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„Besorge nichts," versetzte Richard laut lachend, „Deine Tugend so wenig wie Deine Ueberzeugungcn werden in Gefahr gerathen, und mit der Aufrichtigkeit, welche Du an mir kennst, will ich Dir gestehen, daß ich sefbst wahrscheinlich nie Dich in Zweifel versetzt hätte, welche deutlich auf Deiner Stirn stehen, wollte Sara Dich nicht durchaus kennen lernen. — Ich weiß nicht, ob sie Dich bekehren will," fügte er hinzu, „aber ich habe ihr unser Gespräch und Deinen Zorn, wie Deine Aussprüche nicht verschwiegen. Sie hegt unwiderstehliches Verlangen Dich kennen zu lernen unv hier stehen wir nun an der Schwelle, Aurel. Großer Sohn Alkmenens entscheide Dich, wähle zwischen Tugend und Lasier, wähle zwischen Sara unv Johanna."
Aurel blieb wirklich zögernd an der Gartenmauer und vor der kleinen Thüre stehen, auf deren Drücker Richard seine Hand gelegt hatte. Es kam ihm vor, als befinde er sich vor dem Eingänge eines Unglück- drohenden dunklen Labyrinths, in dessen Jrrgängen er den leitenden Faden verlieren müsse, den keine treue Ariadne ihm wieder reiche und schauernd vor einem Widerwillen, den er nicht überwältigen konnte, trat er zurück, als Richard die Pforte öffnete und ihn beim Maniel ergriff.
„Wähle schnell," rief der Herr von Corbin, „oder schlage Dein Kreuz als frommer Christ und entfliehe." Der schneidende Spott in seiner Stimme und sein Lachen, das in der Finsterniß wie das Hohngelächter eines unsichtbaren fürchterlichen Wesens verhallte, verstärkten die Abneigung Aurels. — In diesem Augenblicke aber fiel ihm Johanna, ihre Wünsche und ihre Befehle ein. Er dachte daran, mit weicher Begier und welchem Vertrauen sie Nachrichten von ihm erwarte, zu gleicher Zeit erwachte seine eigene Neugier und seine Besorgniß von Richard als alberner Tölpel aus der Provinz lächerlich gemacht zu werden; es war daher Sache der nächsten Minute, daß er ohne weiteres Besinnen seinem Führet folgte, der hinter ihm die Thüre in's Schloß warf.
„Sei unbesorgt mein tapferer Aurel," sagte Richard, „ich glaube kaum, daß Du Deine Kühnheit je bereuen wirst. — Du bist hier keineswegs in einer geheimniß- vollen Einöde oder in einem der gefährlichen Gärten Armidas, sondern auf meinem Eigenthume und wenn cs Tag wäre, würdest Du einen ganz gewöhnlichen, hoch ziemlich artigen Fleck Erde finden, auf welchem eine -Anzahl Bäume und Weinranken stehen, die jetzt winterlich die kahlen Köpfe hängen lassen. Im Hintergründe steht ein Landhäuschen, klein, aber behaglich eingerichtet und dort, wo Du jetzt den Lichtschein be
merkst, wohnt meine Sara, ein durchaus menschliches Wesen von Fleisch fund Bein und rothem warmen Blute, wobei ich jedoch bemerken muß, daß Geschöpfe ihrer Art trotz dem noch nicht von Buffon beobachtet und in feiner berühmten Naturgeschichte als besondere Species aufgenommen wurden."
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Schweinezucht und Schweinehandel in Cincinnati.
Die officlelle Statistik der Vereinigten Staaten von Nordamerika vom Jahre 1840 gibt die Zahl der vorhandenen Schweine auf 26,301,293 an. Seitdem hat aber die Zahl sich fortwährend und nach amerikanischen Blättern im Jahre 1.847 auf wohl 45 Milionen erhöht ; das wäre mehr als die ganze übrige Welt zu- sammengenommen an Schweinen enthält.
Die Schweinezucht im Miffissippithale ist so bedeutend, daß manche der dortigen Bauern (Farmers) 1000 dieser Thiere halten, welche viel fetter als in den östlichen Staaten, bis zu mehr als 700 Pfund schwer werden. Man rechnet, vaß jetzt jährlich 1,500,000 Schweine in diesem Thale verzehrt oder verkauft werden, und daß davon J/6 nach Cincinnati im Staate Ohio kommt.
Diese Stadt, der Mittelpunkt einer Gegend, welche Korn und Schweine in ungeheurer Menge erzeugt, ist der Hauptplatz des Handels mit Schweinen und deren Fleisch in ganz Nordamerika, ja der ganzen Welt, und ein großer Theil der Einwohner beschäftigt sich mit diesem Handel und mit der Verfertigung der verschiedenen, aus jenen Thieren gezogenen Produkte. Und doch ist dieses ganze Geschäft in Cincinnati erst seit dem Jahre 1826 entstanden und erst seit 1833 von großer Bedeutung geworden. Im Jahre 1833 wurden dort 85,000, im Jahre 1847 aber 250,000 Stück Schweine verkauft und als Fleisch, Speck, Schmalz, Oel, Lichter, Seife, Leder, Borsten, Farbestoff und Dünger auf das vortheilhafteste verwehrtet, und dadurch mehren Tausenden von Arbeitern Brod gegeben zu einer Zeit des Jahres, wo sie sonst wenig oder nichts verdienen können. Cineinnati verdankt diesem Handel und dieser Industrie hauptsächlich seinen großen und noch wachsenden Wohlstand, und die Deutschen können daraus lernen, wie vieles vom geschlachteten Schwein bei ihnen unbenutzt verloren geht. (Forts, folgt.)
Nächsten Dienstag erscheint der Pfingstfeiertage wegen unser Anzeigeblatt nicht. Die Redaction.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.


