Ausgabe 
20.10.1847
 
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grafen, würde seinen Ruhm wieder hergestellt haben. Bald entwickelte sich der Gedanke in ihm, den Weg der Gewalt einzuschlagen, und die Waffen, die er zur Zeit für den Kaiser ergriff, jetzt gegen diesen zu ge­brauchen.

Der im Jähre 1551 von Karl V. erhaltene Auf­trag , Magdeburg zu belagern, kam daher dem Kur­fürsten sehr gelegen. Er brachte dazu eine hinreichende Anzahl Truppen auf die Beine und Moritz halte Gelegenheit seine Freunde au sich zu ziehen. Tie Belagerung erreichte im November 1551 ihr Ende, aber immer noch hielt der Kurfürst sein Heer bei­sammen.

Um diese Zeit war Kaiser Karl V. zu Innsbruck eingetroffen. Da nämlich der Papst Julius III. zu Trident ein Kirchen-Cvneiliuin hatte eröffnen lassen, so fand es jener gemessen, in der Nähe desselben zu sepn. Indessen erregten die Truppen des Kurfürsten doch einiges Bedenken und die geistlichen Kurfürsten wollten sogar das Coneilium verlassen, um eine Ge­fahr abzuwenden, welche ihre Länder bedrohte. Karl V. sah keine Gefahr, und vertraute dem Kurfürsten von Sachfen, welcher meldete, er habe die Truppen nicht entlassen können, weil ihm Geld fehle. Um den Kaiser recht zu täuschen, miethete er sogar eine Woh­nung in Innsbruck und zeigte seine Ankunft an.

Plötzlich im März 1552 warf der Kurfürst die Maske ab und erschien mit seinem Heere in Franken, von wo aus er unverweilt weiter zog. Der Kaiser, ohne Heer, übertrug es seinem Bruder, einen Ausgleichungs-Ber- such zu machen. Da der erste scheiterte, so joUie am 26. Mai zu Passau ein zweiter stattfinden. Der Bruder des Kaisers Ferdinands Vater kam nach Innsbruck, um Instruktionen zu holen; der Kur­fürst ging nach Schwaben. Sein Genius rieih ihm die zweite Zusammenkunft nicht abzuwarten, sondern unverweilt in Tyrol einzurücken.

Der Anmarsch des Kurfürsten, die Wehrlosigkeit des Kaisers erfüllte alle Thaler mit Schrecken, eiligst verbreitete sich die Kunde von der drohenden Gefahr, welche Prinz Ferdinand in den Armen feines reizen­den Weibes und seiner beiden lieblichen Knaben traf. Keinen Augenblick war er unschlüssig, was er ihun sollte. Er riß sich los aus den Armen der Geliebten ttnb' eilte gegen Reuten, wo einzelne kaiserliche Abthei- lungen stehen sollten, die aber ohne Anführer waren. Aber schon hatte der Kurfürst Reuten genommen und von hier aus ging es aus die Ehrenberger Klause, die ebenfalls von Kaiserlichen besetzt, war. Ein Schäfer jagte einen geheimen Pfad, auf welchem der Felsen in der Nacht erstiegen ward, was die Uebergabe derselben zur Folge hatte.

Mit schwerem Herzen hatte sich jPrinz Ferdinand von der rheueren Gattin getrennt. Philippine war

standhafter geblieben, als man es von einem schwachen Weibe erwarten dürfte. Sie hatte aber eine starke Seele und eine muthige Zuversicht auf den Beistand des Allgewaltigen; dennoch flössen ihre Thräuen in Strömen und fest hing sie an deut Halse des Gelieb­ten , der ihr in dieser Stunde theurer wurde, als je.

Lebe wohl, mein Ferdinand," hauchte das reizende Geschöpf,ich sehe Dich wieder, mir sagt's eine innere Stimme . . ."

Nochmals küßte Ferdinand die thränenden Augen, die ihn so trostvoll anblickten, nochmals preßte er seine Philippine, sein Alles, in seine Arme und fort eilte er dann auf dem stolzen Rappen, begleitet von einem treuen Diener.

Es war schon Abend, als er sich auf den Weg machte. Die ganze Nacht ritt er fort, um am frühen Morgen bei den Kaiserlichen zu felgt. Als die ersten Sonnenstrahlen den anbrechenden Tag verkündeten, wurde Prinz Ferdinand auf das Gedröhne eines an- marschirenden Zuges aufmeiffam gemacht, auch vernahm man deutlich den Hufschlag der Rosse. Hierdurch wurde er aus seinen Träumereien geweckt, denen er sich überlassen hatte.

Die Nahenden schienen auf voller Flucht zu sepn. Ordnung, die Seele kriegerischer Bewegungen, fehfte, und jeder suchte auf seine Rettung bedacht, sich eiligst in Sicherheit zu bringen. An der Spitze des Zugs ritt ein Ritter mit einigen sogenannten deutschen Rei­tern , welche vergebens bemüht waren, die Flüchtigen aufzuhalten und ihnen Muth eiuzusprechen.

Der Prinz glaubte eine bekannte Stimme zu hören und sprengte den Ankommenden entgegen. Statt der schweren, sonst üblichen Kopfbedeckung, war er nur mit einem leichten Barrett bedeckt, und feine Gestchts- zitge somit leicht erkenntlich. Als er einige Schritte vorgesprengt und den Ankommenden aus zwanzig Schritte nahe gekommen war, hielt der Ritter, von dem tvir sprachen, an und nochmals, als traue er feinen Augen nicht, den Prinzen firirend, rief er plötzlich:

Sehe ich recht, Prinz Ferdinand?" und sprengte im vollen Lauf auf diesen zu.

(Schluß folgt)

R ä t h s e l.

Kleid bin ich oft dem Kopf, Oft bin ich es den sitißen, Doch nenn' ich Menschen auch, Die gar nicht zu genießen.

Auslösung des Rälhselö in 83:

H a n d s ch u h.

Truck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Stctndruckcrei.