Ausgabe 
9.10.1849
 
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Kun

Gemeinnütziges.

Tie wilde Kastanie und ihr Nutzen.

(Schluß.)

Man verfertigt ferner ans den Kastanien Garn­lauge, Potasche, Walkmehl, Branntwein, Oel, Brod, Schrot zur Fütterung fürs Vieh und andere nützliche Dinge. Indem man in jenem Aufguß, dem man noch siedendes Wasser zusetzt, die Garngcbinde kocht, bildet sich eine vortreffliche Lauge, die dem Garne eine schöne, weiße Farbe verleiht.

Nach Angabe in der Zimmermann'schcn ökonomischen Zeitung besteht ein Pfund gebrannte Kastanien aus so viel Laugensalz, daß man/2 Lth. Potasche daraus siedet.

Die wollenen Zeuge sollen gut mit Kastanienmehl gewalkt werden können; ebenso soll damit beim Ver­zinnen des Eisenblechs mit Vortheil gearbeitet werden.

Um die Kastanien auf Brandwein zu verwenden, werden sie erst mit einem Messer in freier Hand oder auf einer Schrotmühle von der braunen Schale be­freit, geschält, dann gefchroten und mit Gerstenschrot versetzt, ganz wie man Getraideschrot behandelt. Die Schlempe ist nahrhaft und nicht so zerstörend für t>ie- Eingeweide» des Viehes, wie die Kartoffel­schlempe. (? D. R.)

Oelmüller lieferten sehr reines, reichhaltiges Oel aus Kastanien zum Brennen, und Oelkuchen daraus, die ein gutes Viehfuttep abgaben.

In theuern Zeiten bäckt man in Frankreich re. ein gutes nahrhaftes Brod aus dem Mehle der wilden Kastanie, nach der Vorschrift eines dastgen Chemikers, dessen Name mir entfallen ist, ob aber dieses Brod aus Kastanien der menschlichen Gesundheit nicht nach­theilig ist, darüber wage ich nichts zu sagen, sondern überlasse dies Sachverständigen.

Wie schon vorhin erwähnt, ist die wilde Kastanie ein sehr nahrhaftes und gesundes Futter, besonders zur Mast; Schweine, Pferde, Schafe, Rindvieh fressen sie gern und das Federvieh ist leicht damit zu füttern. Als Futter für das Vieh werden die Kastanien erst von der braunen Schale befreit, in kleine Stücke ge­schnitten, gekocht, auskühlen gelassen, und Bann ge­reicht, vielleicht mit anderen Fnttergattungen vermengt. Den Milchkühen gibt man geschrotene und zerquetschte- Kastanien mit Häcksel, den Pferden mit Hafer und Häcksel vermischt, den Schafen in Pulverform, den Schweinen als Brei. Bei der gutartigen Druse mischt man den Pferden Kastanienpulver unter den Hafer re. so daß cs hier die Stelle des Drusenpulvers cinnimmt. Man behauptet, besonders bei den Kühen, daß die

t es.

Erzeugnisse derselben, als Butter, Milch, Käse, Fleisch, u. s. w. durch die Kastanienfütteruug einen bittern Ge­schmack annühmen; dies geschieht aber nur dann, wenn man die Früchte mit der braunen Schale kocht, zer­kleinert oder schrotet. Denn hieselbe gibt der Kastanie einen bittern, rohen, widrigen Geschmack. Im Anfänge zeigt das Vieh scheinbar Widerwillen gegen das Ka- stanieufutter; dadurch lasse man sich aber ja nicht irre leiten. Denn wenn es nur ein paar Tage daran gewöhnt ist, so frißt es das Kastanienpulvcr mit sehr großer Begierde.

Aus Vorstehendem wird man leicht ersehen, wel­chen ausgebreiteten Nutzen der Kastanienbaum gewährt; er wird noch nützlicher werden dann, wenn man ihn weniger verachtet und mehr anbaut als bisher.

Nach dem neuerlassenen Jagdgesetz für das Her- zogthum Gotha sind nur die Eigenthümer von Grund­stücken zur Jagd berechtigt, wenn letztere mit einer Mauer, einem Zaune oder einer sonstigen tüchtigen Einsriedigung umgeben sind. Die Gemeinden können die Jagd in ihrem Bezirke nur ausüben entweder durch Verpachtung oder durch Anstellung verpflichteter Schützen. Mit Ausnahme dieses oder des v'erpstichteten Forstper­sonals darf Niemand ohne eine von der zuständigen Behörde ausgestellte Jagdkarte jagen. An Sonn- und Festtagen darf übrigens gar nicht gejagt werden.

In den Dresden zunächst liegenden Revieren ist die Jagd der einzelnen Ortschaften größtentheils an irgend einen Grundbesitzer der betreffenden Commune verpachtet, und der Pachtzins für 300 Quadratruthen als höchster 6 Thlr., als niedrigster 2 Thlr. bis jetzt festgehalten worden ist.

Der Viehzüchter Behague in Frankreich liefert den Beweis, daß man nicht blos in England die Kunst ver Viehzucht ins Großartige zu treiben versteht. Er hat kürzlich nach den elyseeischen Feldern neun -Ochsen geschickt, zum Theil über 2000 Pfund schwer und von 27 40 Monaten alt. Ihre Zunahme an Gewicht von der Geburt an betrug durchschnittlich 4457 Pfd. monatlich. Nach dem dreißigsten Monat geschah die Zunahme nicht mehr in gleichem Maße und Gewicht.

Die Ern die an der Rhön gehört in diesem Jähre unter die ausgezeichnetsten und besten, besonders da neben den Körnerfrüchten und Kartoffeln das für die dastge Gegend so wichtige Gewächs, der Flachs, vorzüglich steht. (Landw. Dfzg.)

(Hierzu als Beilage das Programm einer rhetorischen Vorlesung des £>tn. vr Knispcl.)

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch, und Steindruckeret.