Ausgabe 
17.2.1849
 
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qen alle Grenzen. Eine Gemüthskrankheit setzte sich fest, mein Vater, dessen Liebling sie war, verfiel sitt­lich unter seinem Kummer und so gingen die Zetten hin bis auf diese Stunde."

Aber Er?" rief Aurel mit Heftigkett.Er gab nie wieder eine Nachricht?

Nie." erwiederte Eduard.

Und Du, ihr Alle, Keiner sucht ihn aus?"

Was muthest Du mir zu?" versetzte Herr von Corbin stolz.Sollte ich diesem Menschen Vorwürfe machen, ihm meine Schwester an den Hals werfen und um Liebe für sie bitten?! Ich hörte, daß er lebe, erfuhr, daß er sein ererbtes Vermögen in Paris verschwende, daß er in jeder Beziehung die Grund­sätze wahr mache, welche er uns vortrug, was konnte ich weiter thun als ihn verachten und vergessen !

Hätte Johanna dies wie ich gekonnt," sagte er mit gefalteter Stirne,so war nichts verloren, aber sie vergißt nicht und dies schreckliche Gedächtniß, diese Narrheit möchte ich sagen, welche eine Teufelshand in ihr Gehirn gebannt hat, ist der Quell unsäglichen Kummers geworden."

Er schwelgt also noch in Paris, ohne einen Ge­danken an die Vergangenheit?" sagte Aurel nach ei­ner trüben Pause.

nein," ctiDw'ocrtß (Sfounrb,Du tvivji tuuni glauben, aber seit einem halben Jahre ist er zurückge» kehrt und lebt in der Hauptstadt. Die französische Luft behagt ihm nicht mehr, er sehnt sich nach Deutsch­land und erschien plötzlich mitten unter uns. Denke Dir, daß er die Frechheit hatte sich mir nähern zu wollen, mit so unbefangener Miene, als lei nichts zwischen uns vorgefallen."

Und dahin willst Du jetzt Deine Schwester fuh­ren?" fragte Aurel erstaunt.

(Forts, folgt.)

tem Kampfe erst konnte bei Seite geschasst werden, wieder heraufbeschwören aus der Vergessenheit, der Ge­genwart aufzudrängen, was schon mit Recht die Schwelle der Vergangenheit überschritten hat. Suchet nickt weit und ihr werdet sehen, wie der alte luthe­rische Katheckismus, diese für die armen Kleinen schwer verdauliche Speise, einen Triumpf feiert über die in allen Schulen des Landes eingefuhrten neuen Lehrbücher, wie er vertheilt wird unter der Jugend bei Festen u. f. w. Höret die Lieder, dtt mancher Herr Pfarrer seine Confirmanten lernen läßt, wollt ihr sie nachschlagen, so durchsucht erst das^Haus nach einem alten Gesangbuche denn ihr findet ,u selten in demjenigen, das ihr benutzt, woraus ihr euch erbauet in der Andachtsstunde am Sonntage.

Sollten euch die jetzt einmal eingeführten Bucher nicht ganz ohne Fehler sein, (und wo findet man dies je) so ist es doch eine große Frage, ob jene alten Werke besser dem Zweck enisprechen, als die neuen, ob sie nützlicher sinv und passender für unsere Zeit ? Und was hat es für Folgen, wenn die Kinder, die natürlich während ihrer ganzen Schulzeit nach den eingeführten Lesebüchern unterrichtet wurden, ,ich ge­fallen lassen müssen, daß, wenn sie zum Herrn Pfar­rer kommen, Alles mit Stumpf und Stiel über Bord geworfen, daß nun ganz anders, vielleicht nach entge­gengesetzten Grundsätzen und Meinungen gearbeitet wird an dem Werke, das nach verschiedenen Planen erbaut wanken und zerfallen muß!

Jene Herrn würden wohl auch zufrieden fein, wenn nur in den neueren Büchern, auch mehr geklagt und qeseufzet würde vonarmen in Sünden empfangenen und geborenen Menschen" von Erbsünde, Reue, Zer­knirschung ic." Wir wollen noch eine Zeitlang zn- sehen unv dann werden wir bald hören, wie in man­chen Kirche», worin jetzt schon ein schöner Anfang gemacht ist, gesungen wird nach jenem alten Gelang­

buch :

(Ei ugesend et).

Q Jesu, nimm mich Hund beim Ohr Wirf mir den Gnadenknochen vor, O zieh mich Sündenlümmel In deinen Gnadenhimmel.

Ei n L aie.

Kuriosum. .

Eln seltenes und zugleich interessantes. Beispiel der Ersparniß und der Vereinigung der verschiedenartigsten Talenie in einer Person liefert das Dörfchen Winne- rod im Regierungsbezirke Gießen. Der Burgermeiste im genannten Orte ist ein zünftig gelernter Maurer, ein Besenbinder und Holzmacher, außerdem aber mm, Nachtwächter, Kuhhirt Schweinhirt und Ortsvien .

Als Bürgermeister bezieht er 50 st. Bureaukosten, als Küh- und Schweinehirt 5 Maller Korn un Malter Gerste, als Nachtwächter und Ortsdiener

Die gute alte Zeit kommt hoffentiich bald wieder, und man ist wohl im Jrrthume, wenn man meint, daß Etwas, das durch die Zeit verdrängt, das wie man sagt, aus der Mode gekommen ist, für die Nach­welt verloren, für immer vom Schauplatze des LebenS verdrängt sei. Man hält manches für veraliet, für unpassend und mit großem Recht schiebt man es oft bei Seite, damie es Platz mache dem Neuen, dem Besseren und Nützlicheren ; aber es gibt immer mitleidige ^See­len, die das einmal Eingeführte nicht können sinken llaffen, die zurückgreifen und das Alte immer wieder hervorziehen ans Tageslicht, nicht, weil es vielleicht besser wäre als das Neue, sondern weil es besser in ihren Kram paßt. So findet man namentlich auch in der neuesten Zeit Geistliche, meist ganz junge Män­ner, die sich eifrig bemühen, das Alte, das nach har-

' Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Bach- und Sleinvruckerei.