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Die Umsitzenden wurden aufmerksam und faßen mit forschenden Blicken auf die beiden Fremden. Fast mit Gewalt riß der Alte die Begleiterin von der Balu­strade zurück, aber schon war einer der zahlreichen Trabanten aufmerksam geworden und schlich sich zu Tristan, der seitwärts stand. Der gefürchtete Prevot wandte rasch den Kopf, aber der Alte, der den Blick des Oberrichters fürchten mochte, drängle sich mit sei­ner Begleiterin hastig in die wogende Volksmenge; da aber warf die junge Frau noch einen Blick der Liebe nach dem Balkon, und Tristan, der sie mit sei­nen Adleraugen verfolgte, sah in diesem Augenblick ihre sanften, verklärten Züge. Er stand ivie versteinert, er mußte sie erkannt haben. Schnell winkte er einem seiner Hellebardiers und sprach lange und anhallend mit ihm. Dieser entfernte sich dapn eiligst nach der Richtung, welche die beiden Fremden genommen haben konnten.

* * *

Das Turnier war zu Ende, die Schaaren des Volks vereinzelten sich, jeder zog seine Straße und singend und tobend schwankte der Pöbel durch die Stadt.

Auf der Straße nach Melun schritten noch spät am Abend desselben Tags eilfertig jene beiden Fremden, denen wir bereits beim Turnier begegneten. Der Mann schritt mit finsterer Miene in ängstlicher Hast weiter und sah oft mit allen Anzeigen des Schreckens hinter sich; die junge Frau wankte in sichtlicher Er­schöpfung nach und stille Thränen entquollen den schönen Augen.

Plötzlich stand der Alte still.Hört Ihr nichts?" sprach er, das Ohr sorgsam vorbeugend.Ich glaube Rossestritte hinter uns zu vernehmen. O Jeanette, Jeanette, was habt Ihr gethan? Ihr stürzt Euch, mich und ihn ins Verderben. Tristan ja ich kenne dieses Ungeheuers Falkenblick er hat Euch wieder erkannt, er wird es dem König anzeigen oder uns int Geheim nachsetzen lassen. Fallen wir in seine Hände dann sind wir verloren!"

Was gilt mir noch das Leben!" entgegnete refignirt das Weib.Ihr habt mir den letzten Trost auf dieser Erde geraubt, tobtet nun auch die schwache Hülle."

Ihr sprecht thöricht," nahm der Alte erbittert das Wort.'Vorwürfe ans Eurem Munde verdiene ich nicht. Wo wäret Ihr fammt dem Knaben, wenn ich nicht schützend meine Hände über Euch gebreitet hätte? O daß ich es gethan habe! Ihr habt es mir mit Nichts vergolten. Ich ließ Ehre, Ruhm, Reichthum hinter mir entsagte der Welt, um Euch zu gewin­nen und mein Lohn, wo ist er geblieben? Ver­mochte ich seit 17 Jahren nur ein freundliches Lächeln - Euerm Mund abzugewinnen? Vermochte ich Euch in 17 Jahren nur zu einem Zeichen Eurer Gunst zu be­wegen? Ich pstegte Eurer und des Knaben, zog irrend von einem Ort zum andern, um Schutz zu

suchen! Ihr hattet nur den Namen jenes Scheusals in Eurem Munde!"

Still, ergeben, gesenkten Blickes hörte die sunge Frau die Vorwürfe ihres Begleiters.

Ihr habt Recht, Jeoffrop," lispelte sie dann.Ich konnte Euch nie gewähren, was mein Herz ihm, dem Einen geschenkt. Heißer, heißer Dank, mein Freund; mein Leben hätte ich Eurer Großmuth willig geopfert, aber Liebe konnte ich Euch nicht schenken, Ihr habt mir den Knaben geraubt und ich werde dahin welken, bald, bald, und Euch die Freiheit wieder geben."

Des Knaben Geschick erheischte es nicht anders," entgegnete er streng.Glaubt Ihr, fein Feuergeist hätte sich zeitlebens in unsere Wälder bannen lassen? Er ist wohl,bei Hof aufgehoben, .dafür seyd sicher!..."

Er wollte noch mehr sprechen, aber eine Staub­wolke stieg rückwärts auf und in rasender Eile flüch­teten sich die Beiden in das Gehölz zur linken Seite. Die Reiter kamen angestrengt, es waren königliche Hellebardiers, wohl bewaffnet; an ihrer Spitze ritt ein gemeiner Bürger aus Paris.Wenn ich's Euch sage," stritt dieser, mit den Händen gestikulirend,auf der Straße nach Melun sind sie gesehen worden und einen Sol gegen ein Livre, hier rechts oder links im Walde stecken sie."

Desto besser für uns," seufzte der Anführer, sich den Schweiß abwischeud.Ich bin des Reitens müde. Steigt ab, Gesellen, und durchstöbert das Gebüsch. Laßt die Hunde los."

Die Meute rannte rechts und links, bellend und knurrend in den Wald, die Kriegsleute nach, nur der Anführer und der Bürger blieben zurück.Hundert­fünfzig Sous einem Seiten," murmelte der Erste leise vor sich hin,und wer weiß, was für mich noch ertra absällt! Der Großprevot ist ein gewaltiger Herr." Eine Viertelstunde blieb Alles still, da schlugen die Hunde an! Halloh hin, Halloh her Schwerterge­klirr erhob sich. Der Anführer stürzte mit lautem Jubel in das Gehölz.Wir haben sie, wir haben sie!" scholl es zurück.Nur das Weib nehmt, das Weib!" schrie der Anführer der Hellebardiers,den Kerl schlagt tobt."

Da brachten eben drei der rohen Kriegsleute jene junge Frau ohnmächtig herausgeschleppt.Und wo habt Ihr den Andern gelassen?" fragte der Haupt­mann.

Der liegt drin im Gebüsch!" rief Einer zurück. Er hat sich feiner Haut und für die Frau da ge­wehrt wie ein Bär, ich hab ihm aber eins über den Kopf gehauen und da hat er genug gehabt."

Recht so," sagte der Anführer, zufrieden nickend, jetzt einen Knebel dem Weib in den Mund, und dann schnell nach der Stadt zurück."

Der Hauptmann hob bei diesen Worten die ohn­mächtige Frau vor sich auf den Sattel und in gestreck-