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der König ließ ihn wegen dieses Treubruchs im Bilde aufhängen; aus Rache darüber zettelle er jenes Atten- rat an.

Im ganzen Reich wurden wegen dieser Lebensrettung Freudenfeste angcstellt und der König befahl der Geist­lichkeit, den Namen Pascals in ihr Gebet einzuschalten. Der Jüngling wurde mit Gütern und Geschenken überladen, die Großen des Reichs wetteiferten mit einander, ihm ihre Ergebenheit zu bezeugen. Pascal selbst blieb traurig denn Clotilden sah er nicht unter denen, die ihn umgaben, Clotilde war an jenem Abend nicht in die Kapelle gekommen.

Die Reihe der glänzenden Feste sollte mit einem prachtvollen Turnier beschlossen werden. Was das Königreich an Glanz und Reichthum besaß, mußte an diesem Tage vereint werden. Da strömten aus allen Provinzen Frankreichs die edlen Ritter, Grafen, Her­zoge und Fürsten zusammen, keiner der gerufenen Ba­salten blieb zurück. Paris hatte seit Jahrhunderten so unerhörten Glanz nicht gesehen. Wessen Feder ver­mag all die Auszüge ver Ritter, ihre Kampfspiele, die Schönheit der Frauen, ihren Schmuck zu beschreiben? Unsere Vorfahren prunkten selten, aber wenn cs ge­schah , dann kannten sie keine Grenzen und der elende Flitterstaat unseres Jahrhunderts muß beschämt davor zurücktreten.

5.

Zwei Tage hatte bereits das Turnier gewährt und ungeheuer war der Andrang von Menschen, der un­aufhörlich zu allen Thoren hereinströmte. Nach dem Platz, der jetzt place de la Concorde heißt, drängte sich daö neugierige Volk der Pariser in unabsehbaren Schaaren. Dort waren hohe, gewaltige Gerüste um die Schranken gezimmert und noch ehe die Sonne sich erhob, waren die Sitze schon besetzt. Da sah man die ehrbaren Bürger der Hauptstadt streng abgesondert nach Rang und Reichthum. Die 61 Fahnen mit dem weißen Kreuz und den Insignien jeder Znnst wehten lustig im Morgenwind. Der Pöbel mußte sich, mit den schlechtesten Plätzen begnügen und Tristan mit seiner Schaar eilte geschäftig die Reihen entlang, um Diebereien und Unruhen zu vermeiden. Auf den präch­tig geschmückten Baikonen saßen der König und die Großwürdenträger. Die Herolde bliesen und verkün­deten den Herren das Beginnen des Stechens; Keiner, der seine Ahnen nicht vierhundert Jahre hinaufführen konnte, wurde für turnierfähig erachtet. Da r.tten auf prächtig geschmückten Rossen die Ritter in schim­mernden Silber-, Gold- und Stahlrüstungen in die Schranken. Vor Jedem ging ein Herold voran, der das Banner seines Herrn trug. Das Volk empfing die Gewaltigen mit lautem Jauchzen und die Zinken und Trommeten schmetterten lustig darein. Endlich begann das Rennen. Da sah man die Reichsmar­schälle, den gefürchteten Camincs, Dammartin, Du-

bouchage, den Herrn von Eraon, Jaques von Damas, Johann von Daillon, den der König denErzgcschick- ten" (le maitre des habilites) nannte. Bald stach man einzeln, bald zu vier oder zu acht; manchmal kämpften ganze Reihen es war ein herrliches Schau­spiel. Nach jeden» Gang, wo neue Lanzen oder Schwerter gereicht wurden, ließ man dem Volk und den Damen Zeit zum Plaudern.^. Nun wurde wacker die Geißel der Satyre geschwungen, wer sich linkisch oder feig benommen, wurde tüchtig durch die Hechel 'gezogen. Dagegen rühmte man den Anstand, die Hal­tung der Sieger, jhre Großmuth, den Schimmer ihr r Waffen und Rüstungen. In eine der vorderen Reihen hatte sich ein wohlgekleideter Bürger aus der Provinz, wie es schien, gedrängt. Er und seine Begleiterin verfolgten mit gespannter Aufmerksamkeit den Gang des Festes, während indeß die Augen des Mannes mit glühender Kampflust auf den Rittern hafteten, schweiften die Blicke des Weibes in die Höhe, auf den Batkonen schien sie den Gegenstand ihrer Aufmerksam­keit zu suchen. Die Frau mochte ehemals schön ge­wesen seyn, ihre Züge drückten Sanftmuth und Milde aus, aber, ein Gefühl des Schnierzes, des erlittenen Grames zuckte um den feingeschnittenen Mund. Sie mochte kaum 3® Jahre zählen. Ganz anders dagegen ihr Begleiter. Trotz und Härte schauten aus den buschigen Augen heraus, eine finstere Verschlossenheit schreckte von ihn» ab und der ungeheure Bart, der sein sonst nicht ganz unschönes Angesicht umwogte, erhöhte jenen finsteren Ausdruck. Er mußte wohl um zwan­zig Jahre älter als seine Begleiterin seyn, denn sein spärliches Haupthaar war gebleicht und ein kahler Scheitel bedeckte den Hinterkopf.

Jeoffroy," sagte dje Frau mit leiser Stimme,saht Ihr ihn noch nicht? Ach, ich beschwöre Euch, wen­det Eure Blicke auf den .Balkon und helft mir den suchen, an dem mein mütterliches Herz so innig hängt."

Wollt Ihr Euch verrathsn?" knirschte der Alte in­grimmig;was verspracht Ihr mir, als ich Euch mit hierher nahm? Unselige, Ihr werdet Euch und mich ins Verderben stürzen."

Die schöne Frau unterdrückte gewaltsam ihre Thränen.

Es ist nun schon länger als ein Jahr," lispelte sie schmerzlich bewegt,daß Ihr ihn von meiner Seite gerissen; ich müßte vergehen vor WehMuth, wen»» ich ihn heute nicht erblicken könnte. Ach,^ nur einmal, Jeoffroy, nur einmal vergönnt mir, ihn an mein Herz zu drücken!"

Gebt nicht so thörichten Hoffnungen Raum," sagte düster der Mann,das kann nie mehr geschehen, wenn Ihr Euren Sohn sammt Euch nicht verderben wollt!"

In diesem Augenblick erschien Pascal an der Seite des Königs. Die junge Fra»» stieß einen halblauten Schrei des Entzückens aus, als sie den Jüngling er­blickte und streckte die Arme sehnsüchtig nach ihn» ans.