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find?, böse Beispiele zu sehe». Selten war er dort gesehen worden, als Aurel aber fort war, ließ er sich nie mehr blicken, worüber die Corbins nicht böse wur­den; denn seine Gesellschaft war in keiner Weife er­freulich und seine plebejische» Gewohnheiten mit den Sitten der reichen Familie schwer zu vereinbaren.

Er saß zu Hause, trank Halbbier, wickelte sich sei­nen dürren Leib in den schmutzigen Schlafrock, ge­wöhnte sich das Tabackrauchen ab, weil es zu viel kostete und rechnete dafür um so eifriger in seinen großen Büchern, während Aurel in den Einöden des hohen Nordenö oft von der Sehnsucht nach der Hei- uiath geplagt wurde, die er vergebens abzuschütteln strebte. Immer hoffte er auf Nachrichten von einem der Freunde, aber die Winter und die Sommer ver­gingen seine Briefe blieben ohne Antwort und als Die Zeit sich nahte, wo das Versprechen der Drei, sich wieder zusammeuzufinden, erfüllt werden sollte, fühlte er nur geringes Verlangen danach. Sie haben mich vergessen in ihrem Glücke, sagte er, und was würde ich finoen, wenn ich wirklich mein Wort erfüllte? Ri­chard und Johanna in kriegerischer Ehe oder diesen Leichtsinnigen bekehrt und zu den Füßen seiner Gebie­terin. Gleichviel, ich sehne mich nicht, weder seinen Triumph noch seine Niederlage zu schauen und bleibe hier, schon darum, weil ich nicht fort kann.

Aber er blieb nicht, denn als der Winter schon den Schnee hoch aufgehäuft hatte, empfing er einen Brief, der ihn plötzlich bewog, die Reise nach Haus, trotz aller dieser Hindernisse sofort anzutreten. Sein Onkel war tobt. Man hatte ihn eines Morgens als Leiche an seinem Schreibepulte sitzend gefunden. Sein Nachlaß war versiegelt worden, die richterlichen Be­hörden hatten Haus und Wohnung geschlossen, jetzt forderten sie den Erben zur Rückkehr auf und dieser reiste mit solcher Eile Tag und Nacht, daß er wirklich am Sylvesterabend, als die Uhr fast die Mittcrnachts- stunde zeigte, durch das Thor der Stadt fuhr, wo er in einem Gasthofe vorläufig sein Unterkommen suchte.

Was Aurel zu dieser Anstrengung aller Mittel trieb, um sein Wort zu erfüllen, leugnete er sich selbst ab, als er sein Ziel erreicht hatte und nun in die Straße hinausstarrte, an deren Ende das Haus des Präsidcntcu lag. Auf seinem langen Wege hatte er sich zahllose Vorstellungen von den Verhältnissen gemacht, die er treffen und von der Ueberraschung, welche iein plötzliches Erscheinen verbreiten würde. (Forts, folgt.)

Gemeinnütziges.

Das Stutzen der Aepfel und Birnbäume im August, um ihre Tragbarkeit zu erhöhen.

Das Verfahren besteht darin, daß von Mitte bis

Ende August von jedem während des Sommers ge­wachsenen Reise 34 Zoll abgeschnitten oder, zwischen Messer und Daumen gefaßt, abgebrochen wer­den, eine Operation, welche für den jungen Baum eiue sehr kurze Zeit erfordert; dann muß inan aber- später im Herbst oder im zeitigen Frühjähr von den nngestutzten Reisern zwei Drittel bis die Hälfte weg­schneiden, so daß sic etwa noch eine Länge von 4 6 Zoll behalten. Sollte es vorkommen, daß ein am obern Enve des eingestutzten Auges austreibe, so wird dieser Schößling im Frühjahr weggeschnitten.

Das Verfahren hat sich durchaus bewährt.

Leihgestern Man bringt dem hiesigen Publi­kum hiermit zur allgemeinen Keunlniß, daß dem verehelichen demokratischen Verein dahier, am gestri­gen Abend das hohe Glück zu Theil wurde, eine nicht mindere Anzahl frei liebend gesinnter und aus­gezeichneter Volksfreunde auS hiesiger Gegend in ihrer Mitte zu sehen, unter welchen bekanntlich Seckel Goldschmidt, Johannes Schmelz von Kroßen- linden, Ludwig Kratz von Kleinlinden, die Herren Studiosen rr. Hillebrand, August Becker und andere mehr auS Gießen waren, unter welchen lehterer eine begeisterte Rede hielte, in welcher er bezüglich der Bewaffnung des hiesigen Vereins durch Feuer­gewehre so nachdrücklich hervorgehoben, daß er den nicht bemittelten die Veräußerung von Grundeigen- thutn zur Erreichung des Zwecks empfohlen haben soll. I. P. L.

Leihgestern am 29. Januar 1849. 163)

Sonett.

Der Frühling floh, verstimmt sind meine Saiten;

Der Wind weht über's öde Stoppelfeld;

Ob meine Linke auch die Leier hält, Kein froher Genius will mich geleiten.

Nur Nachtgestalten, die mich ernst umschweben Beherrschen mich und meine Phantasie, Beengen mir die Brust als sollte nie

Das Herz sich mehr im frohen Sange heben.

Doch wird der Frühling wieder mich entzücken, Wenn wieder Veilchen rings umher erblühn

Und Nachtigallen uns ihre Grüße bringen.

Dann will ich dich, o Leier wieder schmücke», Da»n sollst du klingen wo die Schwerter glüh»,

Und glühen sollst du wo die Schwerter klingen!

F. H ü n c.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.