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Jedes Knistern belauschte er mit vorgebeugtem Ohr, das Flattern der Vögel an die hohen Glasfenster, das Zirpen der Cicaden auf den nahen Wiesen, Alles konnie ihn, erschrecken. Da erschallten Fußtritte aber es war nicht der sanfte, schwebende Gang Clo- tildens; rasche Männerschrittc bäuchten es ihm zg seqn. Sollte ver König zu so ungewohnter Stunde nein, das war nicht zu denken! Diebe...? er griff an sein Schwert und verbarg sich eiligst hinter einem der hohen Betstühle.

(Fortsetzung folgt.)

Sträußchen für Damen.

Rothe und weiße Rose.

Rothe.

Wie so ernst und bleich stehst Lu bei der rosigen Schwester, Senkest zur Erde so still immer das trauernde Haupt?

O, wie hat doch so ganz Dich vergessen die liebende Göttin Da sie einst freundlich verlieh Jedem ein Liebesgeschenk!

Weiße.

Darum beneid' ich Dich nicht, Du duftende prangende Schwester,

Die Du so stolz Dich dünk'st. weil Dich die Liebe nur bricht. Za, wohl steckt Dich die liebende Jungfrau sich froh an den Busen,

Geht an der Blassen vorbei, siehet die Trauernde nicht.

Doch es wehet ein Sturm und dahin sinkt Liebe und Jung­frau

Und entblättert wie sie, sinkest auch Du von der Brust.

Trauernd naht der Geliebte sich dann: »Du Bluthe der Unschuld,«

Spricht er,flicht ihr den Kranz, bleich um's erblichene Haupt;

Morgen hättest im bräutlichen Kranz Du die Stirn ihr geküffet,

Ach! Jetzt ist sie dahin, sep ihr tut Tode noch Schmuck." Schwester, Dich pflückt nur die Liebe, mich pflücket die Lieb' unb die Trauer, Ich umkränze die Braut, folge der Unschuld in's Grab.

Schweigend hörte die prangende Rose die Rede der Schwester Und es thaut' ihr im Kelch, hell eine zitternde Thrän'.

/r.

Die Stiefeln.

Braucht Niemand neue Stiefeln hier?

Ein schönes Paar! kein Geld dafür."

rief in Wien ein Stainer auf dem Graben.

Um ihn schließt sich ein dichter Kreis ;

Wer kaust nicht gern um solchen Preis?

Ihr Herren! Einer nur kann meine Stiefeln haben. Der soll es sepn, der mir beweisen kann. Ihm sep sein Weib vollkommen unterthan!"

Er spricht's und Alle stehn und schweigen;

Prahlt irgend auch ein Ehemann, überschreit ihn zwanzig Zeugen, Der Kreis zerfließt gemach. Ein Schneider tritt herein: Die Stiefeln her! Ich bin der Mann, Der seine Hälfte zähmen kann, Muckt Liese nur, w läßt die Elle Kein Fleckchen heil auf ihrem Felle."

Ihr Nachbarn! sagt, sind's Prahlcrei'n?" »»Nein, das ist wahr, der meistert Liesen."» Wohl, Deine Herrschaft ist bewiesen, »Dein sollen auch die Stiefeln sepn, »Und dieses schwarze Wachs geb' ich Dir oben drein."

»»Wo berg' ich es? mein Wams ist ohne Taschen."« "Schieb's in den Busen." »»Nein, "«Es schmutzt! mein Hemd ist rein gewaschen;

"»Wie würde da die Liese schreit!"«

»So? Trotz der Elle? Hört ihr's, Brüder? Geschwind gib mir die Stiefeln wieder.«

Feuilleton.

(Bestes Kurmacher-Vertilgungsmittel.) Um eine blühendschöne, junge Frau hatte sich bereits ein solcher Schwarm von Anbetern gesammelt, daß der Ehemann schon für seinen Hausfrieden fürchten zu müssen glaubte. Um sich dieser Zudringlichen zu entledigen, ersann er eine List. Er nahm nämlich jeden dieser eleganten Herren freundschaftlich bei Seite und vertraute ihm seine angeblich mißliche Lage mit dem Bemerken, daß er seinerseits auf eine Unterstützung von 100 st. binnen acht Tagen fest rechne. Schon am folgenden Tage war das Haus von den Stutzern befreit.

(Chinesischer Speisezettel.) 1. Vogelnester­suppe; 2. fettes Schweinefleisch mit Schmorkartoffeln; 3. Schweinssüße; 4. geschmort«; Pilzen; 5. Vogelnest­salat ; 6. Gänsekleinsuppe; 7. junges Katzenfleisch; 8. geschmorte irländische Erdäpfel; 9. Rattenfleisch; 10. Thee; 11. Haifischflossen; 12. gebratene Enten; 13. gedämpfter Hund; 14. gebratene Hühnchen; 15. gekochter Schinken; 16. Schweinebraten; 17. ge­schmorte Gurken; 18. Rattenpastete; 19. Katzenragout; 20. gekochter Schinken mit Schweinefleisch; 21. Span­ferkel; 22. Schneckenpastete; 23. Schneckensuppe. (Prosit!)

Klcider-Polizei im 14. Jahrhundert. In einer Verordnung des Zittauer Rathes von 1353 heißt es unter anderm: Kein Bürger solle spitzige Schuhe tragen, wenn er nicht gewärtig sepn wolle, daß man ihm die Schuhspitzen ab haue; die Kleider solle man wenigstens so lang tragen, daß sie die Schande bedeckten; keine Frau oder Jungfrau solle Kögeln tragen (türkenbundariige Hauben mit unge- heuerm Kopfputz von Bändern und Tüchern,) indem diese künftig nur deS Zuchtmeisters und des Henkers Mägden zu tragen geboten würden Das war denn doch eine durchgreifende Maßregel.

Auflösung dos Räthsels in JV6 58. Der Buchstabe L.

Auflösung dcö Logogryphs in 58.

Wachtel Achtel.

Druck und Verlag der G. D. Brühl 'scheu Buch- und Steindruckerei in Gießen.