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1330.
Die Erwiederung der Metzgerzunft enthält vielfache Unwahrheiten, Nebcrtreibungen, Verdrehungen und beleidigende Ausfälle gegen mich, den Bürgermeister und den Stadlvorstand.
Wegen den Letzteren wird eine Anklage bei Gr. Stadtgericht erhoben und das Resultat demnächst öffentlich bekannt gemacht werden. Jedem Unbefangenen wird übrigens die verläumderische, ehrenkränkende und gehässige Tendenz der Erwiederung klar werden, wenn er erwägt, daß ich zu meinem Auftreten in der Volksversammlung im Leib'schen Local am 27. März d. I. und zur Vorlage einer summarischen Uebersicht der Reineinnahme an Octroi, deren Einsicht Jedermann auf der Bürgermeisterei frei steht, nicht durch das Gesuch der Metzgerzunft, das durch die abschlägliche Verfügung des Gemeinderaths vom 22. März längst seine Erledigung gefunden hatte, sondern lediglich durch die der' Einladung zu dieser Volksversammlung in Nr. 2-5. des Änzeigeblatts beigefügte Frage:
„Ist es zweckdienlich, die seither bestandene Octroierhebung aufgehoben und in Communal- umlagen zu verwandeln?
veranlaßt worden bin.
Auf außergerichtlichem Wege werde ich mich mit dieser Angelegenheit nicht weiter befassen.
Gießen den 29. Juni 1848.
Der Bürgermeister Gg. Reiber.
Ich will in Antwort auf die „vorläufige Erwiederung des Herrn Dr. Vogel vom 27. d. M." nicht bestreiten, daß ich die Unterstützung, welche derselbe dem H omberger'schen Antrag angcdeihen ließ, mißverstanden habe, allein versichern kann ich, daß von Herrn Homberger selbst, mit dem ich mich später hierüber unterhielt, und Allen denen, die ich sonst noch deshalb gesprochen, der Vor rag des Herrn Dr. Vogel ebenso wie von mir aufgefaßt worden ist. Zur Aufklärt.ng dieses Mißverständnisses, sehe ich den versprochenen Erläuterungen entgegen.
Gießen den 29. Juni 1848.
I. G. Appel.
Landwirthfchaftliches.
(Einges.) Die Moos krankheit an den Bäumen wird beseitigt, wenn man diese mit einer breiartigen Mischung von % Theilen schwefelsaurcm Kalk (Gyps) und Vt Theil Lehm, mit Wasser verdünnt,
bestreicht. Vinnen kurzer Zeit verschwindet das Moos an allen Theilen, die Bäume erhalten eine schöne, glatte, gesunde Rinde, und alle die nachtheiligen Folgen, welche die Mooskrankheit mit sich führt, als: kränkliches Ansehen der Bäume, spärliche Triebe, kleine Früchte u. s. w., sind damit zugleich gehoben. Um das Ansehen des Anstrichs der Bäume zu heben, kann man auch eine unschädliche Farbe beimischen. Andere empfehlen, das Moos im Frühjahre bei feuchtem Wetter mit einem rauhen Stück Leinwand abzureiben, doch nicht mit Kratzeisen, weil dadurch die Rinde zu ;ehr beschädigt wird; diese, sowie ätzende Mischungen müssen entfernt bleiben. Sauerer, schlechter, zu feuchter Boden und wenig Luftzug, eng von Mauern umschlossene Gärten, enge Thäler u. s. w. sind die Hauptveranlassungen der Mooskrankheit.
Wie sieben Todsünden.
I. A b t h e i l u n g.
Die Herzogin
(Fortsetzung.)
Eine schöne, mit zwei herrlichen Pferden bespannte Kutsche hielt in der Straße der Gartenlaube gegenüber, in welcher die drei Gäste beisammen saßen. — Diese Kutsche war leer.
Der Lakai, neben dem Kutscher, und wie dieser in reicher Livree, stieg ab, zog aus seiner Tasche einen Brief, dessen Adresse er zu lesen schien, schaute nach allen Seiten, als suche er eine Nummer, und verschwand sodann, indem er dem Kutscher ein Zeichen gab, zu folgen.
„Ich habe nie schönere Pferde gesehen," sagte Olivier mit Kennermiene; „sind es die Deinigen, Gerald?"
„Ei ja doch, Du hältst mich wohl gar für einen Millionär?" ich habe ein Reitpferd, und ich lasse eines der bcioen Pferde meiner Mutter für das Cabriolet spannen, wenn sie nicht ausfäbrt. Das ist mein Mar- stall . . . Das hindert mich jedoch nicht, ein außerordentlicher Pferdeliebhaber zu seyn, . . . Aber da wir gerade von Pferven sprechen, erinnerst Du Dich jenes ungeschliffenen Bengels, Namens Mormand, der auch einer unsrer Mitschüler war?"
„Mormand? Gewiß auch eine unsrer gemeinschaftlichen Antipathien; und was ist aus dem geworden?"
„Gleichfalls ein vornehmer Mann!"
„Er ... Du scherzest?"
„Ein vornehmer Mann, sage ich Dir, ein Pair, mit Sitz in der ersten Kammer, wo er dort das Wort führt, . . . man hört ihn au . . . es ist ein Candi- dat der Ministerwürde."


