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verpflichtet, die Aufmerksamkeit des Publikums auf diese gemeinnützigen Institute hinzulenken.
1216) Gießen. Aus der Erwiederung des Herrn Fleischer wird das Publikum hinlänglich ersehen haben, daß er sich von den Beschuldigungen nicht reinigen kann, sondern zu allen Dem still
schweigen will. Ich will's nicht, sondern auf dem Wege Rechtens gegen ihn verfahren, so sehr es mich auch anekelt, gegen Jemanden Etwas zu unternehmen, der die Niederträchtigkeit besitzt, das Feuer der Zwietracht unter Verwandten anzufachen und sich dann mit heißen Fingern zurückzuziehen. —
Th. Bickbardt.
1208) E ch z c l l.
Anzeige für Auswanderer.
Wir wiederholen hierdurch die Anzeige, daß wir fortwährend regelmäßig am 1. und 15. eines jeden Monats große, geräumige Schiffe nach New-York und Baltimore abfertigen und nehmen wir dafür Passagiere zu den möglichst niedrigsten Ueberfahrtspreisen an. , .
3» E ch z e l l sind die Herren G eb r. Schwarz von uns bevollmächtigt bündige llebersahrts-Con- tracte abzuschließen und können sich Auswanderer daher mit vollem Vertrauen an dieselben wenden.
Bremen im Juni 1848. I. I. Wichelhausen u. Comp.
In Beziehung auf obige Anzeige bringen wir zur Kenntniß eines geehrten Publikums, daß unser bequem eingerichteter Wagen unter unserer Begleitung spätestens bis zum 20. d. M. wieder mit Auswanderern nach Bremen abgeht und bitten wir Anmeldungen zum Mitfahren uns bei Zeiten zugeheu zu lassen. Aufträge für Thran, Reis, Kaffee, Südfrüchte, Häringe, franz. Weine, Cigarren u. s. w. werden wir gern gegen Vergütung billiger Fracht auf's Prompteste besorgen.
Echzell den 5. Juni 184.8. Die Agenten
Gebr. Schwarz.
Wie sieben Todsünden.
I. A b t h c i l u n g.
Die Herzogin (Fortsetzung.) 2.
Olivier Raimund, ein junger Mann von höchstens vierundzwanzig Jahren, hatte eine anziehende, ausdrucksvolle Physiognomie; seine kurze Husarenjacke von weißem Tuche (aus welchem sich das rothe Band gut ausnahm) mit Borten von goldgelber Wolle verziert, seine hellblauen Hosen hoben seinen geschmeidigen, zärtlichen und schlanken Wuchs auf vortheilhafte Weise hervor, während seine kleine, gleichfalls hellblaue Husarenmütze, schief auf sein kurzes, gleich Schnurr- und Knebelbart hellbraunes Haar gesetzt, seiner Person vollends ein kokett militärisches Aussehen gab; nur hatte Olivier an diesem Tage statt eines Säbels einen großen Pack Papiere unter dem linken Arme, und in der rechten Hand trug er einen gewaltigen Bund Federn.
Der junge Unteroffizier legte diese friedlichen Dinge auf einen Tisch, und rief fröhlich:
— „Guten Tag, Mama Barbanson."
Nachdem derselbe der alten Haushälterin aus bald zu errathendem Grunde einige Schmeicheleien gemacht, begab er sich zu dem Oheim nach der Sommerlaube im Garten.
Jetzt folgte ein possirlicher Austritt, worin der Neffe den Oheim zu bestimmen suchte, der Alten anzukündigen, daß er einen Freund, einen Kriegskameraden zum Essen geladen habe. Aber der Oheim sckeute sich nicht minder als der Neffe vor der üblen Laune der Alten, besonders als der Neffe sagte, sein Gast sey ein Herzog.
„Mein Oheim," sagte der junge Soldat entschlossen, als Madame Barbanson während dieser Verhandlung am Eingänge der Gartenlaube erschien, „jeder Rückzug ist uns abgeschnitten . . . mein Eingeladencr kommt spätestens in einer Stunde . . . wir müssen siegen oder sterben . . . vor Hunger . . . wir und mein Eingeladener, dessen Name ich Ihnen wenigstens sagen muß: es ist der Herzog von Senneterre."
Da der Oheim indeß nicht zu bewegen war, dem Grimm seiner Haushälterin zu trotzen, so mußte der junge Husar sich dazu bequemen, wobei er aber wohlweislich den hohen Rang seines Gastes verschwieg, doch lief die Sache über Erwarten gut ab.
„Jesus! mein Gott!" rief die Haushälterin mehr erschrocken als erzürnt, und erhob die Augen zum Himmel; „ein Gast . . . und heute ist der Tag nicht, an dem wir frische Speisen haben . . . wir haben nur eine Zwiebelstippe, das übrige Rindfleisch von gestern mit saurer Sauce und einen Salat."


