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Dun
Arbeit und Eigenthum.
(Fortsetzung.)
Die reine Einkommensteuer ist ein Ideal, das nie verwirklicht werden kann; denn es ist unmöglich, das Einkommen eines Jeden sicher zu kennen. Darum greifen die Engländer zur Income-tax nut ausnahmsweise in ungewöhnlichen Zeiten. Außerdem hat die Einkommensteuer den großen Fehler, daß sie geradezu in gewissen Fristen den Unbemittelten Geld abfordert. Deßhalb stnv in allen cioiliftrien Ländern, und gerade in den reichsten, die indirekten Steuern die gewöhnlichsten, weil am wenigsten drückend. Die indirekte Steuer ist eine unmerkliche, unendlich vertheilte und gerechte, denn sie vermischt sich mit dem Preise der Dinge, die man kaust, und der Reiche, welcher viel kaust, bezahlt dadurch viel Steuern, während der Arme nur das Nothdürstigste kaust und deßhalb wenig an Steuern beiträgt. Mängel der indirekten Steuern sind, daß sie schwierig und kostspielig zu erheben sind und daß sie manchmal der Production schaden, und daß sie, zu hoch gegriffen, die Confumiion vermindern und alsdann weniger eintragen. Je verschiedenartiger die Steuern sind, desto weniger drückend sind sie, und die Regierungen, welche immer und überall, mehr als man zugesteht, die Steuern vertheilt, haben tausenderlei Steuern erfunden: Zollgefälle, Crbschafts- und Kaufaccise, Stempelgebühren, Postertrag, Personen- und Gewerbsteuer, Aceise auf Nahrungsmittel und Getränke re. In dem reichen England deckt der Getränke- aecis nebst den Zolleinnahmen fast den ganzen Steuerbedarf.
Die unendliche Vertheilung der indirecten Steuern auf Alles, was wir kaufen, möchte ich die Diffusion der Steuer nennen; wir bezahlen diese, ohne es zu merken, mit den Dingen, die wir kaufen; aber immer bleibt gewiß, daß Der, welcher am meisten kauft, daß der Reiche weitaus am meisten Steuern bezahlt.
Durch Aufhebung einzelner indirekter Steuern wird das Volk nicht zunächst erleichtert, sondern blos der Gewinn einzelner Verkäufer für einige Zeit vermehrt, wenn man die Reichen zu sehr belastet, fallt der Schlag zunächst auf die Klaffen der Armen, welche durch Auf- höreu der Lurusindustrie ihre Arbeit und ihr Brod verlieren. Eine einmalige Stockung des Verdienstes, etwa veranlaßt durch die Steuetumwandlung, bringt dem Armen einen größeren Ausfall in feinem Verdienste, als er jahrelang an Steuern zu bezahlen hat. In den reichen kultivirten Staaten scheinen die indirecten, in den armen unkultivirten alle directen Steuern Regel zu fein. Die französische Revolution (1789) hielt auch in ihrer ersten Unschuld alle mdirecten Steuern für schlecht; sie wurde abgeschafft; die aufs
t e s.
Höchste getriebenen directen Steuern erdrückten das Land und waren doch unzureichend; das Papiergeld sollte helfen, bald aber fiel es zur Werthlostgkeit herab; von Jahr zu Jahr stieg das Deficit, bis Napoleon endlich stch genöthigt sah, eine inbirecte Steuer nach der andern wieder einzuführen, — und das Gleichgewicht der Finanzen konnte nur dadurch wieder her- gestellt werden. (Forts, folgt.)
Drei Freunde.
Novelle
von
Theodor' Mügge.
(Fortsetzung.)
„Wohin flieht dieser Seufzer?" fragte das Fräulein von Eorbin, ihm die Hand bietend. „Doch ich will nicht forschen, mein thenrer getreuer Freund. Vor allen Dingen will ich Ihnen danken für die Erfüllung Ihres Versprechens, dann lassen Sie uns, ehe Jemand kommt, von dem reden, was uns zunächst angeht."
„Ich bin Überzeugt," erwiederte Aurel, „daß ich Gutes zu hören habe."
„Viel Gutes," rief Johanna. „Ich bin wohlauf und fühle mich leicht."
„Ein Beweis, daß die Zukunft Ihnen Freude verspricht."
„Die Zukunft?" sagte sie ihn anblickend, „wer weiß es? Die Zukunft jedes Menschen, auch des unbedeutendsten, ist ein Buch mit sieben Siegeln. Niemand weiß, was morgen geschieht. Ich lebe der Gegenwart, lebe den Hoffnungen, zerstreue mich vielleicht um eben nicht allzuviel an die Zukunft zu denken und vergifte damit was mich nebelhaft beschleichen will, in der Geburt. — Sie haben gehört," fuhr sie fort, „was meine Mutter sagte, auch traue ich Ihnen zu, DahPerg, daß Sie genau begreifen, was mein Bruder denkt und wie Überhaupt die Verhältnisse hier stehen. — Fragen Sie mich um nichts, ich glaube Sie kennen mich und wissen, daß ich immer eine Art festen Willen hatte, auch Hartnäckigkeit genug befaß, ihn zu behaupten."
Aurel ward von einer Bewegung erfaßt, die mit ihren fieberhaften Wallungen ihn durchzitterte. Er neigte sich auf die weiße heiße Hand Johannas und, fast ohne zu wissen was er that, bedeckte er sie mit feinen Küssen. Eine geheime Stimme rief ihm zu, daß in den Worten dieses schönen Mädchens ein Trost für ihn lag, der feine Hoffnungen aus ihrem zaghaften Erbangen rüttelte. Es klang wie ein Versprechen, was sie sagte, und die Ahnung, daß er geliebt sei, tobte in seinem Herzen und weckte einen Sturm von Empfindungen auf. (Forts, folgt.)
Druck und Verlag Oer G. D. Brühl' scheu Buch- und Sleiudruckerei.


