot. In seinem Gefolge bemerkte man einen Mameluk, in der Kleidung Rnstan's, dem Diener seines Onkels.

In Meiningen wurde eine Frau, die mit ihrer jetzt 13 Jahre alten Tochter mehr als 30 Diebstähle begangen, zu 1 '/jährigem Gefängniß verurtheilt. Die Tochter, weil sie von ihrer Mutter gezwungen wurde, erhielt nur 14 Tage Hast.

Der alte Turnvater Jahn ist am 15. d. M. in Freiburg an der Unstrut im 74. Lebensjahre gestorben. Er war der Sohn eines Predigers zu Lanz in der Priegnitz.

In Breslau ivttrde ein Mo.U'c, dem das Portrait einer Dame, wegen Unähnlichkeit, zurückgeschickt worden war, -und er dasselbe mit der UnterschriftWegen Nichtbezahlung ausgestellt" in seinem Schaufenster aufhängte, zu 14tägiger Haft verurcheiit.

Am 10. d. M. stieg die Gräfin v. B. zu Paffy, bei Paris, aus der Diligence, um ihr Gepäck untersuchen zu lassen, und dann, ehe sie nach Hause ging, noch einen Besuch zu machen. Die sie begleitende Magd brachte das Gepäck nach Haus. Als die Gräfin kam, vermißte fle einen kleinen Eabas, welcher 50,000 Frcs. in Gold, eine bedeutende Summe in Bank-Obligationen, 15,000 Fr. 4 pCt.-Renten und mehrere Silbersachen enthielt. Die Polizei hat bis jetzt nichts entdeckt.

Das am 16. Sept, mit 400 Auswanderern von London nach New-Orleans abgesegelte Schiff Bhurtpore ist zu Grund ge­gangen. Fünf Personen fanden den Tod.

Aus Belgien meldet man, daß Antwerpen in aller Stille in besten Bertheidigungszustand gesetzt und ein bonapartistisches Com- plott sorgsam überwacht werde.

Die Wiener Zollconferenzen haben am 20. d. M. begonnen. Von Kurhessen ist geh. Legationsrath v. Meyer, von Bayern Mi- nisterialrath v. Hermann, von Hessen-Darmstadt Ministerialrath v. Biegelebe», von Nassau Obersteucrrath Scholz abgeordnet.

Bei Eisenach wurden durch das Schnauben einer daherbrau­senden Loeomotive eine weidende Rindviehheerde scheu. Drei dieser Thiere warfen sich auf den Zug und wurden von den Rädern zer­malmt. Durch Bremsen des Trains wurde weiterem Unglück ge­steuert.

In Tessenderloo (Belgien) explodirte am 10. d. M. ein Faß Pulver, wodurch ein Haus völlig zerstört und etliche Personen ge- tödtet, andere verstümiuelt wurden.

Wiesbaden zählte während der letzten Saison über 22,000 Kurgäste.

Den hessen-darmstädtischen Civilbeamten, die früher in Militär­diensten gestanden, ist nachträglich gestattet worden, einfache Schnurr­bärte zu tragen.

Ein französischer Botaniker will aus einer bisher ganz un­fruchtbaren Pflanze, Oegilops avita, vorzüglichen Waizen erzeugt haben. Es soll ihm nämlich gelungen sein, von diesem Unkraut Körner zu erzielen, welche dem Waizen vollkommen entsprechen und eben so nahrhaftes Mehl geben.

In Kürze werden zu Hadainar Redeinptoristen - Patres zu Abhaltung von Misstonspredigten erwartet.

Bei Mülheim am Rhein fand man kürzlich in 3040 Fuß Tiefe einen Backenzahn eines urweltlichen Elephanten. Dieß beweist von Neuem, paß auch die Umgegend von Cöln in der Urzeit Elc- phanteu halte und eine von der jetzigen total verschiedene kliinatische Beschaffenheit haben mußte.

Kaum sind die Klagen Über die Ueberschwemmungen im Elsaß und der Schweiz einigermaßen verstummt, so werden neue laut ; die Hochwasser in Kroatien, Slavonien, Kärnlhen re. richten enor­men Schaden an und fordern viele Menschenleben.

Kinkel wird diesen Winter in Manchester Vorlesungen über deutsche Literatur halten.

In Spanien wurde am 10. d. M., am Geburtstage der Königin, allen wegen politischen od.r Preß-Vergehen Gefangenen Amnestie ertheilt.

Zwischen Laibach und Cilli kam ebenfalls ein Eisenbahn­unglück vor. Gebirgswasser wälzten ein Felsstück auf die Bahn, worauf der Nacht-Güterzug stieß. Die Loeomotive sprang aus den Schienen, riß eine Mauer um und wäre sammt dem Zug in die angelchwollene Save gestürzt, hätte ein Cvnducteur nicht die Ver- bindungskette gelöst. Maschinist und Heizer blieben todt auf dem Platze.

Abd - el - Kader soll freigelaffen, refp. nach Brnssa, einer Stadt von 50,000 Einwohnern in Kleinasien gebracht und dort internirt werden. Ludwig Napoleon hat die Freilassung auf der Reise durch Ambosse genehmigt.

In Lyon hat die Polizei eine geheime Pulverfabrik entdeckt und den Inhaber verhaftet.

Die Kaninchenzüchter ans Ostende wollen um Herabsetzung des Zolles petitioiiiren. Sie liefern jetzt allwöchentlich 5 0- bis 10 0,000 Kaninchen nach London, wovon stch dort ca. 100,000 Menschen nährey, würde der Zoll aber gänzlich aufgehoben, so könnten sie dreimal so viele Kaninchen liefern und dreimal so viele Hungrige fälligen.

lieber die letzte Leipziger Messe herrscht nur ein Urtheil : daß sie eine mittelmäßige war. Von vielen Artikeln war großer lieber: fluß am Markte. -

Außer den preußischen ist nun auch den Handwerksgesellen aus mehreren anderen deutschen Staaten das Reisen in der Schwei; untersagt. Man glaubt, daß in Kurzem alle deutschen Bundes­staaten dieses Verbot erlassen werden.

Ain Abend des 18. Octobers brannten auf allen Höhen des Thüringer Waldes Freudenfeuer.

Der franz. Senat ist auf den 4. November einberufen. Er­folgt von demselben ein der Gründung des Kaiserreiches günstiger Ausspruch, so wird die Aenderung der Staatsforin der Gutheißung des Volkes unterlegt.

IN iscellen.

Zur Warnung wird Folgendes mitgetheilt : Zwei Wirths- töchter in Berlin nahmen, an heftigen Zahnschmerzen leidend, ihre Zuflucht zu einem vielfach augewendeten sympathetischen Mittel; es steckte nämlich jede ein Stückchen sogen.Elephantenlaus", (große, fast nierenföi mige Steinfrucht) in das Ohr. Kurze Zeit darauf schwollen nicht allein die Köpfe, sondern auch die übrigen Körper- theile der beiden Mädchen in unförmlicher Weise an und mit einer mehrwöchentlichen sehr schmerzhaften Krankheit mußten sie diesen unberufenen Heilversuch büßen. Die Frucht war noch frisch und der in der Schaale enthaltene Saft scharf ätzend.

Zu La Carolina, in der deutschen Colonie in der Sierra Morena in Spanien, starb am 30. v. M. der letzte der dorthin ein- gewanderten Deutschen. Er hieß Paul Firminich, wurde 121'/ Jahre alt und zog int Jahre 1774 aus Maischoß, im Ahrthale, mit feiner Frau und 8 Kindern nach Spanien. Er war 22inal Alcalde feines Ortes, hatte feit 16 Jahren Gehör und Sprache verloren, war aber geistig noch ziemlich rüstig, nahm seit 30 Jahren nur Honig, Brod und Wasser zu stch und war der einzige in Spanien lebende Mann von über 100 Jahren.

Druck unv Verlag der G. D. Brühl'schen Buck- und L-teindruckerei.