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tem Galopp schlug die Cavalcade den Rückweg »ach Paris ein.
Der Abend war herangekommen, die Stadt schimmerte in dem Glanze von tausend und aber tausend Fackeln. Rauschende Musik erscholl überall, aus den Sälen des königlichen Palastes, wie aus den festlich geschmückten Häusern der reichen Bürger. 'Das Volk trieb sich, trunken des Weines, der überall im Ueber- maß gespendet wurde, Straßen auf, Straßen ab und sang Jubellieder auf seine Unterdrücker.
Was aber Frankreich an Glanz und Reichthum zu bieten hatte, das war an diesem Abend in de» Sälen des Louvre vereint. -Der König hatte, auf Pascal's Wunsch, die beiden Schwestern aus Berry gleich Fürstinnen geschmückt und neidisch sahen die anderen Damen auf die beiden schlichten Edelfräulein herab. Leokadia sonnte sich in den. Glanz, der sie umgab, ihr stolzer Sinn hätte eine untergeordnete Rolle nicht ertragen. Sie wußte, wen: sie den erborgten Schimmer verdankte und verwünschte das Geschick, das sie von Pasral entfernte. Wie ganz anders dagegen Clotilde! Dieser äußere Prunk stand ihrer Bescheidenheit schlecht; wie gern hätte sie ihn von sich abgestreift, hätte es der lästige Hofzwang geduldet.. Ihr Auge suchte Pascal und wandte sich dennoch wieder scheu von ihm ab, wenn es ihn erblickte. Sie liebte den Jüngling und wagte es nie zu gestehen. Sie känipfte den schmerzlichen Kampf der Entsagung. Nie, so wähnte sie, durfte sie durch ihre Liebe den aufstrebenden Flug dieses jugendlichen Aars hemnren.
Pascal nahm nur ungern seinen Platz in der Nähe des Königs; diesen trügerischen Glanz hätte er willig einem Moment in Clotitdens Armen geopfert. Da schob ihm plötzlich ein Page einen Zettel in die Hand. Der Jüngling erschrack freudig; sollte Clotilve jenes versäumte Rendezvous in der Capelle gut machen wol. len? Der Zettel hatte keine Unterschrift, aber auf Flügel» der Liebe eilte der Glühende nach dem traulichen Closet, das ihm angewiesen wurde. Er öffnete die Thüre, ein wollüstiges Halbdunkel herrschte im Cabinet und nachlässig hingeworfen ruhte auf den, Lotterbett eine weibliche Gestalt. Mit dem Ausruf: „Clotilde!" stürzte der Jüngling auf'fie zu — und blieb, wie vom Donner getroffen, stehn, — es war Leokadia. Entrüstet erhob sich das Mädchen und rief erzürnt: „Clvtilde und immer Clotilde, schwärmerischer junger Mann, hüte Dich vor dieser gleißenden Schlange!"
Pascal erhob sich mit Hoheit: „Was gibt Euch Veranlassung, die Schwester zu schmähen?" fragte er erbittert. „Was gibt Euch Veranlassung, mich zu ungewöhnlicher Stunde zu Euch entbieten zu lassen?"
Leokadia verhüllte weinend ihr Angesicht in die Kissen.
„Undankbarer!" schluchzte sie, „ist das mein Dank für ein Herz voll Liebe? Ich nur allein, Pascal, ver- mag zu fühlen, jenes kalte Steinbild kennt nicht die sanften Regungen, die das Weib veredeln. Ach, Pascal, ich liebte Euch, als ich Euch sah, ich hätte Euch willig Alles geopfert, aber Ihr wandtet Euch ab von mir und schenktet Euer Herz jenem kalten Götzenbild, das Ihr anbetet. Pascal, ich konnte es nicht länger ertragen, ich vermochte es nicht, dieser verzehrenden Gluth im Innern zu gebieten. Verdammt mich nicht, daß ich die Bahn gebrochen, aber könnt Ihr »meinen Untergang begehren?" (Fortsetzung folgt.)
Sträußchen für Damen.
Lilie.
Auf dem Lager seufzt die Jungfrau, Bleich ist ihr die Wang';
„Mutter! Horch! den @ang.
Gilt er mir, der armen Kranken? — Hörst Du, Mutter! Himmelsklänge! Engel singen leis
Ihres Gottes Preis!
Mutter, weinst Du zu dem Sange?
Still', o stille! - Sieh' ein Engel Schwebt zu mir herab. Traurig, wie das Grab! — Mutter, steh' die schöne Lilie!" _ Stille wird's, der Engel rührt sie Mit der Lilie an: „Komm' mit mir hinan, Droben winket sect'ger Friede!" Auf dem Lager ruht die Jungfrau, Schmerzen sind gestillt!
Seel'gcn Friedens Bild Ruht sie — eine weiße Lilie! —
(Verspätet.)
1375) Ball-Anzeige.
Freitag den 30. d. M. wird Unterzeichneter im Saale des Herrn Busch seinen Abschieds-Ball geben. Sollte aus Versehen die Subscriptions- liste manchem der verehrten Theilnehmenrvollcnden nicht zngikommen scyli, so liegt dieselbe bis znm Tage des Balles in seiner Wohnung, Gasthaus zu», Einhorn, offen.
C. Hummel.
1378) Benachrichtig» n g.
Die auf Morgen den 28. l. M. festgesetzte Parthie in den Philosophenwald ist des eingetretenen Regenwetters wegen bis aus Weiteres aufgeschobcn worden.
Gießen den 27. Juli 1847.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'fchen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


