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Dun
Drei Freunde.
Novelle
von
Theodor Mügge.
(Fortsetzung.)
„Nun, wahrhaftig, mit diesen Grundsätzen mußt Du Glück bei unfern Damen machen," rief Aurel. „Sie lieben die Widersprüche und den Geist, der stets verneint."
„Und ich wette," fügte Eduard hinzu, „trotz seiner Prahlerei wird er sich ducken, heirathen und ein eifersüchtiger folgsamer Eheherr werden, der um jeden Blick seiner Frau in Angst und Entsetzen geräth."
„Dann muß sich alles in mir umändcrn," sagte Richard, „denn die Freiheit, welche ich für mich begehre, soll auch die im reichen Maaße haben, welche das Schicksal mir zuwirft. — Freie Liebe," rief er und hob sein Glas auf, „das ist das Einzige, was eine Ehe erträglich machen kann. Ich würde unter keiner anderen Bedingung mir den Ring um den Hals legen. Ich muß ihn lösen können, wenn und wie ich will. So lange unser Traum vorhält, so lange wir mit der Gaukelei unserer Sinne zufrieden sind, werden wir vergnügt und glücklich beisammen leben, wenn aber bei uns beiden oder bei dem einen oder anderen der Wunsch der Trennung entsteht, wenn irgend ein Traum von Glück mein Herz oder das ihre ergreift, soll Niemand von uns unglücklich sein, Niemand gebunden und verschmachtend unter der Qual der Unsittlichkeit eines Gelübdes dessen Angst und Entsetzen schon so viele Wesen elend gemacht und in Verzweiflung gestürzt hat."
„Bei Gott!" rief Eduard lachend, „jetzt habe ich es." — Du bist ein Communist und predigst uns Nächstens Weibergemeinschaft."
„O Thorheit," sagte Richard, „laßt uns aufhören und lieber tanzen. Weibergemeinschaft ist Unsinn, doch Trennung von dem Weibe, dessen Liebe ich verloren hatte und dessen Herz für einen Glücklicheren schlägt, ist ein heiliges edles Naturgesetz."
„Dein Naturgesetz zerstört aber das Familienleben," erwicderte Eduard; „cs richtet sich gegen Kirche und Staat, gegen alle Grundlagen der menschlichen Gesellschaft."
„So ändert diese," rief Richard, „denn sie taugen nichts."
„Ich würde Dir rathen mit Abschließung Deiner
les.
zukünftigen Ehe so lange zu warten bis diese Aende» rung stattgefunden hat," fuhr Eduard spottend fort.
„Dein Rath ist gut," sagte Richard, „wir wollen cs überlcgen. Laßt uns jetzt gehen und unfern reizenden Freundinnen im Saale unsere verspäteten Glückwünsche darbringen."
„Wünschen wir jeder einen Maun wie Du bist, rief der Sohn des Präsidenten.
„Damit könnten sie wahrhaftig zufrieden sein," versetzte der junge Mann sich aufrichtend.
„Stolz will ich meine Spanier," lachte der Bruder der schönen Johanna.
„Spotte wie Du willst, ich werde diesen Stolz zu rechtfertigen wissen," erwiederte Richard mit erhitzter Stimme.
„Aber," sagte Anrel, der schweigend zugehört hatte, „könntest Du mit glühender Liebe im Herzen wirklich eiuem Weibe entsagen, die Du anbctest, wenn sie einen andern fände, der ihr besser gefiele?"
„Du bist ein ehrlicher Junge, Aurel," erwiederte Richard, ihm die Haud reichend, „doch ich schwöre Dir, daß ich nie ein Weib bis zur Anbetung lieben werde, sollten aber die Götter mich dennoch so strafen, so sei überzeugt, ahnte ich nur, daß ein anderer ihr Herz besäße, ich würde meine Anbetung mit der Wurzel ausrcißen und ihr oie Freiheit schenken, noch ehe sie darum bäte."
„Aber," wirst Du immer so denken?" fragte Aurel.
„So denken und so handeln," sagte Richard.
„Nimm mein Wort, sollte es je geschehen, so wirst Du erfahren, daß ich nie gesäumt habe, diesen Schwur zu halten."
Hier endete das Gespräch der drei jungen Männer denn sie wurden gesucht, entdeckt, in den Saal geführt und ausgescholten..
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Die Behandlung des Stallmistes im Winter.
Wenn sonst der Schnee in so großen Massen wie in manchen Wintern auf dem Misthaufen lag, so wurde hier, ehe wieder frischer Mist aus dem Stalle darauf gebracht wurde, der Schnee on dem Haufen abgeschippt, indem man glaubte, wenn der kalte Schnee im Mist bleibe, so könne er sich nicht brennen, nicht in Gährung gerathen. Um nun die Sache zu prü-


