Decke schwebt eine Alabasterlampe, die ein angenehmes Licht verbreitet; die Wände sind mit einem wohlthuen- den Grün überkleidet, gegen das wunderschöne Gemälde in Goldrahmen reizend abstechen; eine überaus reiche Toilette steht vorn in der Nähe des einen Fensters, daneben ein ganz neues Kamin, auf dem eine Menge Zimmerblumen blühen, gegenüber steht ein grün- damastenes Ruhebett. Den Hintergrund des Zimmers nimmt ein überaus schönes Bett ein, neben das ein moderner. Lehnstuhl gerückt ist. Hier sitzt eine junge Dame. Ihr Köpfchen, das sie unS nicht zukehrt, lehnt traurig auf der weißen schöngeformten Hand, und ihr Blick haftet ängstlich auf einem bleichen Gesichtchen, das unter der seidenen Decke des Bettes halb versteckt ist. Jetzt erregen Schritte auf der Flur ihre Aufmerksamkeit. Sie erhebt sich so leise als möglich, eilt der Thüre zu, die sie geräuschlos öffnet. Mit tiefer Verbeugung naht ein ältlicher, freundlicher Mann. Nach den ersten Begrüßungen zieht ihn die Dame zum Lager der Kleinen, die in sanftem Schlafe ruht; und, einen fragenden Blick auf diesen Mann heftend, flüsterte sie:
„Was meinen Sie, Herr Doktor. Geht es besser?
„Beruhigen Sie sich, gnädige Frau," entgegnete leise der Arzt, „ich finde sie weit besser, als vor einer Stunde, da ich sie das erstemal sah. Die Kleine, hat nur Erholung, Stärkung und Ruhe nüthig. Wer wird denn auch unter Ihrer Pflege sterben mögen?" setzte er schmeichelnd hinzu. Doch die Dame verwies ihm diese Aeußerung lächelnd und winkte ihm nach einem Nebengemache.
„Sie wissen noch gar nicht, lieber Herr Doktor," Hub sie hier an, „wie ich zu diesem armen Mädchen gekommen bin. Ja, sehen Sie, das ist eine ganz eigene Geschichte; und ich halte mich für verpflichtet, ste Ihnen zu erzählen, wenn Sie mich nicht zu unterbrechen geloben."
„Ihr Zutrauen gnädige Frau, freut mich ungemein" entgegnete der Arzt, „und mit vielem Vergnügen gebe ich das Versprechen."
„Denken Sie sich," sprach sie weiter, „denken Sie sich, ick wäre heute bald die Mörderin dieses Kindes geworden. Wie sie ja wissen, sollte ich heute Abend der Vorstellung der fremden hohen Gäste bei Hofe anwohnen und bin auch dort gewesen; aber ich sehnte mich balv nach Hause. Daß mein Verschwinden nicht so bemerkt würde, hatte ich meinem Kutscher befohlen, auf einem Nebenwege nach Hause zu fahren. So kam ich nun durch mehrere öve Gassen. Nicht weit vom Christophthore hält mein Kutscher Plötzlich. Ich zog an der Schnur und fragte ihn, was das zu bedeuten habe. Da antwortete er mir ganz erschrocken, cs liege Etwas vor seinen Pserden, das ihm wie ein Kind vorkomme. Denken Sie sich — ein Kind. Ich dieses hören und zum Schlag hinaushüpfen war Eines. Ach, was sah ich! — wirklich, ein armes Kind, das
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aus einer Kopfwunde heftig blutete, halberstarrt auf dem Boden liefen. Ich schauderte vor dem Gedanken, daß vielleicht meine Pferde dieses arme Wesen hätten zerstampfen können."
(Fortsetzung folgt.)
Eine der Hauptursachen der, vorzüglich in den letztvergangenen beiden theucrcn Jahren hervorgetretenen Armuth so vieler Familien, ist der gänzliche Mangel an Sparsamkeit im ledigen Stande.
Hätte die Frau in den letzten 10 Jahren vor ihrer Verheirathung in den manchen Feierstunden jährlich nur 50, also wöchentlich 1 Stück Garn gesponnen und für sich verweben lassen, so würde sic den neuen Haushalt freudiger beginnen können, denn sie hätte dann nicht nur für gesunde, sondern auch für kranke Tage die erforderliche Leinwand auf geraume Zeit, während jetzt die Aerzte und Hebammen oft bei noch jungen Leuten nicht einmal das Wenige an Leinen finden können, was ne notwendig gebrauchen, nicht zu gedenken, wie sehr bei solchem Mangel die Reinlichkeit und somit die Gesundheit leidet. Kann man ja oft in der verkommenen jungen Ehefrau das noch kurz- vorher so schmucke Mädchen kaum wieder erkennen.
An vorräthige Strümpfe und dauerhafte, solide Kleidung wird in den Blüthe-Jahren gar nicht gedacht, denn die Sorge für Mützen, Hüte, Mäntel, Umschlagetücher, Gürtel und wie die unentbehrlichen Dinge alle heißen, läßt dazu keine Zeit, so wenig, als die zur Erholung dringend erforderlichen Besuche der nahen und fernen Belustigungsorte und der so häufig wiederkehrenden Festlichkeiren, bei denen die Fremden die meiste Einnahnte bringen, einige Thaler jährlich in die Sparkasse wandern lassen. Ist ja doch nicht einmal Zeit, für sich selbst zu stricken, zu stopfen und zu nähen, wovon die vielen Bestellungen an Strickerinnen und Näherinnen laut zeugen. Freilich muß man in diesem Falle bedenken, daß während des schlechten Schulbesuchs auch nicht einmal so viel gelernt ist, und so ist cs denn besser, die freie Zeit und die Stunden, weiche man der Arbeitszeit entwendet, an der Thür oder beim Wandeln im Mondscheine selbander sich zu Nutze zu niachen, als zwischen den vier Wänden seine Sachen zu rüstern, oder sich die erforderlichen Fertigkeiten nachträglich durch fleißige Uebung anzueignen. Das Erlernen des Spinnens, dessen sich einst Königinnen nicht schämten, einem heutigen sogenannten Fräulein zuzumuthen, wäre freilich ein unerhört hartes Ansinnen.
Auch der Junggeselle kann nach Bestreitung der Ausgaben für Bier, Branntwein, Pfeife, Tabak, Cigarren, Festgelage re. re. keinen Groschen erübrigen, um dermaleinst die ersten Einrichtungskosten eines klei-


