Ausgabe 
2.10.1849
 
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Dun

Gemeinnütziges.

Die wilde Kastanie und ihr Nutzen.

Noch zu ost wird von vielen Laudwirthen und Forste männern diese Baumgattung, die wilde Kastanie, ver­achtet, nicht angepflanzt und gepflegt, während doch ihr Nutzen sehr groß ist; fast jedes Hausthier, das Pferd, Rind, Schaf, Schwein, die Ziege frißt die wil­den Kastanien nicht nur gern, sondern sie dienen ihnen auch zur Erhaltung der Gesundheit; der Mensch selbst genießt ihr Mehl als Brod, es wird daraus Oel, Seife und Pulver fabricirt, mit einem Worte, sie gewähren einen großen Nutzen, den Menschen sowohl als den Thieren.

Das Holz dieses Baumes steht als Brennmaterial dem Erlenholz wenig nach; die Drechsler, Formschnei­der, Bildhauer, Schreiner u. s. w. arbeiten gern darin.

In den Apotheken pflegt man die innere Rinde, getrocknet und pulvcristrt als Chinapulver zu verkau­fen, und weil das letztere in der Regel sehr theuer ist, so bleibt durch den Gebrauch des Kastanienpulvers vie­les Geld in dem Beutel des Kaufmanns. Nutzen bringt diese Anwendung dadurch dem Menschen, und um so mehr, da die Wirkung gleich stark ist.

Die Blüte dient den Bienen zur reichlichen Nah­rung, weshalb auch oft, nicht zu weit entfernt von der LZienenhütte, einige Kastanienbäume stehen.

Die halbwelken Blätter, im Herbste zusammenge­recht, sind nicht allein ein schätzenswerthes Einstreu­mittel, sondern auch ein sehr nahrhaftes Futter für die Ziegen und Schafe. ,

Die grüne, stachelige Schale der Frucht wird in Wasser über offenem Feuer gekocht; mit dieser Flüssig­keit kann, der Kalk gelöscht werden, mit dem man die Stuben und Bettstellen weißen läßt, um die Tödtung der Wanzen und dergleichen Ungeziefers zu bewirken. Auch kann man die grünen stacheligen Kapseln, die beim Herabfallen vom Baume gewöhnlich zerspringen, wodurch die braune Frucht heraus-ällt, zusammenhar­ken und sie roh in die Teiche werfen zur Nahrung der Fische.

Die Frucht selbst wird vielseitig benutzt; man löst von ihr die äußere braune Schale und bereitet daraus, indem man sie in einem Mörser fcinstößt, Freß- und Magenpulver für die Pferde, Schafe und das Rind­vieh, ferner Waschpulver, das , gleich der Mandelkleie der Haut des Menschen Zartheit, Weiche und Ge­schmeidigkeit gibt, auch kann man Seife daraus be­reiten. Sie wird folgendermaßen verfertigt: Auf 1 Pfund geschälte, gut getrocknete, kleingestoßene Kastanien gießt man ohngefähr 4 Pfd. Wasser, welches man

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vielleicht acht Tage unberührt stehen läßt. So bildet sich das schönste Seifenwasser zum Waschen der lei­nenen, wollenen und seidenen Zeuge. Man bereitet aus der Frucht gute Stärke und festtlebenden Kleister, besonders für Buchbinder, indem man den eben ange­führten Aufguß nach acht Tagen durch ein leinenes Tuch über einen Topf seihet, der im Tuche bleibende Bodensatz bildet den Kleister und die Slärke. Die in den Topf laufende Flüssigkeit ist noch als Seifenwasser zu gebrauchen. Dieser Bodensatz bildet auch ein Satz- mehl, das man den Mastschweinen und den zu mästen­den Rindern unter das Futter geben kann.

(Schluß folgt.)

Gegen den trockenen Moder des B a»Holzes.

In Rogue d'ordres hat sich beim Einreißen eines alten Bauwerks der Fall ereignet, daß, als man die eichenen Balkcnköpfe aus der Mauer nahm, dieselben als völlig gesund befunden wurden, obgleich sie über 600 Jahre gelegen hatten. Die Ursache war, daß sie rund herum mit Korkplatten umlegt waren. Auch als man eine alte Kirche in Bayonne einriß, waren die Balken am Kopfende, mit dem sie auf der Mauer anf- lagen, mit Kork umgeben, und diese Stellen waren allein gesund geblieben, während die übrigen Theile der Balken verfault waren.

Benutzung des Stoppelklecs.

Schweitzer hat comparative Versuche darüber an­gestellt, ob es räthlich sei, den Stoppclklee noch im Herbst zu benutzen, und das Resultat erhalten, daß sich bei dieser Benutzung durchaus kein Verlust, im Gegen- theil ein entschiedener Vortheil herausstellt. Der Er­trag des Stoppelklees belief sich auf ungefähr 1000 Pfd. vom macheburger Morgen, wobei die Ergiebigkcit an Kleeheu im folgenden Jahre durchaus nicht ge­schmälert wurde.

(E i n g e s e n d e t.)

Möchte doch die Behörde, welcher das Publikum in dem schönen Philosophenwald die schönen Anlagen verdankt, noch einige Sitze bei dem neuen Brunnen daselbst anbringen lassen, damit man das treffliche Wasser auch mit Ruhe genießen könne.

Sodann wäre zu wünschen, daß an der neuen Lahnbrück», in die vier Ecken derselben, welche jetzt bis zu Verunreinigungen dienen, vier maffive Sitze angebracht würden, wodurch jene Verunreinigungen aufhörcn und einem viel verbreiteten Wunsche entspro­chen sein würde.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.