Beilage zu Jß des Anzeigeblattes
1049) Gießen.
Beiträge znr Geschichte der Vergiftung.
Motto: Was man sich einbrockt muß man auch auslöffeln.
Ich halte es weder für nothwendig noch für meine Schuldigkeit, wohl aber für Artigkeit einem hiesigen Publikum gegenüber, nochmals die giftige Geschichte zu berühren, damit gewisse Leute sagen können „und es ward Licht!,,
Hier der Abdruck meines Brieses als Commen- tar zu dem Zeugnisse des Herrn Criminalrichter Klingelhöser, datirt den 2. Juni 1849.
Herr Criminalrichter Klingelhöser zu Gießen.
Im Augenblicke liegt mir von Ihnen ein Original- Zeugniß zur Seite, das Sie unter», 1. Juni 1849 Herrn Uhrmacher Heerz ausgestellt haben.
In diesem Zeugnisse ist eine Unwahrheit enthalten, ebenso wie sich ein entsetzlicher Widerspruch darin vorfindet.
Die Unwahrheit ist die, ich habe gesagt, auch ein Bürgergardist habe die Acußerung gethan „wenn man preußisches Militär quartiren müsse, so sollte (nicht wolle) man es vergiften. Bille Herrn Cri- minal keine Begriffsverwirrung auskommen zu lassen. Zeile 7 sprechen Sie von Bürgergardisten, während 8 Zeilen weiter Sic sagen, „Sie hätten mich ausgesordert, den Namen desjenigen zu nennen, der das gesagt habe. Das ist Widerspruch und beweist für mich, daß nur von einem Bürgergardisten die Rede war.
Wenn ich etwas gesagt habe und ich habe gesagt, daß ein Bürgergardist sich obige oder vielmehr die Aeußerung mir gegenüber erlaubt habe
„wenn man doch preußisches Militär quartiren müsse, so sollte man es vergiften"
Daß ich Ihnen und Herrn Schön den Namen nicht nannte, bewies, daß ich keine Ursache hatte den Denuncianten abgeben zu wollen, dessen Stelle Sie aber durch ihre Aussage übernommen haben.
Jetzt ist die Reihe an mir wenn ich vor Gericht gestellt worden bin, zu beweisen, daß ich Wahrheit gesprochen habe: aber von Ihnen und Herrn Schön lasse ich mir keine Würmer aus der Nase ziehen.
Ich habe einfach mich mit meinem Nachbar und namentlich Gießener Bürger unterhalten, weit davon entfernt solche Aeußerungen bei Fremden zu veröffentlichen und machle nur Gebrauch, von meiner mir als Staatsbürger zustehenden Redefreiheit.
Bei Herrn Schön habe ich allerdings nichts wieder ausgekramt, habe aber auch keins meiner Worte wiederrufen und zwar aus dem Grunde, weil mir die Sache Ihrerseits läppisch erschien und ich Ihnen
mehr Verstand zugetraut hätte, als in jetziger Zeit Unannehmlichkeiten hervorzurusen, die jetzt gerichtlich und auf mein Verlangen öffentlich, besser zur Ehre Gießens braver Einwohner unerwähnt geblieben wäre. — Haben Sie den Teufel an die Wand gemalt! ich habe Muth ihn abzunehmen und zu sprechen, aber auch manches Zeugniß zu verlangen, was noch Mancherlei zu Tage fördern soll.
L. Jungk, Mechaniker.
Die Ocffentlichkeit hat doch viel Gutes neben dem Bösen, man wird verdammt ohne gehört zu werden und verurtheilt ohne verstanden zu werden, aber man lernt täglich mehr, besser und schneller Charactere zu würdigen. Diese Sache hat für mich einen großen Vortheil.
Wirft das unerbittliche Schicksal mich wieder mit Herrn Klingelhöser bei einem Schoppen Bier oder Wein (für 'letztem wird's lang werden, die Zeiten sind für mich zu schlecht) zusammen und die Unterhaltung stockt über gleichgültige Sachen, auch kein sinniges Gemcinderathsmitglied wäre da, dann lasse ich es fein bleiben mich mit Herren Klingelhöser über Gießens Angelegenheiten zu unterhalten, sondern wir beschäftigen uns wie etwas früher wie und wo die Rettige am besten und billigsten wachsen und wohin sie gesteckt werden müssen. Dann habe ich den Vortheil, daß Herr Klingelhöser einen Maulwurfs Haufen, für einen Maul- wurfshaufcn und nicht für einen Chimborasso hält.
Der Wehr Dich hat bei der Sache aber auch einen Vortheil gehabt er durfte wieder einmal nachdem er aus seinen bekannten authentischen! Quellen geschöpft, Gebrauch von der — Freiheit machen und ich durfte stillschwcigen.
Was nun aber die Drohbriefe anlangt, so müssen deren Verfasser Rothrepublikaner gewesen sein, denn das Papier war ganz schlecht, die Abfassung noch schlechter und leuchteten somit physische Kräfte hervor, von geistigen war keine Spur da. Aber meine Herrn warum denn drohen? — üch mache doch keine Monarchie und auch keine Republik — ich bleibe nur gerne da wo es mir gefällt. Ein Minister-Portefeuille besitze ich auch nicht, bin noch nicht einmal ein Gemeinderath-Mitglied denn dazu fehlen mir die Eigenschaften, die nothwendigsten 1.) der nervus rerum, 2tens habe ich keine Schaafe im Felde und 3tens bin ich nicht Liebling des Gießner Publikums. Hätte ich aber je das Unglück in die sogenannte Volksgunst zu gerathen, so würde ich gewiß in 3 Tagen ein Mißtrauens-Votum erhalten, weil mir hinten der Faden fehlt, der oben alles gut heißt.


