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Beilage.
Auch in -em Aeitenfturm die Liebe.
Novelle aus dem Frühjahre 1848.
(Fortsetzung )
6. Verderblicher Rath.
Eusebia saß bei Thekla auf dem Zimmer und vor beiden dampfte aus den vergoldeten Tassen der Kaffee. Erstere blickte dann und wann unruhig und neugierig in den Schloßhof, Thekla dagegen schlug mit bleichen Wangen das tiefliegende Auge zu Boden und wagte nicht zu antworten, wenn die Tante das Wort an sie richtete.
Die Kammerzofe Sophie, ein rasches munteres Mädchen, trat jetzt herein. Ihr lebendiger Blick fiel auf das Fräulein und als sie deren Trübsinn bemerkte, schütielte sie besorgt und theilnehmend den Kopf. Plötzlich aber, wie von einem zugeflogenen Gedanken angeregt, legte sie ihr Gesichtchen in heitere Falten und begann mit scherzendem Tone:
„Die Katastrophe der beuligen Mitternacht brachte uns gegen Morgen noch ein lustiges Nachspiel. — Herr Baron von Marn- stcin —" sie verbeugte sich mit anspielender Grazie gegen Thekla — „hat uns mit einem Hülfe verheißenden Besuche erfreut. — Für die Sicherheit unseres Gefangenen, des schönen, aber — “ sie fuhr mit der Hand vor der Stirn herum — „überspannten Herrn Heinrich kam er indessen zu spät: denn dieser hat sich heute Nacht, ohne Abschied zu nehmen, davon gemacht."
„Davon gemacht?" rief Eusebia und ibre Augen funkelten. „Wie war dieß möglich?"
„Das Burgfräulein soll ihm durchgeholsen haben", entgegnete Sophie unter ironischem Stirnrunzeln und gewichtigem Lächeln.
„Mein Gott", rief die Tante, „Thekla, wie du noch bleicher wirst! Es ist ja von der fabelhaften Erscheinung die Rede."
„Ei freilich", fügte die Zofe verwundert bei. „Sie wissen ja, welche Geisterseher und Herenbanner unsere Waidmänner find. Ein Jäger des Herrn Baron von Marnstein will sogar dieses Mal das Burgfräulein bis vor dem Grabengitter in der Nähe der Schwarztannen gesehen haben."
Thekla zitterte und fiel Eusebien in den Arm. Diese wurde aufmerksam und heftete den prüfenden Blick auf die höchst verlegene Jungfrau, die sich in ihren Armen wie verbergen wollte.
„Gehe doch mit deinen dummen Geschichten", herrschte sie jetzt die betretene Zofe an. „Du siehst, wie unangenehm deine Erzählung meine Nichte berührt und demungeachtet kannst du deine schwatzhafte Zunge nicht zähme» ! — Entferne dich an deine Arbeit."
Das Mädchen machte ein kleingläubiges Gesicht und ging.
„Thekla", begann jetzt die Tante mit rheilnehmender, aber ernster Warnung, „es geht etwas in dir vor, was dein ganzes Wesen mächtig ergreift. Schweigen wird dich verzehren, Mittheilung aber erleichtern. Willst du der Freundin nicht vertrauen?"
Das Mädchen zauderte. Sie kannte Eusebia's Gefallen an Marnstein und deren rasches, leidenschaftliches Wesen. Aber ihr Herz war zu voll, ein Ueberfließen desselben dringendes Bedürfnis;, auch mochte ihr sanftes gutes Gemüth, das stets das Beste von Andern glaubte, der blutsverwandten Freundin nichts Arges unterlegen und so entfloh der bebenden Zunge das in dem Busen still verborgene Geheimniß ihrer Neigung zu Marnstein uud des gewagten nächtlichen Werkes ihrer kindlichen Liebe.
„Ihr liebt euch!" rief die Tante und ein, dein Mädchen sonderbar flirrendes, Feuer strömte aus ihren Augen.
„Ich kann es nicht bergen", entgegnete Thekla und leise Röthe
flog über ihre bleichen Wangen, „eS hängt mein Herz an ihm für alle Ewigkeiten!"
Eusebia durchmaß das Zimmer mit raschen Schritten. Gedanken und Entwürfe stürmten durch ihr Gehirn und fieberhaft jagten sich ihre Pulse. Theklas Auge folgte ihr bittend. Sie hatte der guten Tante zuviel gethan, wie könnte sonst dieselbe so lebendige Theilnahme ihr widmen?
Endlich ward die Letztere ruhiger. Den Kopf gesenkt, das Auge unter den schwarzen Wimpern aufwärts gerichtet, trat sie auf Thekla hinzu und faßte deren Hand.
„Du hast mir früherhin einmal vertraut, daß Henrich bei den Kinderspielen dich immer ausgezeichnet habe Marnstein kann dieses wissen und bedenke, wenn er jenes und das, was heute Nacht du gewagt, zusammenhält! — Wird er den abenteuerlichen Streich für ein Erzeugniß heißer kindlicher Liebe und übergroßer Besorgniß für den Vater halten? — Nicht dein Herz befrage, dein sonst so klarer Verstand soll mir die Antwort geben. — Du wirst aufs Neue bleich — siehst du, so sprechen sich deine Befürchtungen durch dich lelber aus. Du hast die qualbringenden Furien der Eifersucht und des Mißtrauens für ihn heraufbeschworen und wirst ein treuliebendes Herz verlieren!"
Thekla blickte starr auf die also redende Eusebia, daun fiel sie unter heißen Thränen auf das Sopha.
(Fortsetzung folgt).
Was giebt es Neues?
— Aus Mainz schreibt man vom 7. October: Wie sonderbar oft der Zufall mitspielt, davon hatten wir dieser Tage hier einen recht pikanten Beleg. Als nämlich am 3. d. Mts. Abends verschiedene Abtheilungen k. k. österreichischen und k. preußischen Militärs mit den resp. Musikchören in Castet sich aufgestellt hatten, um den erwarteten König von Hannover bei seiner Ankunft gebührend zu begrüßen, ließ sich in der Dunkelheit ein rheinaufwärts fahrendes, mit Flaggen bedecktes und durch Laternen erhelltes Dampfboot erkennen, worauf alsbald der Donner der Kanonen erscholl und Alles sich bereit hielt, den König bei der Landung zu empfangen. Das Schiff landete, und siehe da: ihm entstieg nickt der König von Hannover, sondern die ehrwürdige Wittwe des verstorbenen Königs Louis Philipp und ihr berühmter Sohn, der Sieger von Tanger und Magador, der Prinz von Joinville, welche einen so solennen Empfang in einer deutschen Bundesfestung wohl schwerlich erwartet hatten. Unmittelbar nach der Landung verfügten sich die erlauchten Reisenden in das „Hotel Barth" und trafen daselbst den ehemaligen Präsidenten der römischen ronstituirenden Versammlung, den Vetter des Präsidenten der französischen Republik und Besieger der Homburger Spielbank, Lucian Prinzen von Eanino. Welches Mißverständnis; und welche Begegnung! Da bei der Ankunft des Prinzen v. Joinville bereits alles Pulver verschossen worden war, l'fo hatte man sogleich nach neuem geschickt, welches auch noch zeitig genug einlraf, um bei der endlich erfolgenden Ankunft des Königs von Hannover nachträglick wirken zu können
— Außer dem Triumphbogen auf der Austerlitz - Brücke, der bei der Rückkehr deS Prinz-Präsidenten in Paris autgeführt sein wird, haben u. A. auch die Arbeiter eines neuen Kunstreiter-Circus nach- | gesucht, in dessen Nahe einen weiteren Triumphbogen errichten zu : dürfen.


