M II Beilage.

Auch in dem Keitenftnrm die Liebe.

Novelle aus dem Frühjahre 1848.

(Fortsetzung)

Noch oftmals wiederholle er die Worte in leisem Murmeln und schwächer dann und immer schwächer, bis sich sein Auge zu umdüstern begann und der gereizte Augenstern der Erde Bilder, von der Nacht umtaumelt, nicht mehr in sich saugen wollte. War cs der Schlaf, war er es nicht? Bewußt- und theilnahmlos sank er zurück, doch in dem Innern des Gehirns brannte lichterlohes Feuer und verzehrte die Kühle, wenn sic erquickend um die Stirne ihm sich schlingen wollte.

Die Winternacht war hingeeilt bis zur zweiten Stunde und von der Schloßuhr zitterte noch der leise Glockenschlag durch die Stille, da warf der Gefangene sich auf die Seite seines Lagers und strich die Haare von der Schweiß benetzten Stirne, als ob er die wilden Gebilde, die erbarmungslos im Schlafe ihn gehetzt, dort verwischen wollte. Und wie sein Auge auf der kleinen Kcrkerthüre absichtslos verweilte, da war es ihm, als ob der Riegel klirrte.

Er richtete sich empor und horchte, sich zu überzeugen, ob nicht ein wiederholtes Zerrbild ihn äffen wollte; aber deutlicher und er­kennbarer traf der leise klirrende Ton sein Ohr und wie er ange­strengt und ängstlich schaute, so regte sich auch die Thüre und es trat mit unhörbarem, leichtem Fuße herein eine Fraucngcstalt, in weite Gewänder gehüllt und das Haupt dicht umschleiert.

Starr wurzelte sein Auge auf der nächtlichen Erscheinung, die jetzt die faltenreichen Gewänder leise rauschend bewegte, und mit der Hand langsam und bedeutungsvoll winkte, die Stelle zu verlassen.

Wer bist du", rief er nun mit metallloser, heiserer Stimme aus,daß du herabsteigest in die Höhle, wo das Elend nistet und die Welt ihre eigene Verworfenheit und Schande vor dem Rächcr- auge verbirgt?"

Keine Antwort, nur leises Seufzen stahl sich aus der Ver­hüllung und die Gestalt wendete sich, wie in Bewegung, auf die Seite. Bald aber hob sie abermals den Arm und wiederholte ihr bedeutungsvolles Winken.

Ich soll dir folgen?"

Die Erscheinung neigte bejahend das Haupt.

Und wer bürgt mir dafür, daß deine Schritte nicht in's Ver­derben führen?"

Die Gestalt schritt zurück, heftete das verschleierte Antlitz wie betreten auf den Fragenden, dann legte sie die Hand auf das Herz.

Du willst mich befreien?"

Das verhüllte Frauenbild öffnete rasch die Thüre.

Ich habe die Hefe des Lebens bereits gekostet und die Zukunst vermag nur Besseres mir zu bieten. Warum sollte ich also zagen? Vorwärts, ich folge dir !"

Rasch wendete sich jetzt die Gestalt und schritt geräuschlos durch die Kerkerthüre auf den engen Gang, den daö Mondlicht undeutlich erhellte. Henrich folgte mit vorsichtigem Tritte und laut pochendem Herzen, erwärmt von dem Strahle der Hoffnung und durchbebt von dem Spukhaften der Führung. So ging es hinauf über die enge Wendeltreppe, unaufgehalten, von keinem Wächter belästiget und überall öffneten sich gehorsam die verschlossenen Pforten.

Der stillen Brücke entlang war er der Führerin gefolgt und von dem frischen Schneewinde umspielt, betrat sein Fuß die Außen­seite des Grabens, wo noch das letzte Gitter seine Flügel auf­sperrte und ihm die vollste Freiheit gewährte.

Die Gestalt hemmte ihren Schritt und deutete nach dem nahen Fichtenwalde.

Wer du auch sein magst, Unbekannte, ich danke dir. Doch soll ich nie erfahren, wer dem Unglücklichen solchen Antheil ge­widmet hat?"

Die Befragte schüttelte verneinend das Haupt und winkte ab­wehrend mit der Hand.

Henrich blieb sinnend stehen. Hoffnungen, die er leise und verstohlen früher nährte, und die er kaum sich selbst zu gestehen wagte, blitzten ein trügerisches, neckendes Feuer.Wenn sie es wäre? Wenn sie, entschlossener als du, kund gäbe das ver­schwiegene Leben des Herzens? Und du zagst noch und hast nicht den Muth, ein Gleiches zu wagen?"

Und abermals und dringender winkte die Gestalt zur schleu­nigen Entfernung, aber Henrich trat mit kühnem Entschlüsse auf sie zu und faßte krampfhaft die winkende Hand :

Soll ich mein Glück nur ahnen, ihm nicht auch inS offene Auge sehen? Halber Genuß ist Qual! Parum verlasse ich dich nicht, Du zeigest mir denn das holde Antlitz, das mir die Seligkeit in feenreicher Wahrheit lächelt!" , '

Das Frauenbild wollte entfliehen, er aber schwang rasch seinen kräftigen Arm um den schlanken Leib und zog es näher zu dem Dunkel der schwarzen Fichten.

Barmherzigkeit!" flehte die Ergriffene und hob den Arm zu dem Himmel. Da wich treulos die Umhüllung von dem Haupte und der Mond spiegelte sich in einem schmerzerfüllten Auge.

Ungestüm preßte er jetzt die Flehende an die wild pochende Brust, doch wie er die Retterin weiter in des Waldes Dunkel zerren wollte, so wurden Schritte laut, die über gefrorne Wurzeln knarrten und Stimmen riefen verstohlen und leise.

Da ließ Henrich ab von seinem frevelhaften Beginnen und eilte, von der drohenden Gefahr erschreckt, flüchtig zur Thalschlucht, das Frauenbild aber huschte mit gespensterhafier Schnelle zurück zum Schlosse. (Fortsetzung folgt.)

Was giebt es Neues?

Die Manöver der Gr. Hess. Truppen haben am 20. Sept, bei Seeheim begonnen und erstrecken sich nach dem Frankenstein und durch das Mühlthal bis Oberramstadt.

Die neuliche Berliner Depesche wird dahin berichtet: Preußen habe nur die genannten Staaten geladen, es sei aber unrichtig, daß es erklärt, mit den andern nicht mehr verhandeln zu wollen.

Die weitere Reise des Prinz-Präsidenten von Frankreich ist von denselben Resultaten begleitet, die wir bereits zu Anfang des­selben berichteten. In Moulins wurden so viele Kränze und Blumen in und um den Wagen geworfen, daß die Pferde kaum fortkommen konnten. Unaufhörliche Rufe :Es lebe der Kaiser!"

Auch bei München regnete es so anhaltend, daß das Militär wahrscheinlich das Uebungslager nicht beziehen kann.

Der Luftschiffer Poitevin war in London der Tierquälerei angeklagt, weil er mit einem Pony aufgestiegen. Er wurde frei­gesprochen. Seine Frau aber, die alsEuropa" auf titiem jungen Stiere in die Luft fuhr, mußte 5 Pf. St. Strafe zahlen, weil der Skier, welches eigentlich eine junge Kuh war, so übel zur Erde kam, daß er todtgeschlagen werden mußte.Eraminer" fragt mit ächt englischer Derbheit, wer hier eigentlich die Bestie sei?!