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glaubt Ihr, der längere Aufenthalt zu Berry würde anzurathen seyn?"

Dubouchage schüttelte bedenklich den Kopf.'Wenn Ihr immer hier bleibet, wohl, wer kann aber für die rohe Soldateska stehen.

So folgt Ihr mir mit Mr. de Rour nach Paris!" sprach schnell entschlossen Pascal.

Aber der Königs" wandte bedenklich der Alte ein.

Fürchtet nichts," rief Dubouchage lachend,wenn Der hier mit Euch geht, könnt Ihr Euch in Paris .getrost schlafen legen."

4.

Zu Paris war Alles in freudiger Bewegung. For­tuna hatte den Feinden Frankreichs Len Rücken ge­wendet; Balenciennes capitulirte, der große Dammar- tin schlug den Erzherzog Marimilian aufs Haupt und Burgund suchte den Frieden beim Könige nach. Feste über Feste wurden in der Hauptstadt veranstaltet und mitten unter diesen rauschenden Vergnügungen zog Pascal mit seinen Schützlingen ein. Das Volk der Pariser besaß schon damals jenen glücklichen Leichtsinn, von dem es noch jetzt beseelt sst. In Liesen fröhlichen Tagen vergaß es den Druck, der auf ihm lastete, es vergaß alles Ungemach verflossener 'Jahre und athmete nur Lust. Ludwig XI. lächelte schlau: er ließ seine guten Pariser in dieser Trunkenheit, er zeigte sich herablassend auch gegen den niedrigsten Bürger, ver­schmähte es nicht, sich bei ihnen zu Gast zu laden und zog sie oft an seine Tafel. Aber unter dieser Freundlichkeit lauerte doch der Tiger und streckte die Kralle aus, so oft er es für nöthig fand.

Er empfing Pascal mit unbegrenzter Freude, sah aber tückisch auf ressen Begleiterinnen. Das Wagniß dieses jungen Mannes war ungeheuer und der ganze Hof schrie Mirakel. Feinde des Landes, Feinde des Königs, Rebellen in Schutz zu nehmen, sie im Triumph nach Paris zu bringen! unerhört in den Annalen Frankreichs aber Pascal hatte es gethan! der Ge- heimschreiber des Königs hätte sich wohl noch mehr erlauben dürfen.

Der Jüngling blieb indessen kalt bei allen Festen. Auf der Reise hatte sich sein jugendliches Herz erschlos­sen und eine Flamme war hineingedrungen, die ver­zehrend brannte. Clotilde war es, die ihn so mächtig anzog. Das Mädchen war so schön, so herrlich Pascal zitterte in ihrer Nähe; die Allgewalt der Liebe umfing ihn mit hinreißender Gewalt. Und Clotilde! Ach sie zählte fünfzehn Jahre und Pascal war ihr Erretter, ihr allgewaltiger Beschützer und schön wie ein junger Gott. Bleibt das Geheimniß noch uner­klärlich! Der Jüngling kämpfte oft, wenn er die beiden Schwestern sah, den Kamps widerstreitender Gefühle. Auch Leokadia war schön, noch schöner als die-jüugcre Schwester. Aber sie war das Bild der majejlätischen Heliotrope und vermochte in Lein Herzen des zum

erstenmal liebenden Jünglings nicht ^ene sanfteren Ge­fühle zu erregen. Er bewunderte ihren Stolz, ihre Majestät, aber er vermochte sich nicht mit jenem trau­lichen Kosen an sie zu schmiegen. Das Mädchen sah dies mit innerem Seelenschmerz, sie liebte den Jüngling mit dem ganzen Feuer verzehrender Leidenschaft; aber es war nicht jene reine Empfindung, die auch starke Seelen beherrscht: der Ehrgeiz war die Quelle, woraus ihre Liebe entsprang. An ihm rankte sie sich auf, mit ihm war sie aufgewachsen und Pascal sollte ihn be­friedigen. Er, als Jüngling schon so mächtig so träumte sie oft was war als Mann von ihm zu hoffen! Ein Entzücken, gleich verzehrend, wie beseligend, brannte in ihrem Innern, sie buhlte um des Jüng­lings Gunst und ihr Großvater de Rour, obschon fast mit einem Fuß im Grab, begünstigte ihre Entwürfe.

Der König sah mit neidischen Blicken auf das Treiben seines Günstlings; die beiden Mädchen ge­fielen ihm, der niemals unempfindlich gegen das schone Geschlecht war, er glaubte leichtes Spiel zu haben aber PaScal war ihr Beschützer unv Ludwig XI. hatte nicht Muth genug ihn zu kränken.

Da starb der alte de Rour und der König nahm dadurch Veranlassung, den Heiden Mädchen einen Vor­mund zu bestellen. Er wählte diesen aus seinen Creaturen, die ihn stets speichelleckend umgaben. Jener Olivier mit dem Beinamen le Dain war es, dessen Obhut er die beiden Schwestern übergab. Pascal haßte diesen allvermögenden Barbier des Königs, weil er ein Ungeheuer war, das mit der Linken Geschenke gab und in der Rechten den Dolch verbarg; aber er vermochte ihn nicht zu verdrängen, iveil er mit den Jntriguen des Hofes schlecht vertraut war. Die Mäd­chen zu warnen, zu beschützen, war jetzt sein einziges Bestreben; er hatte Alles zu bcsürchten, so lange er sie einem Teufel anvertraut wußte. Olivier hütete wäh- renddcß die Mädchen mit Argusaugen und so oft auch Pascal sie aufsuchte, fand er doch jedesmal den Ver­haßten bei ihnen. Der Jüngling war in peinlicher Lage, seine Nächte waren ohne Schlaf, am Tage be­ging er die größten Thorheiten; oft wollte er sich dem König zu Füßen werfen und ihn bitten: jenen Menschen durch sein Machtwort zu entfernen. Endlich faßte er den Entschluß, das Mädchen um eine geheime Zusammenkunft zu bitten. Er wagte viel aber er wagte es. In der Kapelle des Königs, zu welcher er immer freien Zutritt und den Schlüssel hatte, sollte das Rendezvous in der Dämmerung einige Stunden vor der Abeiidmetto staltfinden. Clotilde sah erfchrockcn auf, als ihr Pascal in einem unbewachten Augenblick das Briefchen in die Hand schob, aber ein schüchterner Blick ans ihren blauen Augen ließ ihn Alles hoffen.

Der Abend senkte sich hernieder und mit hochklopfen­dem Herzen maß unser junger Freund in großer Auf­regung die prächtig geschmückten Räume der Kapelle.