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Drei Freunde.
Novelle von Theodor Mügge. (Fortsetzung)
Endlich fam ein Herr aus der Hauptstadt zurück, eben dieser geheime Commerzienrath, der einiges zu er- -ählen wußte. — „Ich s°« Ihnen auch Grüße sagen von den Corbins," rief er Aurel zu, als dieser mit ihm u, einer Gesellschaft zusammentraf.
„Sie haben sie besucht?" erwiederte dieser erröthend.
„Versteht sich, habe ich sie besucht," sagte der Speculant. „Ein alter Freund des Haukes muß doch sehen wie cs geht."
„Und wie geht es denn?" fragten mehrere zu,am- mcn. — „Wie sind sic eingerichtet? Machen sie ein Haus? Ist es wahr, daß der Regierungsrath heirathet? Wie befindet sich das gespenstische Fräulein Johanna?"
„Eingerichtet sind sie nach der neuesten Mode," entgegnete der Geheimerath, „alles Seide, Bronce, Lüstres und Trumeaur; dabei eine prachtvolle Wohnung und Gesellschaften aus den ersten Kreisen. Der Regierungsrath wird sich nächstens verloben mit einer Nichte des Ministers und Fräulein Johanna macht es ihm wahrscheinlich bald nach, denn Niemand von uns kennt sie wieder, darauf schwöre ich."
„Ist sie Plötzlich vernünftig geworden?" fragte die älteste Tochter des Speculanten spöttisch lachend.
„So vernünftig," sagte der Vater mit einem groben Blicke, „daß sic vielen ein Beitpiel sein könnte. Klug war sie immer," fuhr er dann fort, „und, ihre erschreckende Blässe abgerechnet, auch gar nicht häßlich, jetzt aber hat sich ihr Gesicht merkwürdig verändert. Es sieht gesund aus und der feine rothe Hauch auf ihren zarten Wangen macht sie so schön, daß man davon ergriffen wird."
„Dein Vater wird ganz poetisch," flüsterte eine Nachbarin der schmollenden Tochter des Speculanten zu.
„Mein Vater hat immer eine besondere Zärtlichkeit für dies noble Fräulein an den Tag gelegt," versetzte t>ie|c.
„Das arme Kind," rief der Geheimerath, „ich habe es immer beklagt, daß es ihm so gehen mußte. Jung, schön, reich'. Welch' glückliches Leben konnte es erwarten?! — Wenn ein Mädchen aus dem Volke angeführt wird unv die rothcn Backen darüber verliert, es kräht nicht Hund nicht Hahn danach. Schade darum, aber die sind es gewöhnt und wissen sich zu trösten; doch sie, die einzige Tochter einer so angesehenen Familie, hat immer mein innigstes Mitleid aufgeregt."
„Nun," sagte der abgelebte Herr, welcher auch zu-
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gegen war, mit maliciösem Lächlen, „es scheint mir demnach als habe Fräulein von Corbin auch endlich den richtigen Trost gefunden." _
„Jpotcn Slk, ja, bci§ meine ict) ebensaüs," )cbvic bei* Speculant, „denn ich habe etwas mit angesehen, was mich auch auf diesen Gedanken geführt hat."
„Was haben Sie denn mit angesehen?" fragte ein ganzer Chor von Damen, die sich neugierig herbeidrängten."
„Nichts, meine Damen, gar nichts," sagte der alte grausame Geldmann, indem er sich los machte und an den Spieltisch trat. — „Coeur Aß," schrie er, „ich habe zu wählen und setze auch drüber Herr Dahlberg wollen Sie von der Partie sein, so kommen Sie; aber nein, Sie darf man den Damen nickt entreißen Das wäre der ärgste Hochverralh, der die Zahl meiner Vergehen voll machte."
Er kehrte sich nicht an das Quälen der imigen Damen und behielt, was er wußte für sich, aber Niemand war darüber in größerer llnruhe wie Aurel, der den ganzen Abend wie ein Träumender verlebte und an nichts dachte, als an das beste Mittel um ven Geheimerath zum Sprechen zu bringen.
Endlich fand sich eine günstige Gelegenheit, als das Spiel beendet war und da der Geheimerath bedeutend verloren hatte, war er in der reckten Stimmung seinen Aerger irgendwie auszulassen. — Er faßte Aurel an dem Rockknopfe unv zog ihn, der sich geflisieM- lich in seine Nähe drängte, auf das Sopha nieder. „Hören Sie, Herr Dahlberg," sagte er, „Sie kennen ja auch den Patron, den Richard von Corbin, und sind in jungen Jahren so eine Art Spießgeselle von ihm gewesen.
„Richard war mein und Eduards Freund," erwiederte Aurel.
„Eine schöne Freundsckaft," rief der alte Herr. „Ist so eine Art Börsenfreundschast zwischen Kaufleuten, oder am Spieltische, wo man sich zärtliche Dinge sagt und dabei mit dem kältesten Blute von der Welt den wcrthen Freunden die Beutel zu leeren sucht. '§a*,c heute Malheur gehabt, Herr Dahlberg, infames Malheur, bin der einzige Gerupfte gewesen. — Aber, hören Sie, dieser Herr Richard ist ja jetzt in der Hauptstad und, Sapperment, ist ein hübscher Bursche. Köckte ihn zwar nicht gerade zu meinem Schwiegersöhne haben, denn er sieht unsolide aus vom Wirbel bis zur Zehe, er hat etwas in seinem Gesichte, wenn man es genau ansteht, was eine gewisse Aversion hervorbringen kann, etwas, was ich nicht zu nennen verstehe, etwas Wildes, Jähes, Zerfahrenes, oder wie meine Jenni sagen würde, Dämonisches, aber ist sonst allerdings eine Erscheinung, die ein Mädchen um den Kopf bringen kann.
(Fortsetzung folgt.) _
ühl'scheu Buch- und Stemdruckerei.


