Ausgabe 
14.4.1849
 
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wuchs mit jedem Tage. Es war ihm peinlich zu den­ken, daß Johanna voller Vertrauen ibn erwarte, auf ihn hoffe und nach ihm sich sehne, während er damit umging, sie zu täuschen. Sie hatte ihm ihre Verlassen­heit und tiefe Vereinsamung geklagt und er wußte es, sie besaß keinen Freund auf Erden als ihn, der einen Strahl neuen Lebens auf ihre blaffen Lipven geführt hatte. Nachts stand sie vor ihm in seinen Träumen und beugte sich traurig schweigend zu ihm nieder und wenn es Tag war und er thätig sein wollte, drängte sich ihr lächelndes Gesicht vor die Bücher und Rech­nungen und verwirrte ihn in solchem Maße, daß er die Feder fortwerfen mußte.

(Fvr tsetzung folgt.)

Arbeit und Eigenthum.

Seit die politische Crists in Deutschland eingetreten, gewahrt man mit tiefem Schmerze eine gewaltige Zer­rüttung im innersten Marke des Staatslebens, d. L im Handel und Gewerbe. Mögen es eine ganze Reihe großer und kleiner oft kaum merklicher Ursachen sein, welche das Zurückkommeu und Abnehmen des Wohl­standes in der Gesellschaft bedingen, gleichviel, groß oder klein, immer sind diese Nebel schwierig richtig zu erkennen, geschweige gründlich zu heilen. Ehre den Männern, die thätig und unermüdet sich diesem schweren Berufe widmen; sie geben uns ein Zeugniß wie sehr ihnen das Wohl der Menschheit am Herzen liegt; sie geben uns ein Zeugniß, daß sie erkannt haben wo das Uebel seinen Ursprung hat, Pas sich nach und nach durch das Staats- und Familienleben wie ein giftiger Pesthauch zerstörend und tödtend hinzog. Die Elasse der Arbeiter, die Majorität in der Menschengesellschaft war nach und nach durch Kümmerniß und Elend auf eine Stufe gesunken, die dem Bau des Staates stets gefährlicher wurde. Schon vor Jahren, als man des Fortschritts dieses Elendes noch nicht recht inne werden wollte, haben auf die hohe Bedeutsamkeit frühzeitig Männer hingewiesen, welche mit klarem Auge zukünftige Zerrissenheiten durch das stets sich mehrende Proletariat voraussahen. Auch sind manche Systeme zur Aufhülfe der arbeitenden Claffen ausgestellt, welche wir hier ihrer großen Verschiedenheit wegen nicht aufführen wollen; einige davon haben sich vor nicht langer Zeit in der Weltgeschichte bekunvet.

Arbeit ist vie Würze des Lebens, ist des Bürgers Zierde, ist eine der Hauptseiten der Menschenwürde. Aber denkt euch hinein in die 88eü wo sindet ihr diese Tugenden in ihre Blüte und Urreinheit? Ja, ihr findet sie aber auch jenes alle Moralität verderbende Ungeheuer den Müßiggang den Krebsjchaden des Staatenwohles und Menschen- heils. Müßiggang, das ist der faule Fleck der fortgewaschen werden muß. Wer ein Freund der Ar- beit ist, wird sie gewiß finden gleich wie der Gele-

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genheit findet zu prassen und zu schwelgen, wer ein Freund der Genußsucht und Ausschweifung ist.

Die Einführung eines Systemes aber, wonach der Fleißige dem Müßiggänger gleich gestellt würde, hieße Betrug und Diebstahl üben an den unveräußerlichen Natur- und Menschenrechten, hieße Menschenwürde und Ehre schänden! Wir würden dem Sklaven nachstehen, der nicht unbelohnt und unbevorzugt seine Pflicht besser und pünktlicher besorgt als andere seines Standes, wir würden zurückkommen in die Zeiten der Barbarei und Verdummung.

Ein geachteter Schriftsteller sagt:Das Eigenthum und der Werth des Eigenthnms wächst mir der Civili- sation; je barbarischer ein Volk ist, desto weniger be­deutend und geachtet ist das individuelle Eigenthum. Das erste unbestreitbare Eigenthum des Menschen ist sein Ich, seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Leib und Seele. Der Mensch, nackt geboren, kann sich Ueberflüssiges verschaffen durch Arbeiten, durch anhal­tendes, verständiges Arbeiten, er würde nicht arbeiten, wenn er die Früchte seiner Arbeit nicht zu genießen bekäme, er würde rauben, wo er was fände; die Welt tväre zur Barbarei verurtheilt. Im Mittelalter, heute noch im Orient, überall, wo das Eigenthum nicht ge­schützt ist, herrscht Unkultur, und selbst der Einzelne, der sich dort Reichthümmcr zu erwerben gewußt hat, setzt sie nicht in Umlauf, sondern verbirgt sie, damit sie ihm nicht geraubt werden. Wie also die Fähigkeiten des Menschen sein eigenstes Eigenthum sind, ein eben so heiliges Eigenthum muß auch das Product dieser Fähigkeiten, der materielle Erwerb sein, wenn nicht Elend, Hunger, Rohheit und Unwissenheit unser Loos sein soll. Die Fähigkeiten der Menschen sind un­gleich, also auch der Erwerb; auch bei vollständigster politischer Gleichheit wird der eine mehr, der andere we­niger erwerben, der eine reich, der andere arm sein. Diese Ungleichheit der Anlagen und darum des Be- sitzthums ist eine Einrichtung der Natur. Gott hat sie gewollt, wer wagte es, sie umzustoßen? Und thut denn Der, welcher viel arbeitet und dadurch reich wird, Jemanden unrecht, und was für ein Interesse hätte die Gesellschaft, ihn daran zu hindern? Gewiß keines, und sie würde, wenn sie ihn daran hinderte, unsinnig han­deln, denn sie würde dadurch ohne allen Nutzen die Erzeugnisse der Arbeit und des Bodens, die Masse der dem Menschen nützlichen oder nothwendigen Dinge ver­mindern. Die Gesellschaft muß im Gegentheile wollen, daß viel an Nahrungsmitteln, Kleidern, Wohnungen u. s. w. producirt werde, und kann nicht verhindern wollen, daß Der, welcher in dieser Weise viel arbeitet, dadurch wohlhabend werde; denn je mehr an Bedürf­nissen producirt wird, desto wohlfeiler werden sie, desto mehr Wohlstand ist vorhanden, der immer auch dem Acrmsten zu gut kommt. Nur der Erwerb von Ei- genthum isi der Sporn zur Arbeit. (Forts, folgt.-) l'schen Buch- und Steindruckerei.