Ausgabe 
16.10.1847
 
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und Verkaufskosten, dennoch sehr gute Geschäfte machen. Namentlich ist mir eine Stadl bekannt, wo ein derartiges Möbelmagazin in den ersten Jahren, so lange ein Schreiner und Mitintcressent den Verkauf besorgte, schlechte Geschäfte machte, das sich jedoch bald hob, als die Verkaufsgeschäfte einem jungen gewandten Kanfmanne übertragen wurden, der, mit Sachkenntniß zu Werke gehend, bald ein reges Leben hervorrief, so daß schon seit mehreren Jabren der Absatz bedeutend, und daö Resultat ein sehr befriedigendes ist.

(Schluß folgt)

Die schöne Philippine Welser.

Romantisch historische Erzählung aus der Mitte des löten Jahrhunderts von F. Bernhardi.

(Fortsetzung )

Ehrfurchtsvoll küßte der Prinz die Hand des Allge­waltigen und entfernte sich schweigend. Mehr als man seiner Jugend zutrauen mochte, durchschaute dieser seinen gestrengen Oheim und es war für ihn kein Zweifel, daß derselbe sein Gcheimniß auf irgend eine Art er­fahren habe. Hierauf gefaßt, batte er längst seine Plane entworfen, mit deren Ausführung er sich be­schäftigte, sobald er sich, wie ihm befohlen war, seinem Vater vorgestellt hatte, der übrigens so wenig wie der Kaiser merken ließ, daß er von des Prinzen Neigung zu der schönen Philippine Kenntniß habe. Die Will­fährigkeit desselben hatten Oheim und Vater getäuscht. Sie sahen das ihnen mitgetheilte Verhältniß des Prin­zen als eine Liebeständelei an, auf welches sie nur in so ferne Gewicht legten, als sie nicht wünschten, daß dieselbe mit der angesehenen Patriziers-Tochter, noch überdieß der Nichte des Günstlings Karls V., Folgen habe, welche der Ehre des Mädchens hätten schaden müssen.

Kaum war aber der Prinz wieder in seinen Ge­mächern angelangt, als er seinen Vertrauten, den Grafen Stephani, zu sich kommen ließ. Nachdem er ihn mit allen Verhältnissen genau bekannt gemacht hatte, sagte er:

Du sichst, welches Spiel die Falschen mit mir treiben wollen, das ich aber zum Glücke durchschaue. Meines Bleibens ist hier nicht mehr. Fort muß ich, noch diese Nacht, und Philippine mit mir."

Aber, Prinz! bedenken Sie die Folgen dieses Schrittes. Bedenken Sie, daß Sie der Gewalt des Kaisers nicht entgehen können, daß man Sie daun doch von Philippinen trennen wird, welcher Sie durch eine Ent­führung sehr schaden."

Meine Liebe," sprach ernst der junge Prinz,ist mir höher als Alles. Ich reiße mich von den Meinen los. Dem Eigensinn, der Herzlosigkeit, den ehrgeizigen Planen meines Oheims laß ich mich nimmermehr opfern. Philippine wird mein Weib und ist sie es

nur einmal, so sollen sie vergebens zu trennen suchen, was die Kirche geheiligt hat."

Aber," fiel der Graf ein.

Kein aber, ich bitte Dich, soll ich glauben, daß Du noch mein Freund bist. Sorge, daß um 9 Uhr heute Nacht ein Gefährt mir zur Bereitschaft steht. Mein alter, treuer Heinrich soll mich führen, er bleibe bei mir. Du selbst wirst nicht erfahren, wohin ich mich wende, damit Du um so leichteren Herzens jede Mitwissenschaft an meiner Flucht ablehnen kannst. Doch eile jetzt, wir haben schon zu lattge geplaudert."

Der Graf entfernte sich; der Prinz aber packte Geld und Geldeswerthes, seine Kleinodien unv die nöthigsten Kleidttngsstücke selbst ein und brachte dann den Rest des Tages scheinbar fröhlich und aufgeräumt au dem Hotlager seines Oheims zu, welcher vergebens die Herzogin von Baiern erwartet hatte.

VI.

Als am Abend der Patrizier Franz Welser nach Hause kam und nach feiner Tochter frug, meldete man ihm, sie sey bereits zu Bette gegangen. Ohne dieses auffallend zu finden, weil es schon auf zehn Uhr ging, suchte er auch die Ruhe. Er hatte den großen Hof- hunv in den Garten eiiiquartirt und so die Gewißheit, daß es Niemand wagen könne, denselben zu betreten. Aber seine Maßregeln kamen zu spät. Als der Prinz durch seine Vertrauten die Kunde erhielt, daß der alte Welser zu seinem Bruder gegangen sey, hatte er sich zu Philippine geschlichen, ihr ohne Hehl die Plane seines Oheims geschildert und sie zur Flucht aufgesor-- dert. Das erschrockene, mit der innigsten Liebe an dem Prinzen hängende Mädchen weigerte sich nur wenig; zu überredend war das Flehen des Heißgelieb­ten und rasch eilte das liebende Paar dem ihrer har­renden Gefährte zu.

Der Prinz schlug den Weg nach Schwabmünchen ein. Die Nacht war kühl, aber ein großer Mantel schützte das bebende Mädchen, welches sich immer größere Vorwürfe über ihre Flucht machte, je weiter sie sich von Augsburg entfernte. Der Prinz tröstete sie mit den zärtlichsten Liebkosungen und malte ihr die Zukunft mit den hellsten Farben aus. Sie selbst mußte zugestehen, daß ihrer Liebe die größte Gefahr gedroht habe, wenn sie noch länger gezögert hätten, diesen allerdings bedenklichen Schritt zu thun, und endlich beruhigte sie wieder der Gedanke, sich endlich zu besitzen, sich fürs Leben anzugehören.

Der Plan des Prinzen war, sich von einem wür­digen Pfarrer, dem er vor einigen Wochen, bei dessen Anwesenheit in Augsburg, einen wesentlichen Dienst geleistet hatte, trauen zu lassen und dann in Tyrol ein freies, ungezwungenes Leben zu führen. Von Schwabmünchen lenkte er daher von der Straße ab, um nach dem seitwärts, unweit der Donau liegenden