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dieser übel eingerissenen Maxime? dies will ich deutlich an den Tag legen, nämlich: zur Erlernung eines künstlichen Handwerks und Manusacturs, durch welche ein Land und Fürst mächtig und reich werden soll, werden lauter dumme Narren gebraucht, eben ob gehörte nicht ebenso viel oder mehr Naturell dazu, wenn einer ein Handwerk recht excoliren, als wenn er lernen sollte, wie er dermalen einstens einem Bauer einen Hochzeitsbrief schreiben, oder eine Suppli- cation an seinen Pfleger oder Richter stylist'ren könne. Wie soll denn die Erhebung des Handwerks und der Mauufaetur von solchen Ausschößlingeu zu hoffen seyn!
Die Verachtung des Handwerks ist daher eine der Hauptursachen, daß die Manufacturen in Deutschland nicht empor kommen können. Dagegen ist es mit immer nichtsnützigen, eitelem, bösen Gesiiidlein angefüllt, was unter dem Vorwand der Studien in seiner Jugend ein privilegirtes ruchloses Leben führt." Soweit der alte deutsche, etwas derbe Baron.
(Wird fortgesetzt.)
Der Bastard von Gemappe.
Historische Erzählung von F Menk.
(Fortsetzung)
Clotilde empfing heute den Geliebten mit zärtlicher Besorgniß; es waren vierzehn Tage verstrichen, seit sie ihn nicht gesehen, und namenlose Qualen innerer Seelenangst hatte sie währenddeß erduldet. Die Falten auf seiner Stirn vermochten nicht, sie gleich wieder aufzuheitern, und erst als die zärtlichen Grüße der Liebe vorüber waren, wagte sie schüchtern eine Frage. PaScai fürchtete, dem Mädchen die Gefahr, in welcher er schwebte, mitzutheilen; er zog ein Kästchen aus dem Busen, welches die werthvollsten Geschenke des Königs enthielt.
„Nimm," sprach er düster, „nimm, meine Clotilde, es könnten Zeiten kommen, wo wir dieses Mammons bedürfen."
„Du erschreckst mich, Ludwig," sagte das Mädchen. „Du, der allmächtige Günstling des Königs, der Dir dreimal sein Leben verdankt: wer sollte den Versuch wagen, Dich zu stürzens"
„Baue nicht auf die Gunst der Großen," sprach monotonisch der junge Mann. „Sie leihen ihr Ohr höhnischen Einflüsterungen und wer noch vor wenig Monden hoch stand, kann lief sinken!"
„Wehe mir, was sprichst Du!" rief Clotilde entsetzt. „Was hast Du, der Engelreine, verschuldet?"
„Mein Gewissen ist frei," entgegnete Pascal feierlich, „aber wie leicht ist der Argwohn der Großen zu erwecken? Clotilde, ich bin nicht mehr sicher zu Plessis - les - Tours. Willst Du Frankreich mit mir verlassen ? . . ."
„In den Tod mit Dir, Du Einziggeliebter!" rief die Jungfrau.
„Herrliches Mädchen!" unterbrach sie entzückt der Jüngling. „Ja — »och bin ich nicht ganz unglück- tid; — sieh her, Ludwig, diesen Schatz vermag mir Deine Arglist nicht zu rauben."
Die Liebenden sprachen noch lange über ihre Flucht und nur ungern riß siä) Pascal aus den Armen des Mädckens; endlich schwang er sich auf sein Pferd und sprengte eilig nach dem königlichen Schloß.
Die Sonne stand schon im Mittag, als er anlangte. Unterm Thor hielt Herr Tristan an der Spitze seiner Trabanten; er wollte eben auf die Jagd reiten. Als er den Geheimschreiber des Königs so rasend ansprengen sah, flog ein teuflisches Lächeln über sein häßliches Gesicht.
„Ein scharfer Ritt, Herr Geheimschreiber!" rief er höhnisch. „Mort de ma vie, Ihr reitet früh auf die Jagd und der König hat schon dreimal nach Euch gefragt." ' -
„Olivier hat den Dienst," entgegnete verächtlich der junge Mann, indem er dem Stallbursche» die Zügel in die Hände warf. ■ „Dennoch will ich gleich zum König eilen, obgleich ich Euch keine Rechenschaft über meine Lustrittc schuldig bin!"
Er schri.t die Treppe hinauf.
Der Oberhofrichtcr sah ihn: giftig nach. „Ho ho, mein junges Bürschchen!" murmelte er ingrimmig, „Du trotzest ja gewaltig auf Deinen Rang, hüte Dich vor.der Kralle!"
Da schallten die Hörner, der König mit seinem fahlen Gesicht trat an das Fenster, um seine Ohren an dem beliebten Klang zu weiden. Er öffnete dasselbe und rief mit matter Stimme nach l'Hcrnute.
„Laß den Baulieu auf die Jagd reiten," krächzte er hüstelnd hinab, „und komm zu mir herauf."
Tristan sprang schnell ab und eilte zum König. Ludwig sah heute besser aus,, als gewöhnlich. Meister Collier verschrieb ihm die erhitzendsten Medicamente, um das ersterbende Flämmchen so lange als. möglich zu erhalten.
„Bleib bei mir Tristan," begann freundlich der König. „Ich fühle mich heul besser, als gewöhnlich, wir wollen über Das sind Jenes plaudern. Hast,Du den Gaunerhäuptling Picard ersäufen lassen? Du hast mir noch nicht erzählt, wie sich der Spitzbube dabei benonimcn hat."
Der Obcrhofrichter ward bald roth, bald blaß.
„Den Gaunerhäuptling?" stotterte er. „Sire — ich ___ habe wohl einen Picard ins Wasser werfen lassen, der im Käfig Balurs saß, aber der war kein Gauner, sonder» jener Mönch-, der (id) durch eine Redensart gegen Euch vergangen."
„Der Mönch Picard?" rief aufspringend der König. „Par la Päque-Dieu, der arme Teufel dauert mich)


