Ausgabe 
1.7.1848
 
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Sprechhalle

für

zeitgemäße M i t t h e i l u n g e tt.

(Beiblatt.)

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DÄs Lnr «reV»

Es steht in deutschen Gauen ein alt ehrwürdig Schloß, Da sind wol hingezogen viel Ritter, hoch zu Roß.

Die schönste Maid auf Erden, voll Mild und Liebeszier, Soll dort errungen werden im ehrlichen Turnier.

Das hat die Maid gesprochen, das hat sie weit entsandt, Deß sind nun auch gekommen die Ritter aus weitem Land;

Und wie sie erst geschauet die wunderholde Maid, Sind sie mit Liebesglühen gegangen in den Streit.

Und hoch, ob dem Dalkone sitzt die holdsel'gc Braut

So lieb, wie man nur Eine im ganzen L md geschaut; Und ob sie auch die schönste Jungfrau im Lande ist, So hat sie nie geliebet, traun, bis zu dieser Frist.

Von Allen, so gerungen, ist's Keinem noch geglückt,

Ob sie auch edle Zierde und Männlichkeit geschmückt, Zwei Ritter, hoch und prächtig, die halten Stand im Kreis, Die müssen kühnlich streiten noch um den hohen Preis.

Auf weißem Rappen sitzet der Eine hoch und kühn, Mit blankem Helm und Panzer, im Busen mächtig Glühn;

Um seinen Nacken wallet sein lockig schwarzes Haar, Sein flammend, dunkles Auge blitzet gar wunderbar.

Der Andre auf schwarzem Rosse, 'ne mächtige Gestalt, Der hat am Lanzenschaste grimmig die Faust geballt.

Huh, wie die Rosse stampfen das laut erdröhnt die Bahn!

Huh, wie sie wacker schlagen so kühn im Liebeswahn!

Und schau dort zum Balkone, dort, wo die Zunfrau sitzt; Schau, wie der Busen woget, wie bang ihr Auge blitzt!

Ist um den schönen Jüngling, mit schwarzem Ringelhaar Auf blendendweißem Rappen,- ihr Herz wol in Gefahr?

Sie schaut so wunderängstlich hernieder in die Bahn!

Latzt ab, laßt ab! - so ruft sie - vom unheilvollen Wahn! Doch kaum ist noch verhallet der bangen Worte Ton, Hallt durch die weiten Räume ein lautes Wehe schon.

Der Ritter mit schwarzem Rappen und riesiger Gestalt, Kein Wunder, das der geschlagen den Jüngling mit Riesen­gewalt !

Nun hat er wol errungen die schönste aller Fran'n?

Das schönste aller Schlösser in weiten deutschen Gaun ?

Nein, - ruft die hehre Jungfrau - ich lieb' Euch wahr­lich nicht:

Ihr habt nicht recht gefochien nach Ritters Ziem und Pflicht;

Ihr habt mit falschen Stre chen des Jünglings Kraft gelähmt,

Ihr habt nicht jenen Jüngling, Euch selber nur beschämt!

Darum, wenn seine Wunden, die Ihr ihm fälschlich schlugt, Geheilet und genarbet, sei's aberuiat versucht;

Dann mögt ihr wieder streiten, und wer ohn' Schmach und Schänd,

Dann siegt, der sei in Ehren mein Bräutigam genannt 1«

Bis heut ist noch nicht wieder des Jünglings Wunde heil, Doch wird er wol genesen' vielleicht nach kurzer Weil: Dann aber zieht er wieder zum holden Liebchen sein, Und Heller wird dann glänzen sein Schwert im Sonnen- schein !

Und kennt ihr nicht den Ritter mit langem schwarzen Haar?

So fraget Kandern's Felder, fragt seine muthgc Schaar;

Und kennet ibr das Liebchen gar wnnderhold und traut $ Die Freiheit ist sein Liebchen, die Freiheit seine Braut!

F. Hüne.