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Copia, 1174.
Herr Pedell Fleischer!
Auf die Aussage von Ihnen gegen Ihren Herrn Schwager R. kann ich nicht umhin, mich schriftlich an Sie zu wenden, als sonst mein Stillschweigen darüber: ich betreibe ehelichen Zwist und sonstigen Unfug — wie Sie mich beschuldigt haben — mich als einen Mensch bezeichnen müßte, der weder Religion noch Bildung genossen hätte. Ueberhaupt scheint es mir, daß Sie vielleicht zu so etwas fähig seyn könnten, woran ich aber noch nie gedacht habe; denn solche Ideen können nur aus einem ganz niedrigen, verworfenen Character auftauchen.
Herr Fleischer! Ich erkläre Sie folglich hier- . mit so lange für einen falschen, verläumderischen Menschen, bis Sie mir Beweise liefern werden, und zwar gewissenhafte, wo nicht, so werde ich diesen verläumderischen Character öffentlich zu enthüllen wissen, indem mir mein Name und meine Ehre viel höher stehn und mir mehr werth sind, als daß ich dieselben von einem solchen characterlosen Subjekte verunglimpfen lassen sollte. Dies ist meiue Erklärung, worauf ich binnen 24 Stunden die Beweise besagter Beschuldigung verlange, sonst bin ich genöthigt, obiges Versprechen in Erfüllung zu bringen.
Gießen den 1. Juni 1848.
Theodor Bickhardt.
Auf die Nichtbeantwortung vorstehenden Briefs hin, welchen ich Herrn Fleischer kürzlich zugesaudt habe, fühle ich mich genöthigt, den eben Genannten nochmals, und zwar öffentlich aufzufordern, seine Beweisgründe für die gegen mich verschmitzt geführten Beschuldigungen, binnen der oben erwähnten Frist von 24 Stunden, mir frei und offen genügend geltend zu machen; indem ich überzeugt bin, daß ein Mensch, ver die Fähigkeit besitzt, gegen seine Verwandten mit derartigen entehrenden, und auf unverkennbarer Bosheit beruhenden Acußerungen zu Felde zu ziehen, sich auch nicht scheuen wird, öffentlich aufzutretcn und im Angesicht seines Gegners sich zu vertheidigen; im entgegengesetzten Falle rechne ich es mir zur Pflicht, eine Erklärung gegen den genannten Verlänmder einem rechtdenkenden Publikum zu veröffentlichen.
Theodor Bickhardt, Maschinenmeister.
1157.
Aus dem 8. Wahlbezirke.
Während über Deutschlands Zukunft in der konstituirenden Nationalversammlung getagt wird, richtet jeder Deutsche, dem des Vaterlandes Wohl am Herzen liegt, seine Blicke auf die Männer, welche das Vertrauen des Volkes nach Frankfurt
entsendet, um durch eine stattliche Reform die Grundrechte des deutschen Volkes sicher zu stellen und mittelst Umgestaltung aller politischen und socialen Verhältnisse den Grundstein zu Deutschlands Einheit, Größe und Macht zu legen.
Mit gerechten Erwartungen haben auch die Wahlmänner des achten Wahlbezirks den Mann ihres Vertrauens zur thatkrästigen Mitwirkung bei dem Formen und Bilden des Deutschlands künftige Geschicke bedingenden Baues gerufen und verbürgt dessen mit Umsicht und Ueberzengungstreue verbundene Redlichkeit, daß er die gehegte Erwartung erfüllen werde.
Bereits hat dcr gesinnungstüchtige Abgeordnete des 8 Wahlbezirks durch einen Antrag auf Aufhebung der Majorate und Fideikomisse in Deutschland sein erspriesliches Wirken bethätigt, indem er, die Interessen der Landwirthschaft ins Auge fassend, bemüht ist, vom deutschen Grund und Boden einen Krebsschaden, welcher in der massenhaften Anhäufung von Grundbesitz in den Händen Einzelner zu erkennen ist, für ewige Zeiten zu entfernen.
Möge der Abgeordnete des 8 Wahlbezirks auf der betretenen Bahn fortwirken, und in dem freudigen Bewußtsein, für Wahrheit, Recht und Freiheit gestrebt zu haben, seinen schönsten Lohn finden!
Schließlich wird noch bemerkt, daß der Abgeordnete des 8 Wahlaezirkö zur Unterscheidung von zwei andern Deputirten gleichen Namens in der Nationalversammlung als Hofmann von Darmstadt bezeichnet wird und eine Verwechselung und Irrung umsomehr zu vermeiden sein dürfte, als einem andern Hofmann, dem bekannten Führer der Pietistenparlhei in Würtenberg, der Aufenthalt an des Maines Strande dem Vernehmen nach schon hin und wieder durch Dissonanzen und Disharmonien verschiedener Art verleidet worden.
(Fortsetz, des Art. in der vorigen Nummer, überschrieben: Lich im Mai 1848.)
Auch in unserem Städtchen sehen wir gegenwärtig einen Beschluß des Ortsvorstandes zur Reife gedeihen, über dessen Zweckmäßigkeit man wohl mit Recht die größten Zweifel erheben sollte. Als im Jahr 1846 der hiesige Ortsvorstand beschloß, ein neues Rath- und Schulhaus unter einem Dach erbauen zu lassen, war ein großer Theil desselben der löblichen Ansicht, daß man, weil es der hiesigen Stadt nicht an Mitteln fehle, nicht blos ein dem Zweck nothdürstig entsprechendes Gebäude herrichte, sondern ein solches, das neben einer zweckmäßigen inneren Einrichtung, auch ein Aeußeres besäße, das unserer Stadt auf ewige Zeiten hin zur Z'Ä^e ge- reiche. Demgemäß wurde ein Plan unseres hiesigen Fürstl. Solms. Bauinspeetors für ungenügend besun-


