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sich hin; „hat mein Vetter Karl in den Sümpfen von Lothringen endlich sein Ziel gefunden? Dieser edle Thor ich habe ihn wohlweislich seine Stirn an den Bergen der Schweiz einrennen lassen. Burgund r das schöne, herrliche Burgund — ich umfasse es jetzt und der letzte Rest einer übermüthigeu Feudalherrschaft fällt mit ihm. Wie aber, wenn es Trug wäre, wenn die Todten wieder aufständen und von Neuem das Schwert geltend machen müßte, was List erobern soll? Der Bauernknabe!" rief er rasch entschlossen zur Thür hinaus.
Nach, wenigen Augenblicken trat Tristan mit jenem Bauernknaben, den wir bereits oben kennen gelernt, in das Gemach.
Der König sirirte lange mit stechendem Blick den jungen Menschen, und immer düsterer und bewegter wurde fein Angesicht.
,,Wie heißest Du, Bursch?" fragte er endlich rasch.
„Man nennt mich Ludwig," erwiederte der Knabe bescheiden, aber ohne Furcht. „Mein Vater ist ein Waldbauer bei Nancy im Lothringischen und ich bin niemals aus der Einsamkeit gekommen. Meine Mutter ist eine schöne, sanfte Frau, die mich sehr lieb hat; sie hätte aber nie gelitten, daß ich den Wald verließe, wenn mir nicht mein Vater den Weg dazu gezeigt
(Fortsetzung folgt.)
O daß doch immer diese Welt uns bliebe Mlt Allem was uns froh und glücklich macht! O wiirde nie der heit're vimmel trübe. Der in der Jugend uns so freundlich lacht! Doch ach, die Stunden dieses Lebens eilen Jn's Meer der Zeiten unaufhaltsam hin; Ntcht ewig kann das Irdische hier weilen, Des Lebens Bilder kommen und entflieh'n.
Silbenräthsel.
Die Erste schmückt das Thal mit Silberglanz Verklingen uns des Jahres Jubelstiminen; Sie ist ein nimmerwelker Lilieniranz Der Alpen die im Adeudieuer glimmen. Sie ist ein reich umwallend Mantclklcid, In das sich tausend Blumenherzen bergen. Sie ist das Grab, aus dem in Herrlichkeit Der Lenz steigt, im Triumph der Lerchen.
Die Letzten sind Verkünder unsrer Tage, Sie grüßen sroh das lieoumkranzte äüid. Sie stürmen in des Schmerzes laute Klage Wenn der Geliebten Ledensstrom verrinnt Sic sind es, die der Hülfe Angstruf tragen; In weiter Ferne, thürmt Gefahr sich bang. Zum Vaterhaus, wo Heimathssterne tagen, Ruft unser Herz Ihr heller Feierklang.
Des stillen, frommen Herzens zartes Bild Erweckt vom ersten Kuß der Fruhlingssonne. Das Ganze blüht im Garten schön und mild. Webt uns die pvffnungskränze neuer Wonne.
Drei Bilder des Lebens.
Der Morgen.
Still dämmernd steigt auf goldgewobnen Schwingen Der Kindheitsmorgen in dem Osten auf. Umspielt des Knabens golvne Lockenringen, lind streut ihm Blütben in dem Erdenlauf.
Still gleiten ihm die schönen Jugendtage Dem ftischbegrünten Blumenrain'hinab;
Noch kennt er nicht des Lebens Schmerz und Klage, Frei tändelnd mit der Freude Rosenstab!
Der Mittag.
Hin ist das Glück! — Verklungen sind die Lieder Der frohen Tage, und es schweigt die Lust.
Der Mittag senkt sich schwül und bang hernieder. Und füllt mit Ernst des Mannes kühne Brust.
Er tritt hinaus in das bewegte Leben
Mit Kratt, Verjranen und mit frohem Muth, Nach Gluck, nach Ruhm steht all' sein männlich Streben, Und Freiheit, Tugend ist sein höchstes 'Gut!
Der Abend.
Der Abend naht, und in dem Silberhaare Der fromme Greis die Hände betend hebt; Er denkt zurück noch an die sonnenklare, Beglückte Kindheit! die er einst verlebt.
Und zitternd wanket, bebt er an dem Stabe, Blickt träumrisch in der Abendsonne Spiel, Sie winkt ihm lächelnd, und er steht am Grabe Steht an der Grenze — an der Menschheit Ziel!
Feuilleton.
Als Jenny Lind in Wien sang, gingen die Beifallswogen im Parterre so hock, daß die Zusckauer auf den vordersten Bänken Schwimmhosen anriehen niußten. '
(Sin Tabackhändler in Dresden nennt sich jetzt Redakteur, weil er verschiedene Blätter herausgibt. — Selbige machen auch blauen Dunst ganz wie in der Literatur.
Kühne Antwort. Hans, letzter Herzog von Sagan aus dem Piastischen Stamme, befand sich im Jahre 1500 in Rom. Der Papst, um ihn, als einen deutschen Prinzen, ganz besonders zu ehren, ließ ihm von Jreien Stücken Audienz und Fußkuß anbieten der Prinz aber ihm antworten: „Er sey eben reisefertig und sehne sich nicht nach solcher Leckerei." — "'Solch eine Antwort einem Papste in seiner eigenen Residenz — das war doch in der Tbat deutsche Kühnheit.
Im Leben hört man immer die Redensart: ein armer Teufel! Warum nicht einmal: ein reis et) er Teufel? Unter den Reichen sind doch gewiß dte meisten Teufel anzulreffeu.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


