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immer klar vor; wir wollen keine Unordnung, keine Gewalt, keine Ungesetzlichkeit bei uns dulden; wir wollen uns aber auch kräftigen und üben, daß, wenn das Vaterland und die Freiheit uns bedarf, wir gewappnet und gerüstet dastehen, unser gutes Recht und unsere Heimath zu schirmen. Wir sind darum noch lange nicht Werkzeuge der Polizei; soweit als die Behörde durch ihre anderen Mittel Ordnung und Achtung vor dem Gesetze erhalten kann, bedarf sie die Waffen der Bürgergarde nicht; insolange und soweit aber die bisherigen Einrichtungen nicht ausreichen , unterzieht sich auch die Bürgergarde gern den Diensten, welche die Erhaltung der Ordnung nothwendig macht. Wann es an den hiermit beauftragten Personen fehlt oder ihre Macht nicht ausreicht, wird sie fortfahren, Ruhestörer jeder Art zu verhaften und an den Ort zu bringen, wo sie hingehören. Sie wird den Namen unseres geliebten Ludwig und die Ehre der Stadt, deren Bürger den Eid der Treue gegen ihren Fürsten nicht brechen wollen, gegen jeden Flecken zu schirmen und rein zu halten wissen. Sie wird aber daneben in ihrer Gesammtheit nicht aus dem Auge verlieren, was jeden Einzelnen beseelt, für Vaterland, Freiheit und Recht und für unseren Fürsten, wenn es nöthig ist, bereit zu sein mit Gut und Blut!
An Herrn Professor Dr. Knapp!
Die Zeiten der Willkür sind vorüber; das Volk will an der Spitze der Geschäfte Männer haben, denen es in jeder Hinsicht sein Vertrauen schenken kann, die nicht nach ihrem, sondern nach dem Willen der Gesammtheit handeln.
Sie haben sich während Ihrer Direktion der hiesigen Gewerbvereins-Angelegenheiten nicht das Vertrauen aller, sondern nur einiger Gewerbvereins- Mitglieder erworben. In der vor wenigen Tagen erschienenen Schrift über die int verflossenen Jahre stattgehabten traurigen Vorgänge in hiesiger Lokalsektion, ist klar bewiesen, daß man weiter nichts verlangt, als daß ein neuer Vorstand von sämmt- lichen Gewerbvereins-Mitgliedern gewählt werde. Dieser Wahlmodus ist ganz dem jetzigen Zeitgeiste angemessen, und geschieht dieses, so ist aller Streit geschlichtet; sä mm t liehe Mitglieder, die sich seit Ihrer Präsidentschaft in zwei Parteien gehässig gegenüber standen, reichen sich alsdann wieder die Bruderhand. Es ist endlich an der Zeit, daß etwas gewirkt werde. Es muß unter Auderm dahin gestrebt werden, daß
1. eine Verkaufshalle für alle Erzeugnisse des hiesigen Gewerbfleißes;
2. eine tüchtige Gewerb- oder Handwerks-Schule ins Leben gerufen, ferner
3. eine Credit-Casse errichtet werde, aus der bedürftige Handwerker, die es verdienen, gegen Bürgschaft zweier ihrer Mitbürger, zum bessern Betriebe ihres Geschäftes, angemessene Vorschüsse erhalten können.
Alles dieses kann nur entstehen, wenn Einigkeit herrscht. Wir bitten Sie daher, Ihre Präsidentschaft, die unter den obwaltenden Verhältnissen doch wenig oder gar keinen Nutzen stiften kann, freiwillig niederzulegen.
Als Gewerbvereins-Mitglied haben wir alle mögliche Achtung vor Ihnen, und lassen Ihren sonstigen Verdiensten volle Gerechtigkeit wiederfahren; aber als Direktor der Vereins-Angelegenheiten dürfen Sie, wenn der hiestge Gewerb-Verein nicht bald ganz zu Grabe getragen werden soll, nicht länger bleiben. Folgen Sie daher unserer Aufforderung, und zwar im Interesse des Vereins; desto mehr werden wir Sie alsdann schätzen.
Mehrere Gewerbvereins-Mitglieder.
E n t g e g n it it g.
Da Herr Heinrich Ferber die Maliee hatte, eine Erklärung gegen mich im Wochenblatte erscheinen zu lassen, worin der Artikel, auf den sie sich be- zieht, gar nicht einmal stand, verweise ich einfach auf meine Antwort auf diese Erklärung in Nr. 17 des jüngsten Tages, in dem auch besagter Artikel erschien. Adolph W e l ck e r.
Antwort auf die Anfrage des Herrn
Kreisraths vom 23. d. M-
(Vgl. Anzeigeblatt Nr. 26. S. 225.)
In der Sache selbst mit mir einverstanden, wünscht Herr Kreisrath die Mittel kennen zu lernen, wie die hiesige Polizei, welche nicht zu entbehren ist, wirksam wieder inS Leben treten könne? Hier die Antwort:
Es ist allerdings in einer Zeit, in welcher selbst der ruhigste Bürger im Andenken an den kaum entschwundeueit Polizeistaat und an mancherlei polizeiliche, mit Denuneialions-Gebühren belohnte, Bedrückungen Einzelner, über jede Art von Po- lizei entrüstet ist, schwer, eine mit Vertrauen begleitete Polizeiwache zu vrganisiren, am schwersten in einer Universitätsstadt, in welcher durch die jugendliche Ungebundenheit Ereesse vorzugsweise vorkommen, allein um diese Schwierigkeit zu überwinden, ist vor Allem erforderlich:


