Ausgabe 
20.10.1847
 
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so kommt ein solcher Handwerker bald um seinen Ruf, und, was eine naiürliche Folge davon ist, um sein Brod.

Die übrigen Vortheile die das Reisen bringt, daß man sich dadurch vielseitige Menschenkenntnis! erwerbe, für das gesellige Leben überhaupt gebildet werde, die Fähigkeit sich aneigne, sich in alle La­gen des Lebens zu fügen u. s. w., brauche ich hier gar nicht weiter zu erörtern, da schon aus dem bereits Gesagten genugsam hervorgeht, wie-noth- n'etibig einem jungen Handwerker das Wandern sey.

So viele derselben dieses auch bereits eingesehen haben und wandern mögen, so scheint dieses bei Manchen dock nur in Folge der, wie ich gehört, genommenen Maßregel Großh. Kreisralhs zu seyn, die Dispensation von dem Wandern abzuschlagen; aber die Befngniß des Letztem beschränkt sich indes? bloß auf die zünftigen Gewerbe.

Vielen gelingt es auch unter mancherlei Vor­wänden, auf die der Großh. Krcisrath wohl nicht in allen Fällen abschlägig verfugen kann, sich die Dispensation zu verschaffen; überhaupt aber findet man noch viel zu viel Abneigung, sich solcher ge­setzlichen Vorschriften, die doch das wahre Wohl des Handwerksmannes bezwecken, zu fügen.

Die Strenge daher, womit hier, wie man schon da und dort vernommen hat, von der kreisräthlichen Behörde verfahren wird, kann man nur billigen. Die wohlthätigen Folgen dieser Maßregel werden sich ohne Zweifel noch in später Zukunft, wenn vielleicht die jetzige Generation längst dahin gegangen scpn wird, zeigen; derjenige aber, welcher gewandert hat, wird wohl die Vortheile einsehen und demnächst auch seine Kinder und Angehörigen dazu anhalten. E

Die schöne Philippine Welser.

Romantisch Historische Erzählung aus der Mitte des töten Jahrhunderts von F. Bernhardt.

(Fortsetzung )

Als der würdige Geistliche mit dem neuen Ehepaar in seine Wohnung zurückgekchrt war und sie sich ihm daselbst dankend an die Brust geworfen hatten, sprach er ruhig:

Gott der Allmächtige möge das für Sic beginnende neue Leben zu einem Himmel voll aufblühender Freu­den machen, und ich wünsche, gnädigster Prinz und gnädigste Frau, daß Sic stets in Freude dieses Tages gedenken möchten. Jetzt wünschte ich aber vor Allem, daß Sie ihre Verbindung alsbald dem Kaiser, so wie Ihren Eltern förmlich Kund geben, wie ich nicht ver­säumen werde, meiner vorgesetzten Behörde das Gleiche zu thun. Offen und ohne Menschcnfurcht wollen wir

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handeln und es dem Allmächtigen überlassen, Alles zum Guten zu lenken."

Der Prinz that wie ihm angcrathen.ward, konnte aber weder von dem Oheim noch vpn seinem Vater Verzeihung erhalten, denn es hatte diese Mißheirath im In- und Auslände großes Aufsehen gemacht. Am ersten wurde der alte Fran; Welser nachgiebig. So­bald er erfahren hatte, daß der Prinz wirklich mit seiner Tochter verehelicht sey, sie sich somit nicht herab- gewürdigl hatte, die Geliebte eines Prinzen abzugeben, so war auch sein Groll verschwunden und er besuchte das liebende Paar, welches der Kaiser aus Deutschland verbannt hatte.

VII. - ,nU

Prinz Ferdinand hatte sich mit seiner schönen Ge­mahlin in der Nähe von Innsbruck niedergelassen. Bei Matrey besaß er ein großes Gut und lebte theil- weise hier, theils an erstgenanntem Orte. -Er genoß in Wahrheit das höchste häusliche Glück und Philip­pine bezauberte durch ihre Schönheit, durch ihren Verstand und ihre Herzensgüte Alle, die sie näher kennen lernten. Von Jahr zu Jähr hatte das Paar die Verzeihung des Oheims und des fürstlichen Vaters nachgcsucht, aber vergebens. Schon waren fünf Jahre einer glücklichen Ehe verlebt und noch war es dem Prinzen nicht gestattet worden, vor seinen Angehörigen zu erscheinen, als der Zufall sich als Vermittler anbot.

Kaiser Karl V. hatte im Jahr 1546, wie die Ge­schichte uns mittheilt, die protestantischen Fürsten, welche sich empört hatten, angegriffen, und ihre Macht zu brechen gesucht. Im Jahre 1547 besiegte er in der Schlacht bei Mühlberg den Kurfürsten Johann Fried­rich von Sachsen und machte denselben zum Gefangenen. Der Landgraf von Hessen, einer der Häupter der Protestanten, war nun auch genöthigt, um Gnade zu bitten, aber der Kaiser beraubte ihn, trotz seiner Ver­sprechungen , der Freiheit. Ja, als er einmal in den Niederlanden zu entfliehen versucht hatte, wurde er fast wie ein gemeiner Verbrecher gehalten. Sein Gefängniß war ein nicht zehn Fuß langes Kämmerlein in der Citadelle von Mecheln, dessen Fenster man sogar ver­nagelt hatte. Moritz von Sachsen, welchem der Kaiser die Kurwürde übertragen hatte, machte zwar einige Versuche, diesem Fürsten, seinem Schwiegervater, die Freiheit zu verschaffen, aber stets blieb der Kaiser un­erbittlich. Diese lange Schmach des unglücklichen Landgrafen erweckte allgemeinen und großen Unwillen, vorzüglich aber kränkte sie den lebhaften, feurigen Kurfürsten Moritz von Sachsen, welcker feine Ehre und Freiheit für denselben verpfändet hatte. Er wurde von seinen Glaubensgenossen mit minderer Achtung angesehen und er fühlte, er müsse eine entschlossene That unternehmen, um wieder das alle Ansehen zu erhalten. Eine That, wie die Befreiung des Land-