28

Bei einem Bankette, welches die Handelskammer von Bor- deaur dem Prinz-Präsidenten gab, erwiederle dieser auf einen Toast des Vorsitzenden u. A. : Um das Wohl des Landes zu schaffen, ist es nicht nöthig, nach neuen Systemen zu greifen, sondern vor allen Dingen Vertrauen in die Gegenwart, Sicherheit für die Zu­kunft zu geben. Das ist es, warum Frankreich zum Kaiserreich zurückkehren zu wollen scheint. Nichtsdestoweniger gibt es eine Besorgnis;, auf welche ich antworten muß. Aus dem Geiste des Mißtrauens sagen manche Personen : das Kaiserreich ist der Krieg. Ich, ich sage : das Kaiserreich, das ist der Frieden. Es ist der Frieden, denn Frankreich wünscht denselben, und wenn Frankreich befriedigt ist, dann ist die Welt ruhig. Die Rede, die oft durch die lebhaftesten Beifallsbezeugungen unterbrochen wurde, machte überall große Sensation. An der Börse stiegen die Fonds k. bedeutend.

Die königl. preuß. Gesandtschaft bei der Eidgenossenschaft fordert mit Erlaß vom 8. October alle preußischen Handwerksgesellen in der Schweiz auf, binnen vier Wochen in die preußischen Staaten zurück zu kehren und zu diesem Zwecke ihre Pässe auf ihrer Kanzlei in Bern viferen zu lassen. Als Grund deS Befehls werden die verderblichen Bestrebungen gewisser Arbeiterverbindungen in der Schweiz" angegeben.

Am 10. Oktober erhielt die um Carlsrubc gesammelte badi­sche Armee ihre neuen Fahnen. Ein Feld-Gottesdienst wurde ab- gehalten, hierauf von kath. und evang. Geistlichen die Fahnen ge­weiht und diese sodann den Bataillons übergeben.

Es gibt gegenwärtig kein Land in Europa, wo das Volk so billig Brod ißt, als in der Walachei, indem der L^Pfd. schwere Laib Weißbrod nur 4 fr., und von schwarzem Brod nur 3 fr. fostct.

Aus der Pfalz meldet man gute Preise für den jungen Wein. 1000 Liter Most von den besseren Haardtlagen werden von 130 bis zu 400 fl. bezahlt.

Unter Aufsicht des Gouvernements werden jetzt zu Paris in den verschiedenen Quartieren der Arbeiter 25 große Bazars einge­richtet, wo alle Spezereiwaaren, Salz u. s. w. zu einem bestimmten, aber möglichst geringen Preise zu haben sind.

Man hatte in Hüll zu Anfang dieses Jahres darauf gerech­net, im Durchschnitt 1000 deutsche Auswanderer pr. Monat zu crpediren. Jetzt stellt es sich heraus, daß die Agenten sich ver. rechnet haben. Es kamen nämlich seit Januar bis jetzt über 15000 Deutsche durch Hüll, somit an 6000 über die veranschlagte Zahl.

Lucian Napoleon, der glückliche Spieler, soll den Armen Homburgs 25000 Frcs. und dem ihn bedienenden Kellner 50 Na- poleonsv'or geschenkt haben.

Die Eröffnung der Bahnstrecke von Schweinfurt nach Haßfurt ist auf den 1. November verschoben.

Es sollen auf dem Wege von Helstngör bis Stettin 14 Schiffe in den letzten Tagen verunglückt sein.

Louis Napoleon ist nach Nochefort unterwegs.

Am 14. October in aller Frühe (4 Uhr) flog die neue Holz­hütte des Herrn Gerlach, auf der Insel am Untermainthor bei Frank­furt a. M., mit einem fürchterlichen Knall in die Luft. Es waren in derselben zu dem bereits eingetretenen Herbste verfertigte Feuer- werkssachen aufbewahrt.

In der Porcellanfabrik zu Sevres wird für Ludwig Napoleon ein vollständiges Tafelservice mit den kaiserlichen Wappen angefer­tigt. Der eben erschieneneAlmanach der Präsidentschaft" für 1853 zeigt an, daß er für 1854 alsAlmanach des französischen Kaiserreichs" erscheinen werde.

Im Waterkloof dem Hauptnest der Kaffem unter Ma- como hat man Gvldstaub gefunden. Bestätigt sich's, daß auf dem Kn" ein neues Californien ist, so sind die Folgen unberechenbar.

Druck unv Verlag ver G. D. Br

Jago de Cuba, nach Havanna die größte Stadt der Insel, wurde Ende August tmrd) em Erdbeben gänzlich zerstört.

Die überländische Post brachte über Triest die Nachricht, daß 9000 Mann englische Truppen bei Herat, an einem persischen Meer- busen, ausgeschiffk wurden, muthmaßlich um die Selbständigkeit Herats zu schützen.

In Paris wurden am 9. d. M. neun Somnambulen zu Geld- und Kerkerstrafe verurtheilt, weil sie ihre Träume rc. dem Publikum mitgetheilt und verkauft haben.

Noch immer gehen Hiobsposten über die Folgen der letzten Herbststürme ein. Ein Dampsschiffkapilain, der von Riga kommt, will allein bei Bornholm 17 große»e Schiffe auf dem Strande gesehen haben. Rheder und Affecuranzen sind sehr niedergeschlagen.

Es kommen immer häufiger unter unfern Vereins - Gulden holländische Guldenstücke vor, welche kleiner als jene und um 5 fr. das Stück weniger werth sind. Im gleichen Verhältnisse ist der Werth der holländischen % und 2% Guldenstücke. Man warnt das Publikum vor der vollen Annahme dieses fremden Geldes. Wie man sagt, haben die Holländer mehrere Millionen unserer Gulden eingeschmolzen.

In Darmstadt brannte vor einigen Tagen ein Haus und eine Scheune nieder.

Der Großfürst Thronfolger von Rußland nebst Gemahlin weilen gegenwärtig am Stuttgarter Hof.

Auf dem Jura find am 2. d. M. drei Kinder, welche Ziegen weideten, vom Schnee überfallen und erstickt worden.

Seit dem 7. October Abends bis zum 8. Morgens Hai es zu Freiburg in Schlesien stark geschneit. Straßen und Dächer, so wie die Berge, sind mit dichtem Schnee belegt.

In Bordeaur hatte ein jüdischer Kaufmann sein Haus mit den Worten Christi geschmückt :Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!"

Ebendaselbst wurden Ludwig Napoleon n. a. Deputationen auch eine aus der Seegegend La Teste, aus Mädchen bestehend, vorgestellt, die ihm die Erzeugnisse ihrer Heimath: Austern, Fische, Honigwaaren rc. Überreichten. Auf ein Compliment der Sprecherin erwiederte der Prinz :Mademoiselle! Sie sind selbst das schönste LandeSproduct; ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!" Sprack's und holte der Schönen eine sehr prachtvolle Nadel aus seinem Cabinet. Monseigneur", antwortete das Mädchen,ich bedurfte dieses Juwels nicht, um Ihr Andenken zu bewahren; Ihr Bilvniß wird stets in mein Herz eingegraben bleiben!

In Düsseldorf wurde ein Deutscher (seines Standes ein Bar­bier) , welcher aus Amerika kam und dort preußische Thalerscheine fertigen half, sammt einem seiner Mitschuldigen verhaftet.

! ___ Bei der badischen Armee ist jetzt eineUnteroffiziersgarde"

errichtet, in welcher alte Oberfeldwebel und Oberwachtmeister ein-

' treten und in Bet sie außer Montur und Armatur jährlich 500 fl.

! Gehalt beziehen.

Louis Napoleon wird, wie officiell angekündigt tst, am 16. B. M. in Paris einziehen. Alle weltlichen und geistlichen Behörden : werden zum Empfang bereit sein. Im Bahnhof ist ein Mustkkorps von 300 Mann aufgestellt. Von einem der Triumphbogen werden zwei Mädchen, den Ruhm darstellend, mit Eichen- und Oelblätter- Kränzen herniederschweben, vierzig andere weißgekleidete Mädchen streuen Blumen. Ueberall werden große Zuschauertribunen gebaut, die Häuser verziert rc.

In Belgien wurde kürzlich auf der Strecke von Cretl nach i St. Leu ein Mann verhaftet, der einen großen Stein auf die i Schienen legte, um, wie er nachdem eingestand, einmal in seinem I Leben das Schauspiel eines Eisenbahn-Unglückes vor Augen zu haben.

Bürgermeister Henkel ist nach verbüßter Festungshaft von Spangenberg wieder in Cassel eingelroffeu. _______________

ü h l'schen Buch - und Sleindruckem.