Ausgabe 
27.11.1847
 
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nur sein VerhLltniß zu Rosalien zu entdecken, sondern ihn auch näher von dem unglücklichen Schicksale ihrer Eltern zu unterrichten. Und da habe denn der Kron­prinz geäußert;Harder's muß wieder aufgeholfen werden! Harder ist ein braver, ehrenwerther Mann, und sein HauS war stets eins der solidesten im gan­zen Lande!"

Hierauf legte Werner Harder's zu ihrer unendlichen Ueberraschung ein allerhöchstes äußerst gnädiges Schrei­ben des Kronprinzen vor, durch welches dem Com- merzienrath eine Summe von 500,000 Thalern zur Disposition gestellt wurde.

Jetzt verwandelte sich die Stimmung der Harder'- schen Familie in Wonne und Jubel. Werner stand wie ei» Gott vor ihnen, beglückend und Segen bringend.

Auch der Lieutenant von Rosenfeld und Caroline kamen zu der frohen Scene. Die beiden Paare be­schlossen, ihre Hochzeit an eine m Tage zu feiern.

Bald waren die vier glücklichen Liebenden verbun­den. Dem Commerzienrath gelang es mittelst der ihm gewordenen Fonds schon binnen Jahresfrist sein Haus wieder zu dem alten, ja noch zu größerem Glanze zu erheben. Villani sowohl als auch die andern Gläu­biger wurden von Heller zu Pfennig befriedigt. Das Unglück schien sich an Harder erschöpft zu haben; fast alle seine Speculakionen krönte der seltenste Erfolg. Das Versprechen, nickt wieder zu spielen, hat Rosen­feld seiner Caroline treulich gehalten. Werner wurde nach einigen Jahren Geheinierath. Als er kur; darauf bei einem Aufenthalt in L an der Hand seiner Rosalie dem wackeren Hellmuth begegnete, rief ihm dieser zu:

Nun, habe ich mit dem Heirathen nicht Recht gehabt V

Feuilleton.

(Für Auswandrer nach Amerika.)

Wer seine Heimath, Verwandte und Freunde ver­laßen will, ohne von der Noihwendigkeil dazu gewie- ben zu feyn, der prüfe sich zuvor reiflich, ob er auch den Kreis der Genossen seiner Kindheit, die Freunde des Mannesalters und das gesellige Leben Deutschlatids überhaupt hinter sich lassen könne, ohtie sich jenseits des Meeres dahin zurückzusehnen. Nur da, wo in Amerika eine größere Anzahl Deutscher schon längere Zeil beisammen wohnt, nur da gibt es Wirthshäuser nach denlfcher Art, nur da ertönt an Sonn- und Fest­tagen die Geige zum Tanze; sonst aber ist der deutsche Ansiedler auf dem Lande auf den Kreis seiner Familie, auf den Umgang mit einigen seiner nächsten Nachbarn beschränkt, die vielleicht nicht einmal Deutsche sind. Wem dieses nicht zu seiner Erholung von der Arbeit genügt, der bleibe daheini und denke nicht mehr an8

Auswandern." Zu dieser Stelle aus einem Buche: Rakhichläge und Warnungen für Auswanderer w." fügt die Auswanderungszeitung noch folgende Erläute­rungen. Die Sonntagsfeier ist in den Vereinigten Staaten sehr streng, und selbst da, wo eine größere Anzahl Deutscher beisammen wohnt, wird ein Sonn- tagstan; den unter ihnen oder in ihrer Nähe wohnen­den Amerikanern sehr auffallen und Anstoß geben; also auch den Sonntagstanz muß der Einwanderer, wenn er gegen die Sitte und Gesetze des Landes nicht verstoßen will, Verzicht leisten. In den größeren Städ­ten werden von den Deutschen in der Woche Bälle gegeben, auf denen es sehr vergnügt zugeht; doch dürfen keine Irländer und amerikanische Wafers (Tagediebe) zugelaffen werden, sonst gibt's Scanval. Festtage hat man dort streng genommen nicht. Die presbyterianischen, methodistischen und baptistischen Secten, welche die ver- breitesten sind, kennen keine Weihnachten, keine Ostern, keine Pfingsten u. s. f. Der größte Festtag ist der vierte Juli, zur Erinnerung an die Unabhängigkeitser­klärung. Wer dorthin auswandert, muß sich darauf gefaßt machen, im Kreise der Familie, wie ganz richtig bemerkt worden ist, seine Erholung zu finden, denn nicht immer conveniren auch die deutschen Nachbarn, Klätschereien sind nicht minder dort zu Hause, wie hier.

Schweine als Damen.

Ein humoristischer Beitrag zu den Versuchungen und Leiden, welche mit der Schlacht- und Mahlsteuer verknüpft sind, kommt uns von Stettin zu. __ ®n

Schlächter daselbst kam unlängst auf die fein ausgeson­nene Idee, zwei, in einem, von jener Steuer freien benachbarten Städtchen, geschlachtete Schweine mit einem Damenanzuge zu versehen, sie so ausstaffirt in auf­rechter Stellung in eine Droschke, und sich selbst, als begleitenden Herrn, dazwischen zu setzen, auf welche Weise er die Schlachtsteuer für die Schweine beim Einbringen in die Stadt zu ersparen hoffte.

Obgleich es schon sehr dunkel war, so kam dem Thorschreiber die Sache doch nicht so recht kauscher vor und suchte sich durch handgreifliche Manöver über das Sehn und Nichtseyn der Pseudo-Damen Kenntniß zu verschaffen. Sapperment! der Thorschreiber roch den Braten und unser Fleischermristcr kam in nicht geringe Verlegenheit, als der Thorschreiber die Damen ohne alle Umstände für Schweine erklärte.

Der Schlächter mußte nicht nur die Schlachtsteuer, sondern auch noch eine bedeutende Desraurationsstrafe erlegen. Das Aufputzen der zu Damen erhobenen Feinde Israels, sowie die Kosten der Droschke, kamen auch noch in Anschlag und was das Schlimmste ist, Fleischerchen wird von der ganzen Stadt ausgelacht und gefoppt, wo er sich blicken läßt.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.