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„Von Mormand!"
„Ei, mein Gott, ja, mein wackerer Olivier, er ist von Bedeutung; er ist schwerfällig, unbeholfen, einfällig (ich sage nicht dumm, sondern einfältig); er glaubt nur an sein Verdienst, ist von unversöhnlichem Ehrgeize besessen, gehört einer Gesellschaft Menschen an, die ihrer Mittelmäßigkeit wegen eifersüchtig und feindselig, oder ihrer Feindseligkeit wegen mittelmäßig find; diese Burschen schwingen sich empor mit ungemeiner Geschicklichkeit; Mormand hat einen breiten Rücken, ist geschmeidig ... er wird aii'ä Ziel gelangen . . . der Eine hilft dem Andern . . ."
In diesem Augenblicke kam der Lakei, welcher mit der Kutsche verschwunden war, denselben Weg zurück, erblickte durch das Gilter die in der Gartenlaube versammelten Personen, nahte sich und fragte, die Hand an seinen Hut gelegt:
„Meine Herren, wollen Sie mir gefälligst sagen, ob dieser Garten zu dem Hause Nr. 7 gehört?"
„Ja, mein Junge," antwortete der Commandant.
„So gehört also dieser Garten, mein Herr, zu der Wohnung des Erdgeschosses?" fragte der Bediente.
„Ja, mein Junge "
„Um Vergebung, mein Herr, ich habe schon dreimal geschellt, und man antwortet mir nicht."
„Ich bewohne das Erdgeschoß," sagte der Commandant sehr erstaunt, „was wollen Sie?"
„Mein Herr, hier ist ein sehr dringender Brief für eine . . . Madame Barbanson, welche hier wohnen soll."
„Ganz recht, mein Junge, die wohnt hier," erwiderte der Veteran immer erstaunter.
Da gewahrte er am Ende des Gartens die Haushälterin, und rief ihr zu:
„Ei, Mama Barbanson, während Sie ganz heimtückisch ein Complott machen gegen meine Rabatten, hat man schon drei Mal an der Hausthüre geschellt, und Sie hören Nichts; kommen Sie doch . , . man bringt einen Brief an Sie."
4.
Auf den Ruf des Commandanten kam Madame Barbanson eiligst herbei, entschuldigte sich bei ihrem Herrn, und sagte zu dem wartenden Diener:
„Sie haben einen Bries für mich, mein Junge? und von wem kommt derselbe?"
Von der Frau Gräfin v. Beaumesnil, Madame," antwortete der Bediente, und reichte Madame Barbanson den Brief durch das Gitter..
„Frau Gräfin von Beaumesnil?" wiederholte die ehemalige Hebamme sehr erstaunt, „die kenne ich nicht, ganz und gar nicht," während sie schnell den Brief össnete.
„Die Gräfin von Beaumesnil?" sagte Gerald mit einem Tone, der Interesse ausdrückte.
„Du weißt, wer sie ist?" fragte ihn Olivier.
„Ich habe sie vor einigen Jahren in Gesellschaft gesehen," antwortete Gerald, „damals war sie eine idealische Schönheit; aber die arme Frau ist seit länger als einem Jahre nicht aus dem Bett gekommen. Man sagt, ihre Gesundheit befinde sich in trostlosem Zustande. Um ihreni Unglücke die Krone aufzusetzen, mußte Herr von Beaumesnil, welcher ihre einzige Tochter, der die Aerzte die Süvluft verordnet haben, nach Italien geführt hatte, in Neapel an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferde sterben, daß, wenn Frau von Beaumesnil stirbt, wie man befürchtet, ihre Tochter im Aller von fünfzehn oder sechszehn Jahren Waise ist."
„Das ist sehr traurig" sagte der Commandant. „Armes Kind!"
„Glücklicherweise," versetzte Gerald, „hat Fräulein v. Beaumesnil in sofern wenigstens eine schöne Zukunft vor Augen, daß sie die reichste Erbin in Frankreich sein soll. Man schätzt das Vermögen der Beaumesnil auf mehr als drei Millionen jährlicher Einkünfte in liegenden Gütern."
„Drei Millionen jährlicher Einkünfte!" sagte Olivier- lachend: „es ist also wahr? es gibt Leute die wirklich so viel besitzen ... das eristirt ... das geht . . . das kommt... das lebt ... das spricht wie wir Andern! Du mußt mir einmal eines dieses Phänomene zeigen, Gerald."
„Zu Diensten. Ich sage Dir aber im Voraus, daß diese Personen gewöhnlich reckt häßlich anzusehen find ... ich spreche nicht von Fräulein von Beaumesnil, ich weiß nicht, ob sie ebenso schön ist, wie ihre Mutter . . ."
„Ich wäre doch neugierig zu wissen, was man beim Teufel mit drei Millionen jährlicker Einkünfte anfangen will," sagte der Commandant ganz aufrichtig, während er die Asche aus seiner Pfeife auf den Tisch klopfte.
„Ach! mein Gott! ach! großer Gott!" rief Madame Barbanson, welche während dieser Unterhaltung den Brief gelesen hatte, den ihr der Bediente eingehändigt, „ist es möglich, ich in der Kutsche, und in einer herrschaftlichen Kutsche?"
CSorif folgt.)
Berichtigungen:
In der letzten Nr. der Sprechhalle, im Aufsatze des Hrn. I. ®. Appel, in der 2ten Spalte, Zelle 16. v. oben l. statt loyaler, — legaler. In derselben Spalte, Zeile 19 v. unten l- um statt nun.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.


