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Gutenb e « g.
Stumm saß, bad Haupt gebeugt, in tiefem Sinnen Hanns Gutenberg in längst vergang'ncr Zeit; Das große Heil der Völker zu gewinnen, Gab ihm bad Wesen ber Unendlichkeit!
Und was ber Wahn ber Pfaffen mocht beginnen, Dem Sieg bes Lichtes wich die Dunkelheit.
Das große Werk könnt' nicht im jSturtif zerstieben, Es lebt und wirkt in kunstgeformten Tppen!
Ein Chaos dunkler, trüg'rischcr Gestalten War noch die Welt, in öde Nacht gebannt. Nur Willkühr schwang die Geisel, blindes Walten Beherrschte nur das dunkle Schattenland.
Nichts Edles könnt', nichts Schönes sich entfalten. Fern lag des Lichtquells goldner Blumenstrand. Die Wcltenlehr', von Christus uns gegeben, Könnt' himmelan im Pfaffenthum nicht streben! Die Himmclsblüthe lag gebeugt im Staube, Fremd blieb ihr Heil dem menschlichen Geschlecht', - Die kalte Brust, ach! floh der fromme Glaube, Und so blieb ferne: Wahrheit, Lieb' und Recht! Dieß Alles war dem blinden Wahn zum Raube, Dieß war sein schwarzes, höllisches Geflecht'. Das öde All' verschloß der Tugend Blülhen, Das Herz erstarb in liebelosem Brüten!
Da plötzlich zückte, wie vom Blitz getragen,' Des Lichtes Fackel durch die Erdennacht!
Es fing im Dunkel mächtig an zu tagen, Der Geist erstand in Heller Strahlenpracht! Die Stunde hatte dir, o Welt, geschlagen, Das Riesenwerk der Liebe war vollbracht! Genesen war das große Weltenübel, Gedruckt von Gutenberg die heil'ge Bibel!
Die Nacht verschwand! — Ein heit'res Morgenglühen Stieg segnend nieder zu der Völkerschaar, Des Herzens Keime fingen an zu blühen, Im Geiste ward es Helle, ward es klar.
O großer Meister, edel war Dein Mühen, Ein Denkmal bleibt's der Menschheit immerdar! Du brach'st des Wahnes nachtgedeckte Schranken, Gabst hohen Schwung den bleiernen Gedanken! Und fester schloffen sich der Menschheit Bande, Und Eintracht kehrte in die Herzen ein, Das Christenthum, das hehre, gottverwandte, Erblühte segnends hell im Aetherschein!
Der Mensch, er sehnte sich nach jenem Lande, Erkannte nun erst fein erhab'ncd Sepn.
Und in des Wissens goldnen Götterarmen -Fing nun die Brust an lieblich zu erwärmen!
Und was der Weise sinnt' im stillen Zimmer, Was in der Brust ihm, in der tiefen, glüht, Uno was dem Dichter bei der Lampe Schimmer Die Seele leis, wie Götterhauch, durchzieht. Und was des Forschers Äug' im Sterngeflimmer In späten Stunden mit Bewund'rung sieht: Das trägt die Kunst des Büchcrdrucks auf Schwingen Durch alle Welt, läßt's zu den Herzen dringen! O schöne Kunst auf hohem Strahlenthrone!
Erhab'ne, stolze Lichtverbreiterin!
Die Vorzeit gab den Lorbeer Dir ^um Lohne, Von Jungfrau'« Hand gepflückt mit keuschem Sinn — Die Gegenwart reicht Dir die Dornenkrone, Wirft das Verdienst Dir karg und schlicht dahin.
Du stiegst empor zu aller Welten Wonne, Doch Deinen Jüngern sank die heit're Sonne!
O Gutenberg! verklärter, großer Meister, Nur einmal steig' zu Deiner Kunst herab; O steig' herab Du am? dem Reich der Geister, Schau' Deine Jünger an dem Traüerstab. Vergebens! dort in sel'gen Sphären kreist er, Das Jenseits nie ein Herz zurück uns gab. Nur wenn wir selig einst zur Grube steigen. Will ed verklärt uns das Verlor'ne reichen!
Theodor Looo.
Sträußchen für Damen.
(Schluß.)
Vergißmeinnicht.
An der Quelle lag ich schlummernd, Ihr Gemurmel fang mich ein. Und ein Traumbild mich umschwebte, Hell wie Frühlings goldner Schein: Und ein Blümchen stand am Wasser, Blühte da so schön und licht;
Horch! da singt's in leisem Flüstern: „Nenne mich Vergißmeinnicht, An der Quelle blüh' ich einsam, Blau und golden ist mein Kleid, Doch mich atm unscheinbar Blümchen Flieht der Jugend Heiterkeit. Ach, der Thau in meinem Kelche, Eine Thräne ist's im Auge, Sonst war's eine Freudenthräne, Doch sie starb in Schmerzes Hauche. Meine Schwestern brach der Knabe, Steckt' sie an des Mädchens Brust, Und sie schauend, denkt Sie seiner. Und so blüh'« sie fort mit Lust.
Meine Schwestern flocht die Jungftau Alle liebend sich zum Kranze, Gab ihn hin dem Treugdliebten, Blüh'n so fort im stillen Glanze. Und die letzten wand ein Bruder , Trauernd noch zu einem Strauße, Weihte ihn der tobten Schwester, , Die ihm schläft in stiller Klause.
Ich allein, ich blieb vergessen. Ohne Freube muß ich blüh'n, Keine Hand will mich noch pflücken Und so welk' ich einsam hin." Blümlein schwieg. Sein leises Flüstern ’ Klang so bittend zu mir über, Wollt' es pflücken — da erwacht' ich, Murmelnd zog der Bach vorüber.
Und so nehmt denn, holde Schonen, Zu dem Sträußchen klein und schlicht, DaS ich hier für Euch gewunden, Freundlich dieß — Vergißmeinnicht! er.
R ä t h s e l.
Mancher hat's am Stiefel. Mädchen wohlqemuth Liebens vor dem Bufen, beiden steht es gut.
Druck und Verlag der G. D. Brüpl'scheu Buch- und Steindruckeren*


