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„Ich; weiß was Sie denken," fuhr sie fort und ihre Augen öffneten sich weit und nahmen einen sonderbaren stieren Glanz an, während sie langsam den Kopf wandte. „Einer fehlt uns, nicht wahr? So glaubt Ihr und doch ist er unter uns. — Ihr seht ihn nicht, aber ich sehe ihn. — Dort sitzt er auf dem Sessel, die Füße gekreuzt, die Arme über die Brust geschlagen. Er hat den Hur in seine Stirn gedrückt und schlägt seinen schwarzen Mantel über Vas falsche Herz. Seine Lippen bewegen sich, er lacht. — Er sendet seinen Geist her, weil sein Körper nicht hier sein kann und er spottet darüber. Traut ihm nicht, er betrügt Euch — Aurel, trinken Sie nicht mit ihm, fort mit dem Glase, nehmt es nicht — er vergiftet Euch."
Sie stand mit ausgestrecktem Arme vor Aurel, der der aufs heftigste erschreckt sie festhielt, während Eduard zur Hilfe herbeisprang. Wahrscheinlich stieß einer von ihnen an das Glas, das leer auf dem Tische stand, es fiel und zersprang in Stücke, und als die Scherben klirrens zu Boden stürzten, schallte ihnen ein Lachen nach, das gewaltsam unv dumpf sich aus der Brust der Kranken preßte.
„Um Gottes Willen, Johanna," rief ihr Bruder, „erwache aus diesen gräßlichen Träumereien. — Es ist eine Art Starrkrampf, der sie peinigt," fuhr er zu Aurel gewendet fort. „Sie kann nicht schlafen, und sieht, während ihre Glieder steif werden wie Eisen, Gestalten und Gebilde , mit denen sie Gespräche führt."
„Ich kann mir denken," erwiedertr Aurel, „daß der heutige Tag mit seinen Erinnerungen das Nebel steigert und ihre Phantasie ausschließlich sich mit der Ursache ihrer Leiden beschäftigt."
„So ist es leider," sagte Eduard. „Wir müssen diesen schrecklichen Zustand der Welt verbergen, so viel es angeht und glücklicher Weise sind die Anfälle jetzt seltener geworden." Er hielt den starren Körper der jungen Dame aufrecht, fast in derselben Stellung, und mit den schmerzlichsten Empfindungen betrachtete Aurel das edle zu Stein erstarrte Gesicht, während seine Thränen langsam auf ihre Hände fielen, die er vergebens zu erwärmen suchte
„Soll ich Hilfe herbeiholen?" fragte er endlich.
„Nein, mein Freund," erwiederte Corbin, „Niemand kann hier helfen. — Verlaß uns," fuhr er fort, „ich werde Dich Morgen aufsuchen und renke, Johannas Zustand wird uns erlauben Dich bei uns zu sehen. Ich bitte Dich, gehe nach Hause u»d erhole Dich Gefahr ist nicht vorhanden und Du bedarfst der Ruhe wie wir Alle."
(Forts, folgt.)
Gemeinnütziges.
(E i n g e s e n d c t).
Zu den besseren Anstalten, welche die letzten Jahre hervorgerufen haben, gehört der in hiesiger Stadt vor nunmehr eilf Jahren errichtete Krankenunterstutzungs-und Srerbekaffe-Berein, und man kann mit Bestimmtheit behaupten, daß derselbe eine der zweckmäßigsten Anstalten ist; denn nicht allein gewährt derselbe feinen Mitgliedern bei einem Todesfälle die nöthigen Beerdigungskosten, sondern er verschafft auch bei Krankheitsfällen denselben so viel Hülfe durch die statutenmäßig festgesetzten wöchentlichen baaren Unterstützungen, daß der Kranke sich so das Nothdürftigste verschaffen kann, ohne genöthigt zu sein, au enbltcklich die Hulse guter Menschen in A spruch nehmen zu müssen.
Diese Anstalt wurde, wie oben bcmerkt, vor ungefähr eilf Jahren von einigen hiesigen Bürgern, ivelche schon Jahre lang mit dem Gedanken der Gründung einer solchen Anstalt umgegangen waren, ins Leben gerufen und hat sich dieselbe bis jetzt stets eines zunehmend guten Gedeihens trotz der so geringen Beiträge ihrer Mitglieder (monatlich 12 fr.) und der vielen durch Kranksein derselben hervorgerufenen Unterstützungen zu erfreuen, welches am schlagendsten durch die von derselben ausgeliehenen Kapitalien dargelhan wird, welche, wenn Einsender genau berichtet ist, schon an 1600 st. betragen sollen. Daß dieses Kapital so sehr angewachsen, ist hauptsächlich dein Umstand zuzuschreiben, daß sämmt- licheBorstandsmitglieder dieser Anstalt stets darauf hin- gewirkt haben unv noch hinwirken, alle Verwaltnngs- kosten, (Rechner und Diener ausgenommen) zu ersparen und alle Arbeiten, welche durch die Verwaltung hervorgerufen werden, selbst besorgt. Da wird bei Abhör der Rechnung nichts von einer Procentenberechnnng von eingegangenen Kapitalzinsen, noch viel weniger aber eine Gebühr für Aufstellung der JahreSrechnnng an den Rechner ic. gefunden.
Der Vorstand hält sich aber auch streng an die GeseUschattsstatuten, und die Mitglieder hieran ge, wöhnt, bezahlen pünktlich ihre Beiträge und es soll bei dieser Anstalt noch nie der Fall vorgekonimen fein, „daß bei Abschluß der Rechnung sich eine Liquidation gefunden hätte, was bet den meisten Anstalten dieser Art nur zu oft der Fall ist.
Einsender dieser Zeilen wollte durch Veröffentlichung derselben das Publirum auf eine Anstalt aufmerksam machen, welcher in allen Beziehungen der Vorzug vor vielen ähnlichen Anstalten gebührt, und schließt mit dem Wunsche, daß dasselbe sich immer mehr daran betheiligen und die dereinstigen Vorstandsmitglieder sich die früheren zum steten Vorbild nehmen möchten.
X.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Sleindruckerei.


